Dokumentarfilm «Sacro GRA» gewinnt den Goldenen Löwen in Venedig

Der Goldene Löwe der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele Venedig geht an die filmische Dokumentation «Sacro GRA» des italienischen Regisseurs Gianfranco Rosi. Für Filmredaktorin Brigitte Häring ist dem Jury-Präsidenten Bernardo Bertolucci damit die angekündigte Überraschung gelungen.

Ein Mann im Bademantel sitzt mit Zigarre im Mund auf einem Sessel und starrt nachdenklich in die Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine der Figuren in Gianfranco Rosis Siegerfilm: Ein Adliger, der seinen Palast für Fotoromanzen-Shootings vermietet. Filmfestival Venedig

Das prämierte Werk beobachtet das Leben von Menschen am römischen Autobahnring GRA. Es ist das erste Mal, dass bei den Filmfestspielen eine Dokumentation mit dem Hauptpreis geehrt wird. Ausserdem ist es der erste Goldene Löwe für Regisseur Rosi.

Eine Überraschung

SRF-Filmredaktorin Brigitte Häring hätte wie viele andere nicht mit dieser Wahl gerechnet. Allerdings habe der Jurypräsident Bernardo Bertolucci zu Beginn des Festivals eine Überraschung angekündigt, diese sei ihm nun gelungen. Brigitte Häring: «Der Film bietet ein wunderbares Kaleidoskop skurriler Figuren an den Rändern von Rom. Dabei sieht man immer nur die Peripherie, nie Rom selber.» Ohne zu kommentieren porträtiere Regisseur Gianfranco Rosi zum Beispiel einen Krankenwagenfahrer, einen Aalfischer, einen Insektenforscher, der versucht Palmen zu retten, einen schrägen Adligen, ältere Prostituierte und die Bewohner eines Hochhauses direkt an der Schneise.

Ein Paar mit seiner junger Tochter liegt umschlungen im Freien. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Filmstill aus dem deutschen Beitrag «Die Frau des Polizisten». Venedig Filmfestival

Spezialpreis der Jury für deutschen Film

Der deutsche Beitrag «Die Frau des Polizisten» wurde in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury geehrt. Das Werk des Regisseurs Philip Gröning handelt von Gewalt in der Ehe. Zwei Auszeichnungen gingen nach Griechenland: Für das Drama «Miss Violence» gewann Regisseur Alexandros Avranas den Silbernen Löwen für die beste Regie. Themis Panou erhielt die Trophäe als bester Darsteller.

Mit dem Grossen Preis der Jury wurde der Beitrag «Jiaoyou (Stray Dogs)» aus Taiwan geehrt. Regisseur Tsai Ming-liang hatte 1994 für sein Drama «Vive l'Amour – Es lebe die Liebe» den Goldenen Löwen gewonnen. Als beste Darstellerin wurde die italienische Schauspielerin Elena Cotta (82) für ihre Leistung in dem Drama «Via Castellana Bandiera» der Regisseurin Emma Dante ausgezeichnet.

Die Preise wurden von einer neunköpfigen Jury unter Vorsitz des italienischen Regisseurs Bernardo Bertolucci verliehen.

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Der goldene Löwe geht an einen Dokumentarfilm

0:30 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 7.9.2013

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