Kaputte Festivalstühle – das war einmal

Es war letztes Jahr fast schon ein Running Gag: Hält der Piazza-Stuhl – oder knickt er vor Filmende ein? Damit ist nun Schluss: Das Filmfestival hat die Piazza neu bestuhlt, mit vorwiegend gelben statt schwarzen Stühlen. Ein ästhetischer Eingriff mit triftigem Grund.

Sie sind die heimlichen Ikonen des Filmfestivals: Die gut 7500 gelben und schwarzen Plastikstühle auf der Piazza Grande. Beliebtes Fotosujet am Tag, abends Sitzgelegenheit für Besucher und Promis gleichermassen. Unprätentiös, praktisch, solid.

Stühle brachen unverhofft ein

Solid? Nun ja. Gelegentlich war letztes Jahr während Filmvorführungen ein Knirschen zu hören: «Knirrrrrsch, gefolgt von Gelächter», erinnert sich SRF-Filmredaktorin Brigitte Häring. «Immer mal wieder gab einer der Piazza-Stühle den Geist auf – und knickte ein. Auch mir ist es passiert.»

Ein kleines Problem für die Welt, ein grosses für das Filmfestival: Harte Stühle nimmt der Festivalbesucher in Kauf – aber kaputte? Die Causa Piazzastuhl jedenfalls sorgte letztes Jahr für Gesprächsstoff. Doch nun ist Schluss damit: Das Festival hat für seine 67. Ausgabe sämtliche Stühle ersetzt. Mit einem Unterschied: Früher waren die Stühle hauptsächlich schwarz, nun sind sie gelb.

Eine Piazza wie das Leopardenfell

Ein Mann sitzt auf der Piazza Grande in Locarno. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mario Timbal auf der Piazza Grande. SRF/Christian Schaub

Der Grund: Die gelben erwiesen sich als stabiler. «Die schwarzen Stühle erhitzten sich tagsüber bis zu 50 Grad, und nachts kühlten sie wieder ab. Diese machte sie spröde und brüchig», sagt Mario Timbal, der sich als operativer Leiter des Filmfestivals dem Problem angenommen hat. «Also dachten wir: Machen wir es dem Leopardenfell nach – eine gelbe Piazza mit schwarzen Punkten.»

Dies hätte zudem einen wesentlichen Vorteil für verspätete Zuschauer: «Man sieht nun in der Dunkelheit viel schneller, wenn irgendwo noch ein leerer Sitz in der Menge ist.»

Selbst der Bundesrat sitzt auf Plastik

Gleich geblieben sind jedoch Design und Konstruktion. An der Ikone Pizzastuhl wollte man nichts ändern. «Wir verkaufen sie auch bewusst nicht, obwohl Leute immer wieder danach fragen», sagt Mario Timnal. «Der Stuhl gehört einfach auf die Piazza. Zuhause würde er den Reiz verlieren.»

Übrigens: Nach VIP-Stühlen sucht man in Locarno vergeblich. «Wir wollen den demokratischen Charakter der Piazza erhalten. Ob Bundesrat Berset oder Roman Polanski – alle sitzen auf dem gleichen Plastikstuhl.» Und dieses Jahr sogar ganz gefahrenlos.