Film-Tipp des Tages: «Amour - Liebe»

Georges und Anne leben schon seit Jahrzehnten zusammen. Als Anne einen Schlaganfall erleidet, ändert sich alles im Leben des Ehepaares. Georges will keine Hilfe von aussen, sondern will sich trotz seines Alters ganz alleine um Anne kümmern – bis zum Ende.

Ein Mann hält das Gesicht einer Frau in den Händen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Emmanuelle Riva als Anne. SRF/Filmcoopi

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Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:15 auf SRF 1

Die Polizei öffnet die Tür einer Pariser Wohnung mit Gewalt. Von Verwesungsgeruch überwältigt durchschreiten die Beamten die Räume eines älteren Ehepaars und entdecken die Leiche von Anne (Emmanuelle Riva), aufgebahrt in ihrem Bett, in einem schwarzen Kleid, umgeben von Blumen.

Ein paar Monate früher: Anne und ihr Ehemann Georges (Jean-Louis Trintignant), beides Musikprofessoren, besuchen gemeinsam ein klassisches Konzert. Es sollte ihr letzter Ausflug in die Öffentlichkeit sein. Nur kurz darauf erleidet die 80-jährige Anne einen Schlaganfall und ist halbseitig gelähmt. Das Paar organisiert seinen Alltag um, passt das Leben Annes Behinderung an. Doch bald folgt ein zweiter Schlaganfall. Anne landet im Rollstuhl, nur wenig später kann sie vom Bett kaum noch aufstehen. Georges kümmert sich liebevoll um Anne.

Mit der Zeit erträgt er die Präsenz einer extra eingestellten Pflegerin nicht mehr und beschliesst, sich alleine um seine Frau zu kümmern. Windeln wechseln, kochen, füttern, Bettlaken waschen - Georges kommt mehr als einmal an seine Grenzen. Annes und seine Tochter Eva (Isabelle Huppert) versucht, ihren Vater davon zu überzeugen, Anne in ein Pflegheim zu geben. Doch Georges will davon nichts wissen. Er ist bereit, bis zum Ende durchzuhalten.

Die gnadenlose Unausweichlichkeit des Todes

Viel wurdedie gnadenlose Unausweichlichkeit des Todes über den schlichten Titel «Amour», also «Liebe», geschrieben, der in Michael Hanekes Drama vordergründig gar nicht das Hauptthema ist. Im Vordergrund stehen vielmehr das Leben im Alter und der körperliche Zerfall. Doch die Aufopferung des Ehemannes und seine Entschlossenheit, die Maxime «bis dass der Tod euch scheidet» eins zu eins umzusetzen, zeigen eine tiefe Liebe, die zwei Menschen auch jenseits des Begehrens zusammenhält. Dem Österreicher Haneke, bekannt eher für Filme, welche die bösen Seiten im Menschen beleuchten, ist mit «Amour» ein geradezu optimistischer Film gelungen, obgleich die gnadenlose Unausweichlichkeit des Todes nicht gerade leichte Kost ist.

«Amour» ist mit den beiden Stars des französischen Kinos und Theaters Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant hervorragend besetzt. Als ihre Tochter hat Isabelle Huppert, so etwas wie Hanekes Stammschauspielerin, einen Kurzauftritt. Das Drama erntete mehrere Preise, darunter so renommierte wie die Goldenen Palme in Cannes, den Golden Globe und zu guter Letzt eine Oscarstatue als Bester fremdsprachiger Film. Für Haneke war es die zweite Goldene Palme in nur drei Jahren - 2009 hatte er den Preis für «Das weisse Band» erhalten.

«Delikatessen» zeigt das Drama in Zweikanalton deutsch/französisch.