Film-Tipp: J'ai tué ma mère - Ich habe meine Mutter getötet

«J'ai tué ma mère» porträtiert eine komplexe, von Hassliebe geprägte Mutter-Sohn-Beziehung. Der erst 19-jährige Regisseur und Hauptdarsteller Xavier Dolan wurde für sein poetisches und formal verspieltes Debut in Cannes 2009 mit Standing Ovations empfangen und mit diversen Preisen ausgezeichnet.

Xavier Dolan als Hubert Minel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Xavier Dolan als Hubert Minel. SRF/Filmcoopi

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Sendeplatz

Donnerstag um 00:10 Uhr auf SRF 1.

Der 16jährige Hubert Minel (Xavier Dolan) lebt alleine mit seiner Mutter Chantal (Anne Dorval) und ist unendlich genervt von ihr. Wie sie isst, wie sie sich kleidet, ihre kitschige Wohnungseinrichtung und ihre belanglosen Fernsehserien - all das verabscheut Hubert zutiefst. Doch auch Chantal lässt sich von ihrem Sohn nicht endlos anpöbeln, und so endet mancher gemeinsame Familienabend im lauten Streit.
 
Als Hubert in der Schule vom Beruf seiner Mutter berichten soll, erklärt er sie vor seiner Lehrerin Julie (Suzanne Clément) kurzerhand für tot. Chantal erfährt dies und macht ihm vor versammelter Klasse eine Szene. Doch am meisten verletzt es sie, dass sie von einer anderen Mutter erfahren muss, dass Hubert auf junge Männer steht und schon seit Monaten mit seinem Schulkameraden Antonin (François Arnaud) zusammen ist. Zwischen Mutter und Sohn eskaliert die Situation immer mehr, so dass Chantal schliesslich sogar Huberts Vater (Pierre Chagnon) einschaltet, der sich bisher nie um seinen Sohn gekümmert hat. Die beiden beschliessen, ihn aufs Internat zu schicken, und Hubert sieht sein Leben zerstört.

Über die Produktion

In diesem autobiographisch gefärbten Film porträtierte der damals erst 19-jährige Regie-Débutant Xavier Dolan eine Mutter-Sohn-Beziehung in ihrer ganzen Komplexität. In schwarz-weissen Videotagebüchern reflektiert der wütende Teenager Hubert immer wieder die Beziehung zu seiner Mutter und sein Unvermögen, sie zu lieben. Dolan hat seinen kammerspielartigen Film nicht nur sehr sorgfältig ausgestattet, sondern experimentiert auch formal mit einer enormen stilistischen Vielfalt. Das Jungtalent schrieb das wütende und authentische Drehbuch bereits mit 16 Jahren, bevor er die Geschichte drei Jahre später mit bescheidenem Budget und mit sich selbst als Hauptdarsteller verfilmen konnte.
 
Die sensible Coming-of-Age-Geschichte des Frankokanadiers wurde 2009 in Cannes mehrfach ausgezeichnet. Seither ist Dolan ein Habitué an der Croisette: Sowohl seine Dreiecksgeschichte «Les amours imaginaires» (2010) sowie die Transvestiten-Story «Laurence Anyways» (2012) wurden am Festival gezeigt und preisgekrönt.