Film-Tipp des Tages: Anderland

Andreas landet in einer fremden Stadt und bekommt Job, Wohnung und Frau. Aber irgendetwas stimmt nicht. Er will aus der blassen Idylle fliehen, um jeden Preis. Surreale Fabel.

Ein Mann wird von zwei anderen Männern von einer Tankstelle in einer kargen Landschaft gewaltsam weggetragen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Andreas wird abgeschoben Trond Fausa Aurvaag als Andreas (M.) SRF/Look Now!

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Sendeplatz

Montagnacht, um 00:45 auf SRF 1

Ein Bus fährt durch ein farbloses Niemandsland und lädt seinen einzigen Passagier ab. Andreas (Trond Fausa Aurvag) weiss nicht, wie er hierher gekommen ist, aber er wird bereits erwartet. Im Nu hat er eine Wohnung, einen Job und lauter nette Arbeitskollegen. Fürs erste passt sich Andreas seiner neuen Umgebung an, und bald findet er auch eine Freundin. Wie die meisten Menschen in dieser seltsamen Stadt interessiert sich auch Anne-Britt (Petronella Barker) vornehmlich für Inneneinrichtung und gibt wenig auf Gefühle. Sex hingegen ist kein Problem, und Andreas schöpft aus dem Vollen.

Nach einer Weile jedoch kommen ihm Zweifel: Ist das wirklich das Leben, das er sich wünscht? Ein Seitensprung mit der Blondine Ingeborg (Brigitte Larsen) bietet kurzfristig Abwechslung, aber auch sie vermag Andreas' Erwartungen nicht zu erfüllen. Die vermeintliche Idylle wird zusehends zur Falle, und Andreas versucht zu entkommen. Doch wie soll ihm das gelingen, wenn nicht einmal Selbstmord diesem Dasein ein Ende macht?

Jens Lien gibt in «Den brysomme mannen» - deutsch: «Anderland» - mehrere Signale, dass sein Protagonist Andreas tot ist und die in Beige, Grau und Blau durchgestylte Welt, die er betritt, nicht die irdische. Dennoch muss sein surreales Stück nicht notgedrungen als Parabel über das Leben nach dem Tode gelesen werden. Dieses Yuppie-Jenseits nämlich hat grosse Ähnlichkeit mit dem Norwegen von heute; die unterkühlten Stadtszenen wurden im realen Oslo gedreht.

«Den brysomme mannen» gemahnt an diverse phantastische und surrealistische Vorbilder, von Kafka über Orwell und Beckett bis zu «Invasion of the Body Snatchers», «Brazil» und den Filmen von David Lynch. Gleichzeitig bezieht sich der Film durchaus auch auf das Hier und Jetzt und belegt Adornos These «Es gibt kein richtiges Leben im falschen». Ob man nun eine allegorische Lesart vorzieht oder die philosophisch-politische - diese faszinierende, amüsante und leicht verstörende Fabel hat es in sich. «Den brysomme mannen» wurde weltweit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grossen Preis für den Besten europäischen Fantasy-Film am Neuchâtel International Fantasy Film Festival 2006.