Teuflisch gut ist er. Schauspiellegende Vincent Price als grausamer Prinz Prospero im Horrorklassiker «The Masque of the Red Death». Während eine blutige Seuche den Pöbel dahinrafft, feiert er mit seinen Anhängern dekadente Feste auf seiner Burg.
Hinter den dicken Mauern fühlen sich die Menschen vor der Krankheit sicher. Das nutzt Prospero schamlos aus und spielt damit, wem er Schutz gewährt und wem nicht.
Die Krönung der filmgewordenen Grausamkeit ist der ambivalente Zauber, den Vincent Price als charmanter Tyrann versprüht. Mit seiner unvergleichbaren sanften und doch bedrohlichen Stimme gibt er dem subtilen Wahnsinn ein Gesicht.
Wichtiger: Kaum einem anderen gelingt es damals besser, dem Kinopublikum das Fürchten vor dem Monster zu lehren. Und das ist enorm wichtig für Regisseur Roger Corman – denn Monster waren sein Hauptgeschäft.
Horrorfilme am Fliessband
Roger Corman, auch bekannt als der König des B-Movies, produziert seit den 1950er-Jahren vor allem billige Horrorfilme am Fliessband. Seine Massenware trägt effektive Titel wie «Attack of the Crab Monsters» oder «The Little Shop of Horrors».
Artikel zum Thema
Bis heute füttert der mittlerweile 90-Jährige, das sensationshungrige Publikum mit über 400 (!) Filmen als Produzent. Bei rund 55 Filmen führte er Regie.
Dazu förderte er Stars wie Schauspieler Jack Nicholson oder Regiegrössen wie James Cameron, Martin Scorsese oder Francis Ford Coppola.
Roger Corman, das ist nicht nur ein Synonym für trashige Monsterfilme. Seine Leidenschaft galt auch einer anderen Art von Horror. Dem Horror, der sich in den dunkelsten Ecken des menschlichen Unterbewusstseins abspielt.
Die perfekten Vorlagen dafür lieferten ihm die Kurzgeschichten des US-amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe.
Die Anziehung des Bösen
Poes facettenreiche Schreckenswelten brachte Corman gleich achtfach auf die Leinwand. Zwischen 1960 und 1965 entstanden bekannte Werke wie «House of Usher»,«Pit and the Pendulum» und «The Masque of the Red Death».
In fast allen Poe-Verfilmungen verkörperte Vincent Price das Böse. Seine Figuren sind oft vom Wahnsinn gezeichnet und trotz aller Brutalität lässt er einen Funken Verletzlichkeit und Zerrissenheit überspringen.
Das spürt man gerade in «The Masque of the Red Death». Ein unberechenbarer Horror, dem sich auch das Festivalpublikum in Locarno nicht wird entziehen können.
Am Locarno Filmfestival läuft «The Masque of the Red Death» am Mittwoch, den 10.8.2016 auf der Piazza.