«My Name is Gary»: Eine Stadt ist am Ende angekommen

Ein französischer Dokumentarfilm erzählt in Locarno von einer US-amerikanischen Stadt, aus der die gesamte weisse Bevölkerung abgewandert ist. Gary ist heute die Stadt mit dem grössten Bevölkerungsanteil von Schwarzen in den gesamten USA.

Ein schwarzer Mann sitzt vor einem Laden auf einem Stuhl und winkt mit seinem Hut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «White Flight» wird es genannt, wenn die weisse Bevölkerung eine Stadt verlässt – so wie in Gary. Festival del Film Locarno

Trailer «My Name is Gary»

1:39 min, vom 11.8.2015

«Hier gibt es nichts mehr», sagt eine Frau im Dokumentarfilm «My Name is Gary», «nur noch Kirchen, Tankstellen und Schnapsläden». Dabei war Gary, Indiana einst eine aufstrebende US-amerikanische Stadt.

Die Stahlindustrie sorgte für Wohlstand und zog viele Menschen an diesen Ort in der Nähe von Chicago: Polen, Slowaken, Italiener, vor allem aber Schwarze aus dem Süden. 1960 lebten hier 180'000 Menschen, in streng nach Rassen getrennten Welten.

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«My Name is Gary»

Der Dokumentarfilm des französischen Regie-Duos Blandine Huk und Frédéric Cousseau läuft am Filmfestival von Locarno in der Sektion «Semaine de la critique».

Dann kam die Krise der Stadt, die von einer industriellen Monokultur abhängig war – wie Detroit mit der Autoindustrie. Es gab weniger Jobs, weniger Geld. Gary gab sich als erste Stadt der USA einen schwarzen Bürgermeister, die Weissen flüchteten aus dem Ort. 50 Jahre später hat die Stadt noch 80'000 Einwohner, und den höchsten Anteil an Schwarzen in den USA.

Der Film des Regie-Duos Blandine Huk und Frédéric Cousseau zeigt leere Strassenzüge, Menschen ohne Hoffnung und kontrastiert dies mit Archivmaterial aus besseren Zeiten. Gary, die Heimatstadt von Popstar Michael Jackson, scheint am Ende angekommen.