Film-Tipp des Tages: «Eyes Wide Shut»

Das scheinbar glückliche Eheleben der Harfords gerät aus den Fugen, als Alice ihrem Mann Bill ihre sexuellen Fantasien gesteht. Von Eifersucht und erotischen Zwangsvorstellungen getrieben begibt sich dieser auf eine halluzinatorische Odyssee durch das nächtliche New York.

Tom Cruise bespricht sich mit Regisseur Stanley Kubrick Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der noch junge Tom Cruise erhält Anweisungen vom Regie-Altmeister Stanley Kubrick. Copyright SRF/Warner Bros. Entertainment Inc.

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Sendeplatz

Sonntagabend um 22:05 Uhr auf SRF zwei.

Der Arzt Bill Harford (Tom Cruise) und seine Frau Alice (Nicole Kidman) sind ein attraktives und scheinbar glückliches junges Paar. Sie leben mit ihrem Töchterchen Helena (Madison Eginton) in einem luxuriösen Penthouse und verkehren in den besten New Yorker Kreisen. Am Abend nach einer Party, auf der beide heftig geflirtet haben, wird ihr Eheglück jedoch auf eine harte Probe gestellt: Unter dem Einfluss von Marihuana erzählt Alice ihrem Mann von ihren sexuellen Fantasien und einem in Gedanken begangenen Ehebruch.

Gekränkte Eitelkeit

Bill, von ihrer absoluten Treue bis anhin überzeugt, ist zutiefst in seiner männlichen Eitelkeit gekränkt. Als er kurz darauf noch einmal aus dem Haus an das Totenbett eines Patienten gerufen wird, beginnt für ihn eine albtraumhafte Odyssee durch die nächtliche Stadt. Getrieben von Eifersucht und dem Drang nach Selbstbestätigung irrt er von einer erotischen Versuchung zur nächsten.

Am Ende landet er auf einem Landsitz, wo dekadente Orgien zelebriert werden: Maskierte Gestalten leben mit nackten Frauen ihre wilden sexuellen Fantasien aus. Wie hypnotisiert verharrt Bill in dieser fremdartigen Welt, bis er entlarvt und selber in den Kreis der Maskierten befohlen wird. Nur dank einer der Sexsklavinnen, die sich an seiner Stelle opfert, gelingt ihm die Flucht.

Schnitzlers Vorlage

Arthur Schnitzler erzählte 1925 in seiner «Traumnovelle» von den gefährlichen Verlockungen der erotischen Schaulust und von der zerstörerischen Kraft der verselbstständigten sexuellen Fantasie, die ein gutbürgerliches Wiener Ehepaar durchlebt. Stanley Kubrick hat Schnitzlers Stoff in «Eyes Wide Shut» detailgetreu adaptiert und ins New York des ausgehenden 20. Jahrhunderts verlegt. Mit der ihm eigenen formalen Perfektion führt er das Publikum durch einen hypnotisierenden Wachtraum.

Tod kurz nach Fertigstellung

Die Produktion, bei der die Superstars Tom Cruise und Nicole Kidman - damals selber noch ein Ehepaar - dem Kultregisseur drei Jahre lang als Hauptdarsteller zur Verfügung standen, war von Anfang an geheimnisumwittert und gab in der internationalen Presse immer wieder Anlass zu wilden Gerüchten. Vier Tage nach Fertigstellung seiner Version des Films starb Kubrick im Alter von 70 Jahren. Er hat mit «Eyes Wide Shut» ein verstörendes Vermächtnis hinterlassen, das Publikum und Kritiker polarisiert, ähnlich wie es schon seine früheren Werke, von «Dr. Strangelove...» über «Clockwork Orange» bis «The Shining», getan haben.