Film-Tipp des Tages: «Atmen»

Weil Roman für seine frühzeitige Entlassung aus dem Jugendknast einen Job braucht, bewirbt er sich bei einem Bestattungsinstitut. Während er die Unterdrückung im Gefängnis und das Mobbing seines neuen Chefs ertragen muss, sucht Roman nach seiner Mutter, die ihn als Kind verstossen hatte.

Ein junger Mann schaut zwischen Gitterstäben hervor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Thomas Schubert als Roman Kogler. SRF/LOOK NOW!

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Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:15 Uhr auf SRF 1

Seit fünf Jahren sitzt der 19-jährige Roman Kogler (Thomas Schubert) in Jugendhaft, weil er im Streit einen 14-jährigen Mitschüler zu Tode getreten hat. Damit sich Roman für die frühzeitige Entlassung bewerben kann, braucht er eine feste Arbeitsstelle. Diese findet er in einem Bestattungsinstitut, wo er fortan seine Zeit während der Freigänge als Lehrling verbringt. Sein Vorgesetzter Rudolf Kienast (Georg Friedrich) mobbt ihn bei jeder Gelegenheit und erschwert ihm den Eintritt in die Zivilgesellschaft. Doch Roman hält Stand und rappelt sich immer wieder von Neuem auf.

Als er eines Tages eine Frau mit dem gleichen Nachnamen bestatten muss, fürchtet er, seine tote Mutter vor sich liegen zu haben. Als sich dies als Irrtum herausstellt, macht er sich auf, sie zu suchen. Er findet Margit Kogler (Karin Lischka), seine tatsächliche Mutter, in einem Möbelhaus und stellt sie zur Rede. Es beginnt eine schwierige Aufarbeitung von Romans Vergangenheit, dank der er nach und nach zu neuem Lebensmut findet.

Gelungene Regiepremiere

Für sein Regiedebüt verpflichtete Karl Markovics den während der Drehzeit erst 17-jährigen Laiendarsteller Thomas Schubert für die Hauptrolle. Dieser gibt mit seiner beeindruckenden Darstellung des gebeutelten jungen Mannes seinen Einstand im Filmgeschäft. Schubert benötigt nur wenige Worte, um die Misere seiner Figur darzustellen. Vielmehr verlässt er sich auf sein gekonntes Minenspiel, das dank der geschickten Inszenierung Markovics sprichwörtlich mehr sagt als 1000 Worte.

Dass Regisseur Markovics einen Laiendarsteller derart präzise führen kann, liegt an seiner reichen Erfahrung als Schauspieler. So spielte er bereits 73 Rollen, darunter auch diejenige des Wolf in Wes Andersons Kinohit «Grand Budapest Hotel», der derzeit in den Schweizer Kinos zu sehen ist. «Atmen» ist bisher Markovics einzige Regiearbeit, doch nach dem Preisregen an verschiedenen Festivals ist damit zu rechnen, dass es nicht dabei bleiben wird.

SRF 1 zeigt den österreichischen Leckerbissen mit schriftdeutschen Untertiteln und als Free-TV-Premiere.