Film-Tipp des Tages: «Die Fremde»

In Deutschland aufgewachsen, in der Türkei verheiratet, in einer von Gewalt geprägten Ehe gefangen - Umay will ausbrechen und flieht mit ihrem Sohn nach Deutschland, wo sie bei ihren Eltern unterkommt. Doch diese haben kein Verständnis für die Tochter und fürchten um die Familienehre.

Ein kleiner Junge und eine Frau sitzen neben einander und schauen sich an. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Umay (Sibel Kekilli r.) flüchtet mit ihrem Sohn Cem (Nizam Schiller l.) vor ihrem gewalttätigen Ehemann. SRF/Telepool München

Flucht nach Deutschland

Die junge Kurdin Umay (Sibel Kekilli) ist in Deutschland aufgewachsen und lebt mit ihrem Ehemann Kemal (Ufuk Bayraktar) in der Türkei. Die Beziehung und der Familienalltag sind geprägt von Gewalt. Ohne dass Kemal etwas davon weiss, geht Umay statt zum Einkauf ins Spital, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Es ist Teil eines Planes, der sie von Kemal unabhängiger machen soll. Schliesslich fasst Umay den Entschluss, zusammen mit ihrem fünfjährigen Sohn Cem (Nizam Schiller) nach Deutschland zu fahren. Dort sucht sie Trost und Halt bei ihrer Familie, den Eltern Halime (Derya Alabora) und Kader (Settar Tanriögen) sowie ihren Geschwistern Rana (Almila Bagriacik), Acar (Serhad Can) und Mehmet (Tamer Yigit).

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Sendeplatz

Montagnacht um 00:45 Uhr auf SRF 1

Halime und Kader nehmen ihre Tochter bei sich auf. Doch bald schon zeigt sich, wie sehr ihre Familie den Traditionen verpflichtet ist. Für Kader ist klar, dass Umay zu Kemal zurückkehren muss. Doch Kemal will das nicht einmal mehr, aber er möchte, dass sein Sohn Cem bei ihm lebt. Kader leitet alles in die Wege, dass er seine Ehre wenigstens so retten könnte. Als Umay davon Wind bekommt, flüchtet sie mit Cem in ein Frauenhaus und nimmt einen Job in einem Restaurant an, um unabhängig zu sein. Bei der Arbeit dort lernt sie Stipe (Florian Lukas) kennen, und die beiden kommen sich näher. Eine Weile scheint Umays Leben in Ordnung zu sein, doch sie sehnt sich nach ihrer Familie. Und diese kann die Schande nicht ertragen und plant einen Ehrenmord.

Die Geschichte eines Ehrenmordes

«Die Fremde» stammt aus der Feder der österreichischen Schauspielerin Feo Aladag, die bei dem Film auch gleich - zum ersten Mal - Regie führte. «Es ist erstaunlich, dass es bislang noch keinen Kinofilm gab, der das Thema Ehrenmord behandelt», schrieb der »Film-Dienst«. Und in der Tat wagte sich Aladag an ein äusserst heikles Thema. Dass ihr Film grossen Anklang sowohl beim Publikum wie bei den Kritikern fand, hat insbesondere damit zu tun, dass der Regisseurin die schwierige Aufgabe gelingt, die Geschichte eines Ehrenmordes zu erzählen, ohne einem die Schuldzuweisungen aufzuzwingen. Natürlich leidet das Publikum mit Umay, doch genauso wird er an ihre Brüder und ihre Eltern herangelassen, um - wenn auch nur ansatzweise - ihr Handeln zu verstehen.

«Die Fremde ist hervorragend besetzt, vor allem Sibel Kekilli als Umay. Kekilli, Tochter türkischer Einwanderer, feierte 2004 ihren bislang grössten Erfolg mit ihrer Rolle in Fatih Akins Berlinalegewinner »Gegen die Wand«. Seit 2011 spielt sie in der HBO-Serie »Game of Thrones« mit.