Film-Tipp des Tages: «Zerrissene Umarmungen»

Ein erblindeter Autor hält Rückschau auf eine Amour fou und die damit verbundenen fatalen Verstrickungen, die sein Schicksal besiegelt haben. «Los abrazos rotos» ist ein faszinierendes und erotisches Krimi-Melodrama um die Unvergänglichkeit von Liebe und Kunst.

Ein Mann und eine Frau kuscheln zusammen auf einem bunten Sofa. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Penélope Cruz als Lena, Lluís Homar als Mateo Blanco / Harry Caine. SRF/Degeto

Zusatzinhalt überspringen

Sendeplatz

Montagnacht um 01:45 Uhr auf SRF 1

Der blinde, gut 50-jährige Drehbuchautor Harry Caine (Lluís Homar) lebt in Madrid und hat seine Glanzzeit hinter sich. Als Regisseur war er unter dem Namen Mateo Blanco sehr erfolgreich, bis er sich vor Jahren in eine fatale Affäre verstrickte. Heute steht nur noch Caines ehemalige Produktionsleiterin und einstige Geliebte Judit (Blanca Portillo) zu ihm.

Sie fungiert auch als seine Agentin und hilft dem blinden Cineasten, den Alltag zu meistern, unterstützt von ihrem Sohn Diego (Tamar Novas). Als ein junger Mann, der sich Ray X (Rubén Ochandiano) nennt, auftaucht, um mit Harry ein Filmprojekt zu realisieren, werden in diesem verdrängte Erinnerungen wach. Harry vertraut sich Diego an und erzählt ihm, was vor 14 Jahren geschah: Mateo Blanco dreht den Klamaukfilm «Frauen und Koffer» und verliebt sich dabei in seine schöne Hauptdarstellerin Lena (Penélope Cruz).

Unglücklicherweise jedoch ist Lena liiert mit dem Finanzmogul Ernesto Martel (José Luis Gómez), der Mateos Film produziert. Martel lässt seine Liebste eifersüchtig überwachen, indem er seinen Sohn Ernesto jr. beauftragt, ein Making-of von «Frauen und Koffer» zu drehen. Als sich Mateo und Lena auf die Vulkaninsel Lanzarote flüchten, um ihre Liebe auszuleben, sucht Martel im Making-of die Wahrheit über das Verhältnis der beiden.

Das Prinzip der Verdoppelung

Pedro Almodóvar hat mit «Los abrazos rotos» ein komplexes Werk geschaffen, das nicht nur in autobiografischer Weise sein eigenes Filmschaffen reflektiert; neben Anspielungen auf «Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs» und andere seiner Frühwerke thematisiert der spanische Meisterregisseur auch das Kino selbst. Dabei verweist Almodóvar in seinem kunstvollen Film noir auf klassische Thriller und Liebesfilme von «Viaggio in Italia» über «Sabrina» bis hin zu «Blade Runner» und Krimis der 1950er-Jahre. Die Story handelt von der bisweilen fragwürdigen Wechselbeziehung von Leben und Kunst und von den fatalen Folgen, die der Verlust der Kontrolle über das eigene Werk für den Künstler zeitigt.

Visuell arbeitet Almodóvar ebenso geschickt wie konsequent mit dem Prinzip der Verdopplung. «Ich habe immer betont, dass Film für mich eine Repräsentation der Wirklichkeit darstellt und manchmal deren getreueste Widerspiegelung, also eine Duplikation», erklärt der Regisseur. Entsprechend sind die Hauptfiguren oft als sie selbst zu sehen und gleichzeitig als Abbild auf der Leinwand oder einem Foto, und diese Doppelung stellt jeweils ihre Identität in Frage. Bereits zum vierten Mal wirkte hier Penélope Cruz in einem Almodóvar-Film mit; ihre Figur Lena ist Objekt der Begierde und Projektionsfläche für zwei gegensätzliche Männer, was ihr - wie es sich für einen Film noir gehört - zum Verhängnis wird.