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«The Owl House»: Die erste bisexuelle Hauptfigur in einer Disneyproduktion
Aus Kultur-Aktualität vom 27.08.2020.
abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
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Erste bisexuelle Hauptfigur Popkultur-Expertin: «Mit dieser Figur positioniert sich Disney»

Die 14-jährige Luz Noceda ist die Hauptfigur in der Disney-Animationsserie «The Owl House». Sie möchte zaubern lernen, geht auf eine Hexenschule – und ist seit Kurzem bisexuell, wie Dana Terrace, die Macherin der Serie, auf Twitter bekannt gegeben hat.

Eine kleine Sensation, ist sie doch die erste bisexuelle Hauptfigur in einer Disney-Produktion. Warum der Unterhaltungskonzern diesen Weg gerade jetzt einschlägt, erklärt Popkultur-Expertin Brigitte Frizzoni.

Brigitte Frizzoni

Brigitte Frizzoni

Geschäftsführerin Abteilung Populäre Kulturen

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Brigitte Frizzoni ist Dozentin und Geschäftsführerin am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich. Sie studierte Literatur- und Filmwissenschaft und war bis 2019 unter anderem als Vorsitzende der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde tätig.

SRF: Überrascht Sie dieser Schritt von Disney?

Brigitte Frizzoni: Nein, überhaupt nicht. In der Populärkultur werden immer auch gesellschaftlich virulente Diskurse irgendwann aufgegriffen. Manchmal nehmen sie auch eine Vorreiterrolle ein und greifen etwas auf, das dann wieder in den Diskurs fliesst.

In «The Owl House» ist es eindeutig die Diskussion um Diversity und sexuelle Vorlieben, die in der Populärkultur angekommen ist.

«The Owl House»: Worum gehts?

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In der Fantasy-Animationsserie «The Owl House» (dt. Titel «Willkommen im Haus der Eulen») stolpert die Teenagerin Luz Noceda versehentlich über ein Portal in eine andere Welt. Auf den «Kochenden Inseln», die aus den Überresten eines Titanen bestehen, freundet sie sich mit der rebellischen Hexe Eda und ihrem dämonischen Mitbewohner namens King an.

Obwohl sie keine magischen Fähigkeiten besitzt, will Luz unbedingt Hexe werden. Als Eda's Schülerin muss sie mit ihren Freunden einige Hindernisse bestreiten - und findet schliesslich in dieser fremden Welt ein neues Zuhause.

Deutsche Erstausstrahlung: 31.08.2020, Disney-Channel

Nun wird die Heteronormativität aber nicht erst seit gestern diskutiert und auch kritisiert. Warum kommt Disney erst jetzt mit einer bisexuellen Hauptfigur?

Solche innovativen Neuerungen, die nicht von Anfang an mainstreamfähig sind, finden ihren Weg immer zuerst durch kleinere Formate in die breite Masse.

In der Literatur etwa werden nischige Geschichten erst in kleinen Verlagen publiziert, bevor sie dann eben mainstreamfähig sind und von grösseren Verlagen aufgenommen werden.

So ist es auch bei Filmen und Serien. In den 80er-Jahren war die «Lindenstrasse» die erste deutschsprachige Soap, in der es zu einem Kuss zwischen zwei Männern kam. Man könnte sagen: Jetzt ist Disney auch so weit.

Wenn die Figur Luz Noceda beim Publikum nicht ankommt, wird sie einfach herausgeschnitten.

Warum wagt man ausgerechnet in einer Serie diesen Schritt?

Das hat vor allem mit dem Produktionsablauf zu tun: Serien sind viel flexibler als Filme, die oft einen langen Vorlauf haben und auch merklich teurer sind.

Wenn sich jetzt herausstellen sollte, dass die Figur Luz Noceda nicht ankommt beim Publikum, kann man sie einfach herausschneiden. Sie wird dann vielleicht von einer Hauptfigur zur Nebenfigur oder geht auf eine längere Reise, um dann irgendwann ganz von der Bildfläche zu verschwinden.

Die Hauptfigur steht mit einem Kostüm vor dem Spiegel und schaut sich an.
Legende: Die Hauptfigur Luz verliebt sich in «The Owl House» in Mädchen und Jungs. Getty Images

Steckt hinter dem Diversity-Gedanken von Disney nicht einfach auch wirtschaftliches Kalkül?

Selbstverständlich ist Disney interessiert, mit der Zeit zu gehen und sich zu positionieren. Die Nachricht über den ersten bisexuellen Charakter in ihrer Produktion geht aktuell ja sehr durch die Presse. So positioniert sich Disney natürlich als fortschrittliche Produktionsfirma.

Das Gespräch führte Igor Basic.

Radio SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 27.08.2020, 17:20 Uhr.;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Mark Keller  (mkel)
    The Simpsons gibt es seit 30 Jahren und in dieser Zeit gab es dutzende - auch wichtige - Figuren, die nicht hetero waren oder allen möglichen Gendern angehörten. Die Serie gehört seit 2019 Disney. Solange die Story stimmt, sind solche Aspekte den Leuten erwiesenermassen egal. Nur die Produktionsfirmen und Medien versuchen jedesmal ein Fass aufzumachen. Was die sexuelle Orientierung eines Kindes in einer Geschichte über Zauberei für eine Relevanz haben soll, weiss ich leider nicht.
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  • Kommentar von Remo Kucera  (Remo Kucera)
    Wenn es wichtiger ist, was für eine Sexualität und Bevorzugung deine Figur hat als einen guten Cartoon zu machen...

    Es ist traurig das Nebensächlichkeiten die keinen wirklich interessiert halt mehr Gewicht haben.

    Funfact: Die besten Cartoons bis heute kommen ohne sowas aus.
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    1. Antwort von Thrum Amstalden  (Thrumugnyr)
      Haben sie die Serie überhaupt geschaut? Sie ist nämlich ziemlich gut! Dass die Heldin nicht hetero ist, ist dabei Nebensache. Es ist aber sehr schön, dass auch 'Minderheiten' mittlerweile Hauptcharaktere sein dürfen. Die Selbstmordrate von LGBT-Jugendlichen ist immer noch 8 Mal höher als jene von heterosexuellen. Solche Serien (und die damit einhergehende Normalisierung, bzw. positive Darstellung) können dabei helfen, dass diese sich in ihrer Identität nicht so alleine fühlen.
  • Kommentar von Marti Müller  (Co2=Leben)
    Einfach nur krank, diese Welt..
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