Film-Tipp des Tages: «Die durch die Hölle gehen»

Drei Freunde aus der US-amerikanischen Provinz ziehen aus ideologischen Gründen in den Vietnamkrieg, dem sie nicht unversehrt zu entrinnen vermögen. Michael Ciminos Kriegsdrama erntete neben fünf Oscars ursprünglich auch Kritik. Heute gilt es als einer der eindrücklichsten Filme der 1970er-Jahre.

Ein Mann hält sich eine Pistole an den Kopf und wird von weiteren Pistolen bedroht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tödliches Spiel in der Kriegsgefangenschaft. Robert De Niro als Michael. SRF/Degeto/1978 - Universal

Zusatzinhalt überspringen

Sendeplatz

Freitagnacht um 00:00 Uhr auf SRF 1

Für ein häufig als Antikriegsfilm genanntes Drama sind in Michael Ciminos «The Deer Hunter» (Originaltitel) nur wenige Kriegshandlungen zu sehen. Der US-amerikanische Regisseur und Koautor des Drehbuchs unterteilt sein dreistündiges Epos in drei deutlich separierte Akte, um die Auswirkungen des Krieges auf sein Heimatland und dessen Gesellschaft hervorheben.

Russisches Roulette

Der Auftakt widmet sich der Lebenssituation der Freunde Michael (Robert De Niro), Nick (Christopher Walken) und Steven (John Savage) Ende 1967 in einem Provinzstädtchen. Allesamt Stahlarbeiter mit russischen Wurzeln, sehen sie es als ihre patriotische Pflicht an, sich als Freiwillige für den Vietnamkrieg zu melden. Ein letztes Mal feiern die Freunde vor ihrem Aufbruch in den Krieg, als Steven heiratet, und noch einmal frönen sie ihrem Hobby: der Rotwildjagd.

In Vietnam erleben Michael, Nick und Steven gemeinsam als Kriegsgefangene die Hölle auf Erden. Ihr mit Ratten verseuchtes Bambuskäfig im Wasser lässt ihnen kaum Luft zum Atmen, und ans Trockene dürfen sie nur für den zynischen Zeitvertreib ihrer Bewacher: russisches Roulette.

Anders als Steven, der im Krieg beide Beine verloren hat, kehrt Michael körperlich unversehrt nach Pennsylvania zurück, findet sich traumatisiert in seiner Heimat, mit seinen Freunden und Bekannten aber nicht mehr zurecht. Noch einmal begibt der Veteran sich nach Vietnam, um dort Nick zu finden, der in Saigon hängengeblieben ist.

Über die Produktion

Kritiker und Publikum waren überwiegend begeistert, als der Film in die Kinos kam. Er galt gemeinhin als Bester amerikanischer Film seit «The Godfather» (1972).
Lobende Erwähnung fanden insbesondere Michael Ciminos Regie, die schauspielerischen Leistungen, die Zeichnung der Arbeiterschicht in der Provinz, die eindrücklichen Wechsel in der Tonlage sowie die beinahe unerträgliche Spannung in der Rouletteszene. Auf seiner Liste der 100 wichtigsten US-Filme setzte das Amerikanische Film Institut (AFI) «The Deer Hunter» auf den 53. Rang.

Gleichwohl war auch Kritik am Film laut geworden, namentlich dem Mittelteil im Gefangenlager. Auf der Berlinale 1979 reiste die sowjetische Delegation aus Protest ab, weil der Film das Volk Vietnams beleidige. Der deutsch-französische Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour kritisierte: «Die Vietkong-Partisanen waren nicht zart mit ihren Gefangenen umgesprungen, und es war bestimmt gefoltert worden. Aber zum Russischen Roulette hatten die Soldaten Ho Tschi Minhs mit Sicherheit niemanden gezwungen, und schon gar nicht hatten sie um Geld gespielt. Was auch immer man von den vietnamesischen Kommunisten halten mochte, diese plumpe Verunglimpfung war unwürdig und empörend.» (Zitat: Wikipedia)