Film-Tipp des Tages: «Chaplin»

Den Vater hat er kaum gekannt, die Mutter landete in der psychiatrischen Klinik. Doch schon als Teenager tingelte Charlie Chaplin mit einer Komödiantentruppe durch England. 1913 wurde er in Amerika ein Star des Slapstickkinos. Der Rest ist Filmgeschichte.

Chaplin lässt seine Melone den Arm hinunter rutschen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Melone Robert Downey Jr. als Charlie Chaplin SRF/TMG

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Sonntag um 23:55 Uhr auf SRF zwei.

Die triste Dachkammer in «The Kid» entspricht der Realität. So wuchs Charlie Chaplin auf: in ärmlichsten Verhältnissen, ohne Vater und mit einer Mutter (Geraldine Chaplin), die immer öfter von Gedächtnis und Verstand im Stich gelassen wurde. Mit fünf Jahren schon hat er seinen ersten Bühnenauftritt. Er springt für die Mutter ein, der auf offener Szene plötzlich die Stimme wegbleibt, und erntet brausenden Erfolg.

1908 wird er Mitglied in der erfolgreichen Komödiantentruppe von Fred Karno (John Thaw), zwei Jahre später reist er mit ihr erstmals nach Amerika. Dort engagiert ihn Mack Sennett (Dan Aykroyd) 1913 für seine turbulenten Stummfilmproduktionen. In der Requisitenkammer des dynamischen Unternehmens wird auch der Tramp mit Stöckchen, Melone und ausgetretenen Latschen geboren. Chaplin (Robert Downey jr.) macht eine Blitzkarriere, organisiert zusammen mit Freund Douglas Fairbanks (Kevin Kline) rauschende Feste, wird Millionär und legt sich schon bald mit J. Edgar Hoover (Kevin Dunn) an.

Seine Produktionsfirmen wechselt er fast so häufig wie seine Frauen. Zusammen mit Fairbanks, Mary Pickford (Maria Pitillo) und D.W. Griffith gründet er die eigene Produktionsgesellschaft United Artists. Mit Oona O'Neill (Moira Kelly) findet er in seinem vierten Eheversuch auch die Partnerin, die ihn bis ans Lebensende begleitet. Es entstehen all die grossen Filme, die man auf der ganzen Welt begeistert zur Kenntnis nimmt. 1952 zieht sich Chaplin nach Europa zurück und verbringt seinen Lebensabend auf dem Gut Monoir de Ban, das er sich 1953 bei Vevey am Genfersee erworben hat.

Charles Chaplin schrieb gern und oft über sich und seine künstlerische Arbeit, am ausführlichsten 1964 in «Die Geschichte meines Lebens». Diese Autobiografie hat David Robinson für sein umfassendes Werk «Chaplin. Sein Leben, seine Kunst» ausführlich genutzt. Die deutsche Übersetzung erschien 1989 bei Diogenes und ist nach wie vor ein Standardwerk, das dem Filmfreund vielfältigste Facetten in Chaplins reichem Werk verdeutlicht. Basierend auf diesen beiden Vorlagen schrieben William Boyd, Bryan Forbes und William Goldman das Drehbuch zur biografischen Grossproduktion «Chaplin», die 1992 unter der Regie des Briten Richard Attenborough («Die Brücke von Arnheim», «Gandhi») in die Kinos kam.

Der Autor Robinson sagte von Chaplin: «Menschen, die ihn gut genug kannten, um sich eine Meinung bilden zu können, haben ihn als bescheiden bezeichnet, als eitel, verschwenderisch, gemein, grosszügig, scheu, angeberisch, rücksichtslos, schüchtern, grossherzig, geduldig, ungeduldig (...) Höchstwahrscheinlich war er alles zusammen.» Attenborough gelingt es, bei strenger Raffung der bunten Biografie, diese Vielfalt punktuell sichtbar zu machen. Zugleich lässt er, nicht zuletzt dank der grossartigen Kameraarbeit von Sven Nykvist, den blendenden Pomp aufglänzen, der im Leben des grossen Komikers genauso bedeutsam war wie die schönen Frauen.