Film-Tipp des Tages: «Das merkwürdige Kätzchen»

Mit seiner kunstvollen Alltagsstudie gelang dem Schweizer Filmemacher Ramon Zürcher ein Festivalhit. Mal dramatisch, mal komödiantisch, mal bildverliebt, mal mit Streitereien, dann mit Stille – und dem seine Bahnen ziehenden merkwürdigen Kätzchen wirkt der Film wie aus einem Guss,.

Ein Mädchen sitzt am Frühstückstisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kleine Rebellin: Mia Kasalo als Clara. SRF/Look Now!

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Sendeplatz

Donnerstagnach um 00:10 Uhr auf SRF 1

Ein Wochenende im Herbst: Die Geschwister Karin (Anjorka Strechel) und Simon (Luk Pfaff) besuchen ihre Eltern (Jenny Schilly, Matthias Dittmer) und die kleine Schwester Clara (Mia Kasalo) in deren Berliner Altbauwohnung. Am Abend sollen weitere Verwandte zum Essen vorbeikommen. Zunächst aber muss die Waschmaschine repariert werden. Dann steht das Mittagessen auf dem Tisch, man führt Gespräche über Lungenflügel und näht abgerissene Knöpfe an. Orangenschalen eigenen sich hervorragend zum Experimentieren.

Immer wieder treffen einzelne Familienmitglieder aufeinander; man führt oberflächliche Gespräche, dann kommt es zu konkreten Vorhaltungen. Doch auch Unausgesprochenes drückt auf die Atmosphäre, dann wieder stellt sich Nähe und Vertrautheit ein. Und immer einmal wieder streifen Katze und Hund durch die Räume.

Festivalhit mit eigener Handschrift

Gleich mit seinem Erstling, dem spektakulär unspektakulären «Das merkwürdige Kätzchen», startete der Schweizer Ramon Züricher einen veritablen Festivalhit, der weltweit mit Preisen bedacht wurde: Zu Recht, gelang dem 1982 in Aarberg geborenen Jungtalent doch auf Anhieb etwas, was vielen gestandenen Filmemachern auch nach langen Jahren im Filmgeschäft verwehrt bleibt: eine eigene Handschrift zu entwickeln.

Obwohl ein linearer Handlungsstrang kaum auszumachen ist - die Geräusche, die Menschen, die Tiere, die Dinge spinnen zwischen On und Off ein betont zufälliges Beziehungsgeflecht - wirkt «Das merkwürdige Kätzchen» wie aus einem Guss. Gleichwohl gibt es keine Regeln: Vielleicht hat alles einen doppelten Boden, vielleicht ist alles Schicksal, vielleicht doch nur Zufall oder Alltag? Ramon Zürcher verwebt seine Kakofonie der Sätze, Körper, Kräche, Dinge zu einem fast magischen Ganzen, das fast schon meditativ und beruhigend wirkt.