Emmys: Vier Serien, die hervorragen – neben «Game of Thrones»

«Game of Thrones» überstrahlte bei der Emmy-Vergabe wieder alle. Aber auch im Schatten der Über-Serie finden sich ein paar TV-Serien, die mehr sind als nur «Thrones»-Folger. Vier frisch gekrönte Titel, die den Seitenblick lohnen.

1. «Orphan Black»

Ein gutes Dutzend Klone, alle gespielt von einer Schauspielerin: Tatiana Maslany schlüpft in der Science-Fiction-Serie «Orphan Black» in komplett unterschiedliche Rollen. Ob Fussballer-Mutti oder Hippie-Wissenschaftlerin: Jede einzelne kauft man ihr ab.

Allen Klonen ist gemein: Sie werden von ihren Schöpfern verfolgt – und von den grossen Fragen des Mensch-Seins geplagt: Wer bin ich? Und wenn ja wie viele? Drei Staffeln hat es gebraucht, bis Tatiana Maslany zu einer Nomination kam. Gestern erhielt sie den Emmy. Es hätten auch ein paar mehr sein dürfen.

Lesetipp: Aufstand der Klon-Kriegerinnen («Spiegel»)

«Orphan Black» ist bei ZDFneo im Programm.

2. «Veep»

Die HBO-Serie, wie im Vorjahr als beste Comedy-Serie ausgezeichnet, zeigt Julia Louis-Dreyfus als überforderte US-Vizepräsidentin mit Ambitionen. Das Drama der Frau, die lange Staffel-Jahre im Schatten ihres Chefs steht: Sie hat nichts zu melden – und ihr Boss meldet sich schon gar nicht bei ihr. Nie.

Dabei hat die Frau gute Ideen. Zum Beispiel diese: Sie will Plastikbesteck auf Pflanzenbasis in der ganzen Verwaltung einführen. Satirisch angespitzte Comedy im Stile von «The Office»: «Die Show begann als Politsatire. Aber mittlerweile fühlt sie sich als Dokumentarfilm an», sagte Julia Louis-Dreyfus, die zum fünften Mal in Folge zur besten Komödie-Schauspielerin des Jahres ausgerufen wurde.

Lesetipp: Lachen über das Weisse Haus («Zeit»)

Die 5. Staffel läuft auf dem deutschsprachigen Pay-TV-Sender Sky Atlantic.

3. «The People vs. O. J. Simpson»

Eine ganze Nation sitzt vor der Kiste, als O.J. Simpson am 17. Juni 1994 versucht, in seinem weissen Bronco der Polizei zu entkommen. Der Ex-Football-Star steht unter Verdacht, seine Ex-Frau und deren Freund ermordet zu haben.

Die Miniserie von Ryan Murphy – die erste zu einer Serie über grosse Mordfälle – zeichnet den Prozess nach, an dessen Ende O.J. Simpson nicht in der Kiste landet. Murphys Zehnteiler basiert auf Jeffrey Toobins Buch «The Run of His Life: The People vs. O.J. Simpson», das den Fall aus Sicht des Anwalts rekonstruiert.

Lesetipp: Eine Sitcom ohne Com («Guardian»)

«The People vs. O.J. Simpson« ist bei Amazon Video im Angebot.

4. «Mr Robot»

Über weite Strecken sehe die Thriller-Drama-Serie aus wie David Cronenbergs Verfilmung von William S. Borroughs' Roman «Naked Lunch», schreibt die «Zeit». Dabei ist Hauptfigur Elliot Aldersson nur ein kleiner Angestellter in einer IT-Sicherheitsfirma. Tagsüber.

Nachts aber verliert Eliot sich im Dunkel des Darknet – und zusehends den Boden unter den Füssen. Ein Süchtiger, der Gutes tut für jene, die er liebt: Hauptdarsteller Rami Malek holte sich den Emmy als bester Darsteller einer Dramaserie. Er konnte sein Glück kaum fassen.

Lesetipp: Superman im Hoodie («Zeit»)

Die 1. Staffel von «Mr Robot» ist auf DVD erschienen.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 19.9.2016, 6:30 Uhr