Film-Tipp des Tages: Vier Monate, 3 Wochen und 2 Tage

In fast dokumentarischer Präzision und ohne moralische Beurteilung entwirft Regisseur Cristian Mungiu in «4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage», das Bild einer Gesellschaft, die von Tristesse, Misstrauen, Angst und Repression geprägt ist, und schuf damit einen Film, der unter die Haut geht.

Eine blonde Frau stützt sich mit geschlossenen Augen an der Wand ab. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Verzweiflung: Anamaria Marinca als Otilia. SRF/TMG

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Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:20 Uhr auf SRF 1

Ein Tag im Jahr 1987 in einer Kleinstadt in Rumänien. In einem trostlosen Studentenwohnheim teilen sich die beiden Freundinnen Otilia (Anamaria Marinca) und Gabita (Laura Vasiliu) ein Zimmer. Das Land ist unter der Regierung von Nicolai Ceaucescu zum Armenhaus Europas geworden. Viele Dinge des alltäglichen Bedarfs sind nur noch auf dem Schwarzmarkt zu bekommen, der Kampf um das Nötigste bestimmt das Leben der Menschen.

Illegale Abtreibung

Als Gabita ungewollt schwanger wird, steht sie vor einem Problem, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt. Seit 1966 ist in Rumänien die Abtreibung streng verboten, doch als alleinerziehende Mutter hat sie keine Perspektive. Unterstützt von Otilia hat sie einen illegalen Schwangerschaftsabbruch geplant. Das Geld dafür haben die zwei von Freunden und Bekannten ausgeliehen. Das Hotelzimmer, wo der Eingriff stattfinden soll, ist gebucht. Aber als die beiden Frauen dort eintreffen, werden sie an der Rezeption abgewiesen. So müssen sie sich in ein wesentlich teureres Hotel einmieten, was ihr eh schon knappes Budget empfindlich schrumpfen lässt. Bei Ankunft des Arztes (Vlad Ivanov) stellt sich ein weiteres Problem. Denn als dieser feststellt, dass Gabitas Schwangerschaft schon weiter fortgeschritten ist als bisher angenommen, erpresst er die beiden Frauen. Der Preis, den er jetzt für seine Dienste verlangt, stellt Otilia vor eine schmerzhafte Entscheidung und ihre Freundschaft zu Gabita auf eine schwere Probe.

Preisgekröntes Drama

Nicht nur die Jury von Cannes, sondern auch die internationale Kritik zollte dem rumänischen Regisseur Cristian Mungiu höchstes Lob. «Neben der Behandlung der Rolle junger Frauen unter Ceaucescu schafft es '4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage' auf unaufdringliche Weise, dem Zuschauer die repressive Stimmung des Staates zu vermitteln.» (kinozeit.de) Einen ganz anderen Weg, um mit dem Ceaucescu-Regimes abzurechnen, wählte Mungiu in seinem Beitrag zum Episodenfilm «Amintiri Din Epoca De Aur» («Tales From the Golden Age»). In dieser schreiend-komischen Sammlung von urbanen Mythen aus der «goldenen Zeit» hinter dem Eisernen Vorhang wird die Kritik an den unerträglichen gesellschaftlichen Verhältnissen in absurd-schräge Komik verpackt.