Film-Tipp des Tages: «Cabaret»

Vor der Kulisse des aufkommenden Nationalsozialismus und der Vergnügungssucht im Berlin der 1930er-Jahre verliebt sich eine amerikanische Varieté-Künstlerin in einen englischen Studenten. Sie lässt sich aber auch auf einen deutschen Baron ein, der sich seinerseits zu dem Engländer hingezogen fühlt.

Eine Frau und ein Mann, beide im künstlerischen Varieté-Stil gekleidet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Liza Minnelli als Sally Bowles, Joel Grey als Showmaster. SRF/ABC Inc.

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Sendeplatz

Sonntagnacht um 00:50 Uhr auf SRF 1

Die Suche des exzentrischen Trios nach Liebe und Abenteuer und der Beginn des politischen Chaos vermischen sich in Bob Fosses «Cabaret» zum schillernden Musical, das Liza Minnelli zum Weltstar machte.

Berlin 1931. «Willkommen im Cabaret» singt der Showmaster (Joel Grey) im Cabaret Kit Kat Klub, wo man mit grell-aufreizenden Darbietungen zu verdrängen versucht, was sich in Deutschland politisch zusammenbraut. Im verrucht-verrauchten Nachtlokal ist die dekadente Welt noch in Ordnung, während die Berliner Strassen schon von den Märschen der Braunhemden erdröhnen. Star im Kit Kat Klub ist die US-Sängerin Sally Bowles (Liza Minnelli), die sich lebenshungrig und hemmungslos ihren Weg nach oben sucht.

Eines Tages zieht der englische Literaturstudent Brian Roberts (Michael York) in ihrer billigen Pension ein, und Sally verliebt sich. Das ungestüme Showgirl weckt schnell Gefühle in dem reservierten Briten. Aber Sallys Herz ist gross: Es ist noch genug Platz da für den reichen Baron Maximilian von Heune (Helmut Griem) und seinen exzentrischen Lebensstil. Doch der schillernde Lebemann ist auch hinter Brian her. Er lädt die beiden auf sein Landgut ein und verführt sie mit extravaganten Geschenken.

Das Trio amüsiert sich, während der Nationalsozialismus bereits seine Schatten wirft, zum Beispiel auf Fritz Wedel (Fritz Wepper), der bei Brian Englischunterricht nimmt und sich sterblich in die schöne Jüdin Natalie Landauer (Marisa Berenson) verliebt. Die Schicksalsfäden verstricken sich mehr und mehr in den Wirren der Zeit. Sally singt weiter und träumt von der grossen Karriere.

Grelle Bilder und knallige Metaphern

Regisseur Bob Fosse («All That Jazz») landete 1972 mit seinem kaleidoskopischen Musical «Cabaret» einen Kinoerfolg, der mit acht Oscars belohnt wurde, unter anderem für die Beste Regie, die Beste Hauptdarstellerin, Liza Minnelli, und den Besten Nebendarsteller, Joel Grey. Dem Film gehen das Broadway-Musical «Cabaret» und ein Bühnenstück von John Van Druten voraus, das wiederum auf dem autobiografischen Roman «Leb wohl, Berlin» von Christopher Isherwood basiert.

Opulent in Szene gesetzt veranschaulicht «Cabaret» mit grellen Bildern und knalligen Metaphern das Berlin der 1930er-Jahre und das schrille Paradies des Tingeltangels, in dem die Lust auf Leben und Liebe triumphiert, während draussen die Schaufenster in Brüche gehen. Mit brillant choreografierten Kabarettnummern und mitreissender Musik - viele Songs sind längst zu Hits geworden - verschmelzen die frivole Bühnenscheinwelt, die Romanze und die aufkommende politische Tragödie zu einer berauschenden Show.

Mit der Rolle der Sally Bowles avancierte Liza Minnelli zum Weltstar. Neben ihr besticht Joel Grey als der marionettenähnliche Showmaster im kabarettistischen Totentanz. Die Rolle hatte er bereits in der Bühnenversion gespielt.