13. Zurich Film Festival Regie-Altmeister Rob Reiner: Aufklären ist nun mal nicht lustig

Am ZFF wurde der US-Filmemacher Rob Reiner für sein vielfältiges Gesamtwerk ausgezeichnet. Sein neuster Film ist historisch akkurat – dafür nicht sein unterhaltsamster.

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Rob Reiner am ZFF

0:57 min, vom 4.10.2017

Altmeister Rob Reiner nahm am ZFF ein goldenes Auge für sein Lebenswerk entgegen. Erfolge wie «Stand by Me», «When Harry Met Sally» oder «Misery» machten ihn weltberühmt.

Rob Reiner mit Ehefrau und Produzentin Michele (rechts neben ihm), Darsteller James Marsden (2. v. l.), den Journalisten, deren Geschichte der Film zeigt und der Festivaldirektion.  Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Posierte am ZFF bereitwillig für Fotos: Rob Reiner (3. v. l.). Getty Images

Nach Zürich kommt er dieses Jahr mit einem politischen Film. «Shock and Awe» erzählt die wahre Geschichte über drei Journalisten, die bereits 2003 Bushs Irak-Lüge aufdeckten.

Die US-amerikanische Regierung zog gegen Saddam Hussein in den Krieg, aufgrund der Behauptung, im Irak Massenvernichtungswaffen gefunden zu haben.

Die investigativen Journalisten konnten zwar beweisen, dass die Bush-Regierung log, allerdings damit keine breite Öffentlichkeit erreichen. Der Krieg fand statt.

Die Unterhaltung fehlt

«Shock and Awe» ist ein Film mit Botschaft. Reiner vergisst über dieser allerdings den Faktor Unterhaltung komplett. Stattdessen wähnt man sich im Geschichtsunterricht – didaktisch, informierend und sehr voraussehbar.

Im Gespräch macht Reiner denn auch deutlich, dass er «Shock and Awe» aus einer aufklärerischen Haltung realisierte. «Voraussetzung für eine gesunde Demokratie ist eine informierte Öffentlichkeit. Wenn der Presse nicht erlaubt wird, die Wahrheit zu sagen, wirkt das demokratiezersetzend. Dagegen haben wir den Film gemacht.»

Twitter-Schlacht mit Trump

Bezüglich der Rettung der Demokratie bleibt Reiner aber nicht in der Vergangenheit. Seit Monaten twittert er gegen den jetzigen US-amerikanischen Präsidenten: «Unglücklicherweise kann man es nicht anders sagen: Trump ist ein herzloses Drecksschwein.»

Er doppelt im Interview nach: «Wir haben einen Präsidenten, der ein Rassist, ein Frauenhasser und Fremdenfeind ist. Und er ist ein pathologischer Lügner. Ich denke mir das nicht aus, ich erzähle nur die Wahrheit und die ist für die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung sehr beunruhigend.»

Nicht nur verbaler Aktivismus

Rob Reiner steht im Corso-Kino auf der Bühne mit seiner Auszeichnug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Corso-Kino geehrt für sein Gesamtwerk: Rob Reiner mit seiner Auszeichnung. Getty Images

Sein neues Projekt ist das «Committee to Investigate Russia», das er mit seiner Frau Michelle Reiner und dem ehemaligen nationalen Geheimdienstdirektor der USA, James Clapper, gründete.

Das Komitee fordert laut Reiner die lückenlose Untersuchung zur russischen Einflussnahme während der amerikanischen Wahl 2016: «Wozu waren die Russen in der Lage, was genau haben sie getan, und werden sie es weiter tun?»

Vor knapp zwei Wochen lancierte Reiner gemeinsam mit seinem Kollegen Morgan Freeman ein Video, in dem letzterer erklärt: «Wir wurden angegriffen. Wir befinden uns im Krieg.» Es sei ein Cyberkrieg mit Russland, in dem sich die USA befinde. Freeman fordert von Trump Aufklärung und Massnahmen.

Rob Reiner hat eine Botschaft und er trug sie ans ZFF. In Europa wird er damit offene Türen einrennen. In Amerika hingegen bleibt ihm zu wünschen, dass er auch mit seinen politisch-aufklärerischen Filmen an die vorherigen Erfolge anschliessen kann.