Film-Tipp des Tages: «Zwischensaison»

Vor zehn Jahren ist der Schweizer Regisseur Daniel Schmid verstorben. In Erinnerung an den unvergessenen Künstler zeigt SRF den autobiografisch gefärbten Film «Zwischensaison». Darin erzählt Schmid von Valentin, der nach langer Abwesenheit ins «Grand Hôtel», den Ort seiner Kindheit, zurückkehrt.

Zwei Frauen stehen sich an einer Rezeption gegenüber. Im Hintergrund steht ein kleiner Junge. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Arielle Dombasle als Frau Studer (l.), Andrea Ferreol als Fräulein Gabriel (r.). Copyright SRF/T&C Film AG

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Sendeplatz

Mittwochabend um 23:00 Uhr auf SRF 1.

Valentin (Sami Frey), ein Mann in mittleren Jahren, kehrt nach langer Abwesenheit an den Ort seiner Kindheit zurück: ins «Grand Hôtel» in den Bündner Bergen. Einst im Besitz seiner Familie, ist es nun dem Abbruch geweiht.

In den verlassenen, verfallenen Räumen, in den ausgestorbenen Korridoren werden Erinnerungen wach an ein geheimnisvolles, aufregendes Leben, das dem Knaben einst als die einzige Wirklichkeit erschien. Der Zurückgekehrte hört verklungene Musik und Stimmen, und es begegnen ihm Gestalten, die längst vergessen waren.

Geister der Vergangenheit

Da ist die liebestolle Blondine, die nicht nur flirtet, sondern auch handfest zur Sache kommt, die verkniffene und an allen und allem herumnörgelnde Mutter (Hilde Ziegler), die unentwegt ihren dicklichen Sohn blossstellt, der Zauberer Malini (Ulli Lommel), der Hotelgäste hypnotisiert und damit irritiert, das Bar-Duo Max (Dieter Meier) und Lilo (Ingrid Caven) und die russische Anarchistin (Geraldine Chaplin), welche die Jungen damals stark beeindruckt hat. Auch die legendäre Theaterdiva Sarah Bernard (Marisa Paredes) nimmt wieder Gestalt an.

Alter Ego des Regisseurs

Mit «Zwischensaison» hatte Daniel Schmid (1941 bis 2006) sich wie nie zuvor seinem eigenen biografischen Hintergrund genähert: Er selbst war in einem Bündner Grand Hotel aufgewachsen und hatte in dieser faszinierenden Welt mit ihrer die Fantasie anregenden Exotik immer die Quelle seiner Kreativität gesehen.

In der Filmfigur des Valentin erschuf sich der Regisseur eine Art Alter Ego, dessen Erinnerungen nicht immer der Wirklichkeit entsprechen. Denn, wie Dürrenmatt sagte, auf den sich Daniel Schmid in diesem Zusammenhang gern berief: «Sobald sie vergangen ist, wird jede Realität unweigerlich zur Fiktion.»

Einflussreicher und vielseitiger Regisseur

In der Nacht vom 5. zum 6. August 2006 erlag Regisseur Daniel Schmid einem langjährigen Krebsleiden. Die Schweiz verlor damals einen ihrer profiliertesten Cineasten, der das Filmschaffen des Landes seit den 1970er-Jahren massgeblich mitgeprägt hatte.

Von «Heute Nacht oder nie» über «Schatten der Engel», «Il bacio di Tosca» und «Jenatsch» bis hin zum autobiografischen «Hors saison» und seiner Schweiz-Satire «Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz» hatte Schmid immer wieder sein breites stilistisches und thematisches Spektrum unter Beweis gestellt.