Film-Tipp des Tages: Brazil

In Terry Gilliams Kultfilm will der naive Bürokrat Sam Lowry einen administrativen Fehler korrigieren und wird dadurch selbst zum gejagten Staatsfeind. Retro-Science-Fiction mit Robert De Niro.

Ein Mann vor einem Spiegel. Er wird von einer Hand hinter dem Spiegel auf diesen gedrückt und schaut panisch in Richtung Betrachter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den Mühlen der Justiz. SRF/20th Century Fox of Germany

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Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:15 Uhr auf SRF 1. 

Ein Insekt im Getriebe des Staatsapparats sorgt für einen verhängnisvollen Druckfehler: Statt des notorischen Terroristen Tuttle wird der harmlose Bürger Buttle verhaftet und hingerichtet. Den tödlichen Irrtum bemerkt Sam Lowry (Jonathan Pryce), Beamter im Informationsministerium. Sam ist ständig im Clinch mit seiner Mutter Ida (Katherine Helmond), die sich einer Schönheitsoperation nach der andern unterzieht. Als einzigen Freund betrachtet er den höheren Beamten Jack Lint (Michael Palin), dessen zwielichtige Aufgaben Sam jedoch unbekannt sind.

Auf Befehl seines Chefs Kurtzmann muss Sam nun die Witwe Buttle über die versehentliche Exekution ihres Gatten unterrichten. Sam, der sich in seinen Träumen stets als geflügelter Held einer mysteriösen Blonden entgegenschwingt und erfolgreich gegen riesige Ungeheuer kämpft, beginnt sich gegen das totalitäre System der Wirklichkeit aufzulehnen, und da begegnet er der Frau aus seinen luftigen Träumen.

Die blonde Lastwagenfahrerin Jill (Kim Greist) steht offenbar ebenfalls mit dem Staat auf Kriegsfuss. Sie will von ihrem neuen Verehrer Sam zwar vorerst nichts wissen, aber Sam ist fest entschlossen, seine Traumfrau auch in Wirklichkeit zu erobern, was jedoch nicht ungefährlich ist. Glücklicherweise ist der echte Terrorist, der Installateur Tuttle (Robert De Niro), zur Stelle, als die Schergen des Staates den Möchtegern-Revoluzzer Sam dingfest machen wollen. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Kultfilm par excellence

Nach «Jabberwocky» und «Time Bandits» wollte Monty-Python-Mitglied Terry Gilliam mit seinem dritten Film «Brazil» ganz hoch hinaus – wie sein Held Sam Lowry. Sein ehrgeiziges und verschrobenes Werk passte aber nicht in die Schubladen des Hollywood-Systems, und so kam es zwischen Gilliam und dem Verleiher 20th Century Fox zu einem legendären Rechtsstreit. Der Film wurde gekürzt und unzulänglich vermarktet.

Das Ergebnis ist dennoch ein Kultfilm par excellence geworden: Gilliams phantastische Bilderwelt führt das Klaffen zwischen Schein und Sein, Wirklichkeit und Vorstellung auf komische und zugleich beunruhigende Weise vor Augen. Der klassische Südsee-Ohrwurm «Brazil» wird zum Symbol für all die eskapistischen Träume, welche die Bürger der Bürokratie in ihrer unglücklichen Existenz bei Laune halten sollen oder ihnen im Einzelfall tatsächlich die Flucht ermöglichen. Jonathan Pryce spielt überzeugend den abhebenden Buchhalter Sam, während Michael Palin als Jack sich von einer unpythonmässig fiesen Seite zeigt. Robert De Niro als burschikoser Staatsfeind Tuttle macht sich einen Spass daraus, die Gedärme des Systems so umzuleiten, dass die Kacke richtig zum Dampfen kommt.