Film-Tipp des Tages: Bright Star – Meine Liebe, Ewig

London 1820. Die Liebe zu seiner 18-jährigen Nachbarin inspiriert den jungen Dichter John Keats zu seinen stärksten Werken. Bildstarke Romanze mit Ben Wishaw und Abbie Cornish.

Ein junger Mann und eine junge Frau stehen an derselben Wand auf gegenüberliegenden Seiten und lauschen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zehrende Sehnsucht Ben Whishaw als John Keats, Abbie Cornish als Fanny Brawne SRF/ARD Degeto

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Sendeplatz

Montagnacht, um 00:45 auf SRF 1

London 1818. Der 23jährige John Keats (Ben Whishaw) hat sich der Poesie verschrieben. Der mittellose Dichter lebt im Haus seines ebenfalls schriftstellernden Freundes Mister Brown (Paul Schneider). Die 18jährige Fanny Brawne (Abbie Cornish), die mit ihrer Familie in der Nachbarschaft wohnt, ist zunehmend von Keats fasziniert. Ihre eigene Kreativität lebt die erstaunlich selbstsichere junge Frau als Designerin und Schneiderin aus. Trotz ihrer Vorliebe für Mode ist sie alles andere als oberflächlich.

Als ihre Gefühle für Keats immer stärker werden und diese von ihm auch erwidert werden, ist sie bereit, diese Liebe auch ohne den Segen der Gesellschaft zu leben. Aber Keats, der sich immer schmerzlich bewusst ist, dass seine Mittel ihm nicht erlauben, Fanny zu ehelichen, widersteht jeder Versuchung. Trotz ihrer starken Gefühle bleibt ihre Beziehung platonisch. Die Liebe inspiriert Keats zu seinen grössten Werken, die jedoch während seiner Lebzeiten weder von Kritikern noch vom Publikum gewürdigt wurden.

Als er an Tuberkulose erkrankt und dank der Unterstützung von Freunden den Winter in Italien verbringen kann, kämpft Fanny vergeblich um die Erlaubnis, ihn zu begleiten. Keats stirbt im Alter von 25 Jahren in der Ferne, und nur seine Briefe und Gedichte bleiben ihr zum Trost. Die australische Regisseurin Jane Campion hat sich - seit ihr Film «The Piano» in die Filmgeschichte eingegangen ist und sie 1993 dafür den Oscar für das Beste Drehbuch erhielt - nur alle drei, vier Jahre mit einem Werk zurückgemeldet. Zwischen dem Thriller «In the Cut» und ihrem neusten Film «Bright Star» vergingen gar sechs Jahre. Für «Bright Star» - der nach seiner Premiere am Filmfestival 2009 in Cannes viel Kritikerlob einheimste - hat sie mit Andrew Motion zusammengearbeitet, dem damaligen Poet Laureate von Grossbritannien und Verfasser einer umfassenden Biographie des romantischen Dichters John Keats.

Campion schafft es, ohne je in Kitsch abzugleiten, die Empfindsamkeiten und Gefühle der beiden jungen Protagonisten in die ihr eigene betörende und symbolische Bildsprache zu übersetzen. Sie integriert die bekannten Gedichte und die Briefe zwischen den Liebenden, die in der viktorianischen Gesellschaft einen Skandal auslösten, ohne jedes Pathos in die Erzählung. Dies und das intensive Spiel der beiden Darsteller machen, dass «Bright Star» aus dem Gros der konventionellen Kostümfilme herausragt.

Ben Whishaw, dem deutschsprachige Publikum vor allem als Jean-Baptiste Grenouille aus «Das Parfum» bekannt, ist Q im neusten Bond-Streifen «Skyfall». Auf SRF 1 war Whishaw Anfang 2013 in der sechsteiligen BBC-Serie «The Hour» zu sehen. Die aparte Australierin Abbie Cornish kennt man sowohl aus Arthouse-Filmen wie «Sommersault» oder «Candy» als auch aus Grossproduktionen wie «Elizabeth: The Golden Age» oder Zack Snyders «Sucker Punch».