Derber Spass: In «War on Everyone» sind Cops die kecken Kokser

Erpressungen, Drogen, Schlägereien. In McDonaghs jüngster Buddy-Komödie sind zwei skurrile Cops alles andere als Gesetzeshüter. Die Story ist weder originell noch spannend. Was den Film ausmacht, ist die Chemie zwischen dem Hauptdarsteller-Duo. Doch der Funke springt trotzdem nicht ganz über.

Zwei Cops. Einer hälte den Stinkefinger hin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stinkefinger von Skarsgård: «War on Everyone» ist derb – und auch ein bisschen doof. ZFF

«Ich hab mich schon immer gefragt, ob Pantomime einen Ton von sich geben, wenn man sie überfährt», überlegt Bob, kurz bevor sein Partner Terry den flüchtenden Mimen skrupellos über den Haufen fährt. Nach der ersten Szene ist klar: Bob (Michael Peña) und Terry (Alexander Skarsgård) sind die schlimmsten Cops von ganz New Mexico.

Trailer «War on Everyone»

1:19 min, vom 28.9.2016

Ihre Fälle lösen sie ausschliesslich mit rüden Methoden: Sie erpressen Verdächtige, schieben ihnen Kokain unter, saufen und koksen selbst bis zum Gehtnichtmehr. Anstatt Gangster festzunehmen, lassen sie sich auf schmutzige Deals ein. um an schnelles Geld zu kommen.

Als nach einem Raubüberfall eine Million Dollar vermisst wird, legen sich die beiden mit dem britischen High-Class-Kriminellen James Mangan (Theo James) an. Ihr Plan: sich seine Beute unter die Nägel zu reissen. Dabei gelangen sie jedoch an ihre Grenzen.

Eine leere Angelegenheit

Am Anfang sind die plumpen Gags der korrupten Cops lustig. Man schmunzelt, wenn Terry so betrunken ist, dass er beim Einparken andere Autos rammt. Der Film treibt aber die Klischees von Buddy-Cop-Movies wie «Lethal Weapon» (1987) oder «Bad Boys» (1995) bis fast ins Unerträgliche. Anstatt etwas über das eigene Genre auszusagen, erweisen sich die politisch unkorrekten Gags als leere Angelegenheit. Man nimmt davon nichts mit.

Relativ früh wird klar, was das Konzept des Films ist: «War on Everyone» will Grenzen überschreiten. Leider reflektiert er aber nicht, was diese Grenzüberschreitung bedeutet. Es ist, als ob Regisseur McDonagh die Tragik und Melancholie von seinen früheren Filmen wie etwa «The Guard» (2011) rausgenommen hätte. Übrig bleibt nur die Oberfläche.

Alexander Skarsgård spricht am Zurich Film Festival. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der «Cop» in Zivil: Alexander Skarsgård gab sich am Zurich Film Festival die Ehre. ZFF

Gut harmonierendes Duo

Alexander Skarsgård und Michael Peña sind nicht oft in Hauptrollen zu sehen. In «War on Everyone» ergänzen sie sich perfekt als Arschlöcher mit Herz. Ihre Figuren sind derart überzeichnet, dass man sie trotz ihres Unfugs irgendwie gern hat. Das ist vor allem der Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern zu verdanken, die sichtlich Spass an ihren Rollen haben.

Beide Schauspieler haben bereits Erfahrung mit der Darstellung von Polizisten: Peña hat beispielsweise in «Gangster Quad» (2013) einen Cop gespielt. Skarsgård war als Vampir-Sheriff in der Serie «True Blood» unterwegs.

Zwar erfreut das coole Hauptdarsteller-Duo mit witzigen Einfällen, alleine kann es aber den Spielfilm auch nicht tragen. «War on Everyone» bleibt daher eine kurzweilige Komödie, die Unterhaltung ohne Tiefgang bietet. Die Lacher sind zu spärlich, als dass der Film einen Kinobesuch wert wäre.