Film-Tipp des Tages: «Mörder ohne Erinnerung»

Der Auftragskiller Angelo Ledda ist im Visier der Antwerpener Polizei. Aber Ledda hat die Seiten gewechselt. Der unter ersten Alzheimer-Symptomen leidende Mörder hat sich geweigert, den Mordauftrag an einem Kind auszuführen. Verfolgt von der Polizei macht er Jagd auf einen Kinderpornohändler-Ring.

Ein älterer Mann mit einem erschöpften Blick. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Auftragskiller mit Gedächtnisverlust wechselt die Seite. SRF

Angelo Ledda (Jan Decleir), ein in die Jahre gekommener französischer Auftragskiller, soll in Belgien zwei Menschen beseitigen. Aber Ledda ist an Alzheimer erkrankt und die Symptome machen ihm zu schaffen. Der Doppelmord soll sein letzter Auftrag sein. Gleich nach seiner Ankunft in Belgien tötet Ledda den Politiker Bob Van Camp (Lucas Van den Eynde). Die Antwerpener Polizisten Eric Vincke (Koen De Bouw) und Freddy Verstuyft (Werner De Smedt) übernehmen den brisanten Fall. Ledda realisiert, dass es sich bei seinem zweiten Opfer um ein zwölfjähriges Mädchen handelt und bricht den Vertrag. Mit Kinderschändern möchte er nichts zu tun haben. Von seinem französischen Mittelsmann Gilles Resnais (Patrick Descamps) verlangt er den Namen des Auftraggebers. Gilles, der durch Leddas Arbeitsverweigerung in eine heikle Situation geraten ist, kommt nach Belgien mit der Absicht, Ledda eine Falle zu stellen. Aber dieser durchschaut die Situation und tötet Gilles.

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Sendeplatz

Samstagnacht um 23:25 Uhr auf SRF 1

Ein letzter Kreuzzug

Für Ledda, der als Kind selbst missbraucht und misshandelt worden ist, wird die Suche nach seinen letzten Auftraggebern zu einem Kreuzzug. Aber das unaufhaltsame Fortschreiten der Krankheit macht seine Mission zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Trotzdem gelingt es ihm, Vincke und seine Kollegen in ein aufreibendes Katz-und-Maus-Spiel zu verwickeln und der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Erst mit seiner Hilfe gelingt es den Fahndern, ein kriminelles Komplott rund um Kinderpornografie und -prostitution aufzudecken, das bis in die höchsten politischen Kreise reicht.

Tragischer Held

«Wenn Sie 'Heat', 'Memento' und 'Seven' mögen, werden Sie 'The Alzheimer Case' lieben», schrieb die englische Zeitschrift «Spits». Eric van Looys brillante Verfilmung von Jef Geeraerts Bestsellerkrimi «De Zaak Alzheimer» gewann 2004 am französischen Thriller-Festival in Cognac den Kritikerpreis und im gleichen Jahr vier belgische Oscars, darunter als bester Film und für den besten Hauptdarsteller. Regisseur van Looy verbindet die visuelle Eleganz, das Erzähltempo und die eruptive Gewalt des modernen Kinos mit der atmosphärischen Dichte des klassischen Film noir. Der 1946 geborene Belgier Jan Decleir («Antonia's Line», «Karakter») verleiht der Figur des eiskalten Killers, der im Angesicht seines eigenen Todes eine Kehrtwende vollzieht, eine tragische und melancholische Aura, die an Lino Ventura und Jean Gabin erinnert. SRF zeigt den flämischen Thriller im Zweikanalton deutsch/holländisch.