Eine junge Schweizerin streckt sich nach dem Oscar

Die Schweizer Filmemacherin Talkhon Hamzavi hat mit ihrem Kurzfilm «Parvaneh» einen Studentenoscar gewonnen. Und nun könnte auch noch ein «richtiges» Goldmännchen folgen. Die Regisseurin sieht der Oscarverleihung jedoch gelassen entgegen.

Hamzavi steht neben einer grossen Oscar-Statue. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schweizer Regisseurin Talkhon Hamzavi konnte ihren Kurzfilm «Parvaneh» für die Oscars einreichen. Getty Images

Ein gutes Jahr ist es her, dass die Schweizer Regisseurin Talkhon Hamzavi den bisherigen Höhepunkt ihrer noch jungen Filmkarriere erlebte: Am 7. Juni des vergangenen Jahres betrat sie die Bühne des Samuel Goldwyn Theater in Los Angeles und nahm ihren Studentenoscar entgegen.

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«Parvaneh»

«Parvaneh»

SRF/ZhdK/Talkhon Hamzavi

Die junge Migrantin Parvaneh aus Afghanistan befindet sich in einem Durchgangszentrum in den Schweizer Bergen. Sie reist nach Zürich, um von dort aus Geld an ihre Familie zu schicken. Dafür bittet sie ein Mädchen um Hilfe. Es beginnt ein Streifzug durch die Stadt und durch die Nacht.

Die Student Acadmey Awards werden, wie die «richtigen» Oscars, von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verliehen. Für ihren Kurzfilm «Parvaneh» wurde Hamzavi in der Sparte für ausländische Filme mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Von der Filmschule nach Los Angeles

«Parvaneh» ist Talkhon Hamzavis Masterfilm, die Abschlussarbeit ihres Filmstudiums. Die junge Filmemacherin konnte damit schon zu Beginn ihrer Karriere einen renommierten Preis entgegennehmen und ihren Film an zahlreichen Festivals zeigen.

Ist man als Filmstudentin auf diesen Rummel vorbereitet? «Nein, überhaupt nicht», sagt Hamzavi. Darauf könne man sich auch gar nicht vorbereiten, weil ein solcher Preis nicht erwartbar sei.

Weitere Festivals, weitere Preise

Die anfangs verhaltenen Reaktionen auf ihren Film liessen den späteren Erfolg auch nicht erwarten. Nach dem Studentenoscar sei die Aufmerksamkeit dann viel grösser geworden, es warteten zahlreiche Interviewtermine.

In der Folge besucht Hamzavi mit ihrem Film mehrere Festivals. Dass Hamzavi ihren Film an so vielen Festivals zeigen konnte, hat sie auch dem Studentenoscar zu verdanken. Für den Film ging der Erfolg an den Festivals weiter, er räumte mehrere Auszeichnungen ab.

Rückkehr nach Hollywood?

Mit den letzten beiden Preisen an den Festivals in Gijón in Spanien und Derry in Nordirland erfüllt «Parvaneh» nun die Kriterien, um sich für den Kurzfilm-Oscar anzumelden – ein Preis an einem dieser Festivals hätte eigentlich genügt, der Film erfüllt die Anforderungen sogar doppelt.

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SRF-Koproduktion

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat diesen Film koproduziert.

Bekommt Hamzavi also nächstes Jahr auch noch einen richtigen Oscar? Hamzavi ist weit davon entfernt, in Euphorie zu verfallen: «Die Chance ist extrem klein, die Konkurrenz ist gross.» Denn erstmal muss «Parvaneh» überhaupt nominiert werden, die Anmeldungen dürften zahlreich sein. Ob ihr Film dabei ist, wird am 15. Januar 2015 bekannt.

Was der Preis bringt, zeigt das nächste Projekt

Die Zeit seit dem Studentenoscar ist für Hamzavi eine Art Probephase, in der sie versucht, sich als Filmemacherin zu etablieren. Denn auch wenn sie nun mehrere Preise gewonnen hat, bleibt es ein hartes Business, sagt sie: «Es ist nicht so, dass ich jetzt plötzlich ganz viele Angebote bekomme.» Was der Studentenoscar wirklich bringt, werde sich wohl erst zeigen, wenn sie das nächste Projekt in Angriff nimmt.

Derzeit arbeitet Hamzavi am Drehbuch für ihren nächsten Film. Ein Langfilm solle es dieses Mal werden, eine Drama-Komödie. Druck wegen der bisherigen Erfolge verspürt sie bisher nicht: «Vielleicht kommt das dann in der Endphase des Films. Aber momentan lasse ich mich noch nicht unter Druck setzen.»

Auch der Oscarverleihung blickt Hamzavi relativ gelassen entgegen. Auf Spekualationen zu ihren Gewinnchancen will sie sich jedenfalls nicht einlassen: «Ich lasse mich davon jetzt nicht verrückt machen.»

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