James Franco, ein Hollywood-Beau mit vielen Gesichtern

James Franco spielt in Hollywood-Blockbustern wie «Rise of the Planet of the Apes» mit. Daneben verfolgt der Hollywood-Beau unzählige Kunst-Projekte und verfilmt auf eigene Faust Literaturklassiker. Ein Blick auf das Schaffen des Tausendsassas, der am Filmfestival in Venedig einen Ehrenpreis erhält.

James Franco auf einem grauen Sessel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Er ist ein Tausendsassa: James Franco. Keystone

James Franco schreibt, malt, macht Musik, schafft bildende, konzeptuelle und multimediale Kunst für Museen, produziert Dokumentarfilme, ist Model für Gucci und Coca Cola, inszeniert Videoclips und Experimentalfilme, füttert unablässig seinen Instagram-Kanal mit Selfies und unterrichtet nebenbei Schauspiel.

Die Liste der Filme und Serien, in denen der 36-Jährige schon zu sehen war, ist unüberschaubar lang und umfasst neben bekannten Hollywood-Blockbustern und Buddy-Komödien mit Seth Rogen auch Seifenopern und Sitcoms sowie zahlreiche Independent-Streifen. Er nennt einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame sein eigen. Und er hat einst die Oscar-Verleihung moderiert.

«127 Hours»

4:52 min, aus Box Office vom 17.2.2011

Am 71. Filmfestival von Venedig wird Franco als Multitalent geehrt, aber anwesend ist er hier in erster Linie als Spielfilmregisseur. Er hat einen als unverfilmbar geltenden Klassiker von William Faulkner für die Leinwand adaptiert: «The Sound and the Fury», in dem eine Südstaaten-Familie dem Untergang geweiht ist.

Dabei handelt es sich nicht um seine erste Faulkner-Verfilmung: In «As I Lay Dying» (2013) versuchte er bereits, der multiperspektivischen Erzählweise des Autors mit dem Split-Screen-Verfahren gerecht zu werden. Und ebenfalls 2013 war er in Venedig mit einer weiteren Literaturverfilmung im Wettbewerb vertreten: «Child of God» war Francos filmische Umsetzung eines Romans von Cormac McCarthy.

Franco mag den gespielten Wahn

Zusatzinhalt überspringen

Venedig ehrt ein Multitalent

James Franco erhält einen Ehrenpreis am 71. Filmfestival von Venedig.

Stilistisch einordnen lässt sich das Phänomen James Franco längst nicht mehr, auch wenn sich gewisse Züge mit einer verhältnismässigen Konstanz durch sein Werk ziehen: Als Darsteller spielt Franco oft dysfunktionale, psychotische Figuren. Das ist auch im selbstinszenierten «The Sound and the Fury» wieder so, in dem er einen geistig Behinderten verkörpert. Gespielter Wahn scheint Franco zu liegen: Er steigert sich gern in seine Performances hinein, kann diesen Hang zum exzessiven Spiel aber auch kanalisieren oder komödiantisch ausschlachten.

Als Fotograf und freier Konzeptkünstler interessiert sich Franco dagegen für Homosexualität, Lyrik, morbide Geschichten, die verwaschene Grenze zwischen Trash und Glamour und nicht zuletzt auch für sein eigenes Bild in der Öffentlichkeit. Wenn Franco konzeptuelle Kunst in Angriff nimmt, dann blendet er sein anderes Standbein als Hollywood-Star nicht aus, sondern setzt es bisweilen verfremdet in Szene.

Populärer Schauspieler und Aussenseiter

James Francos Internetserie «Undergrads»

2:29 min, aus Box Office vom 7.3.2012

In der Presse wurde James Franco schon «die Antwort der Unterhaltungsindustrie auf das Schweizer Sackmesser» genannt. Venedigs Festivaldirektor Alberto Barbera hingegen spricht in seiner Ehrung von einem «relentless manufacturer of cultural imagery», einem unaufhaltsamen Hersteller von kulturellem Bildgut, was auch immer das heissen mag.

Unbestritten ist jedenfalls, dass Franco seine eigene Erscheinung und seine Bilder breiter und diversifizierter vermarktet als die meisten seiner Zeitgenossen, und dass es ihm überraschend gut gelingt, dauerhaft und erfolgreich an mehreren Fronten medial präsent zu sein.

Egal wie er all seine verschiedenen Projekte überhaupt in einem einzigen Leben unter einen Hut bekommt: Franco schafft es, sich in der Öffentlichkeit gleichzeitig als populärer Schauspieler und als Aussenseiter zu positionieren. Dieses Paradox zu pflegen ist zweifellos ein Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit – man könnte fast von inszenierter Schizophrenie sprechen.

Auf jeden Fall erklärt es, warum sich Franco als Regisseur ausgerechnet für William Faulkner und dessen mehrstimmige Prosa interessiert: Er ist definitiv ein Mann mit mehr als einer Stimme, mit mehr als einem Gesicht.