Film-Tipp des Tages: «Das Leben ist zu lang»

Filmemacher Alfi kann noch so viel auf Partys herumstehen: Niemand interessiert sich für sein Projekt. Doch dann unterschreibt ein reicher Produzent den Vertrag, allerdings nur damit seine Gattin die Hauptrolle bekommt. Dani Levy schickt sein Alter Ego in das Haifischbecken der deutschen Filmwelt.

Ein Mann mit krausen Haaren und Brille sitzt an einem Tisch und hantiert mit Gabel und Messer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der jüdischer Filmemacher, Hypochonder und Familienvater Alfi Seliger (Markus Hering). SRF/NIK KONIETZNY

Der letzte grosse Erfolg von Filmregisseur Alfi Seliger (Markus Hering) liegt schon lange zurück. Er steckt in einer Schaffens- und Lebenskrise. Seine Frau Helena (Meret Becker), die das Geld für die Familie heimbringt, geht fremd, und seine aufsässigen Kinder möchten nichts mit ihm zu tun haben.

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Sendeplatz

Montagnacht um 00:40 Uhr auf SRF 1

Ein Leben im falschen Film

Doch Alfi gibt nicht auf und tingelt von einer Filmparty zur nächsten, um seine neue Idee endlich verkaufen zu können. Er will endlich etwas Ernsthaftes machen und plant unter dem Arbeitstitel «Mo-ha-hammed» einen Film über den Karikaturenstreit. Nur die erfolglose russische Schauspieler Natasha (Veronica Ferres) scheint sich plötzlich dafür zu interessieren und bringt auch tatsächlich ihren schwerreichen Produzentengatten (Hans Hollmann) dazu, mit Alfi einen Vertrag zu machen. Bedingung ist allerdings, dass sie die Hauptrolle erhält.

Um Geld aufzutreiben, hat sich Alfi inzwischen vollkommen unter seiner Würde verkauft: Er verdingt sich als Soap-Regisseur. Sein Leben läuft immer mehr aus dem Ruder, da können ihm auch sein Arzt (Heino Ferch) und sein Analytiker (Udo Kier) nicht helfen. Einzig das Soap-Starlet Caro (Yvonne Catterfeld) scheint zu verstehen, dass Alfi irgendwie in einem falschen Film lebt.

Woody Allen lässt grüssen

Dani Levys Film «Das Leben ist zu lang» beginnt als Satire auf die deutsche Film- und Fernsehwelt, nimmt dann aber immer surrealere Wendungen zu ganz anderen philosophischen Fragen. Alfi muss sich plötzlich mit Regisseur Dani Levy herumschlagen, der diktatorisch über sein Leben bestimmt. Levys Alfi Seliger, ein neurotischer und hypochondrischer jüdischer Künstler, erinnert durchaus an manche Figuren von Woody Allen.

In der Schweiz wurde Dani Levy als Küchenjunge Peperoni in der Serie «Motel» bekannt, bevor er in Deutschland mit «Du mich auch» und «RobbyKallePaul» seine ersten Filme drehte, die bald Kultstatus erlangten. Levys bis anhin grösster Erfolg ist «Alles auf Zucker», eine Filmkomödie, die beim Deutschen Filmpreis 2005 sechsfach ausgezeichnet wurde. Levys Alter Ego in «Das Leben ist zu lang» spielt der in der Filmwelt noch eher unbekannte Markus Hering, der sich bisher vor allem als Theaterdarsteller, unter anderem im Ensemble des Wiener Burgtheaters, einen Namen gemacht hat.