Film-Tipp des Tages: «Trainspotting»

Renton erlebt als Mitglied einer Clique von Aussteigern in Edinburgh die Höhen und Tiefen des Junkielebens. Als er beschliesst, mit dem Fixen aufzuhören und in London eine geordnete Existenz aufzubauen, gerät er mit seinen Freunden in Konflikt. Kultfilm von Danny Boyle mit Ewan McGregor.

Ein Mann sitzt auf einer Matratze am Boden und setzt sich einen Schuss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ewan McGregor als Renton. SRF/1996 Channel Four Television

Mark Renton (Ewan McGregor) gehört in Edinburgh zu einer Clique von Fixern, Säufern, Schlägern und Kleinganoven von Mitte 20. Sorglos lebt er von einem Heroin-High zum andern, albert herum mit seinen Spezis, dem manischen Naivling Spud (Ewen Bremner), dem Frauenhelden und Sean-Connery-Fan Sick Boy (Jonny Lee Miller), dem cleanen Bodybuilder Tommy (Kevin McKidd) und dem streitsüchtigen Psychotiker Begbie (Robert Carlyle).

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Sendeplatz

Donnerstag um 22:45 Uhr auf SRF zwei

Eine grausig-surreale Episode auf der «schlimmsten Toilette Schottlands», ein sexuelles Abenteuer mit der jugendlichen Diane (Kelly Macdonald), Bubenstreiche mit dem Luftgewehr und absurde, zum Scheitern verurteilte Jobinterviews zählen zu den heiteren Momenten in Rentons Leben, das sich allerdings zunehmend verdüstert.

Der plötzliche Kindstod des Babys seiner Wohngenossin Alison; eine Überdosis, die zur Hospitalisierung und einem traumatischen kalten Entzug führt; Begbies immer ärgere Gewaltakte; Tommys Absturz ins Elend von Drogen und Aids - das alles bewegt Renton dazu, den Ausstieg aus der Droge und dem ebenso giftigen Umfeld von Edinburgh zu versuchen. Er zieht nach London, um ins Geschäftsleben einzutreten, aber seine Freunde folgen ihm und verwickeln ihn in einen dubiosen Drogendeal.

Surrealistische Sphären und psychischer Realismus

«Trainspotting», die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irvine Welsh, ist trotz relativen Happy Ends kein Loblied auf den Konformismus, sondern eher eine Diagnose der Orientierungslosigkeit. Eine flinke Kamera, ein frecher Schnitt, die teils Tarantino-würdigen Dialoge aus Welshs Roman und starke Darsteller, die unter Danny Boyles Regie zur Geltung kommen, machten «Trainspotting» zu einem der intensivsten britischen Spielfilme aller Zeiten. Jenseits des «kitchen sink realism» eines Ken Loach hebt der Film streckenweise ab in surrealistische Sphären und findet zu einem psychischen Realismus, der ein zeitgenössisches Lebensgefühl authentisch wiedergibt.

Einzelne Kritiker warfen dem Film vor, die Droge zu verherrlichen. Aber just der Verzicht auf gängige Vorurteile und Rhetorik macht die emanzipatorische Grundrichtung der Geschichte hin zu Ausstieg und Autonomie glaubwürdiger. Freilich lässt sich der Film auch als Trip geniessen, wozu auch der Soundtrack von Blur und anderen angesagten Rock-Bands beiträgt, doch im - oft bemühten - Vergleich zum ethisch tatsächlich fragwürdigen Vorläufer «A Clockwork Orange» schneidet «Trainspotting» diesbezüglich mehr als gut ab.