«Die Angst vor der leeren Seite kann dir keiner nehmen»

Das Drehbuch ist die Seele des Films. Ohne ein gutes Drehbuch entsteht kein guter Film. Gibt es eine Starthilfe, um seine Ideen auf Papier zu bringen? Und was sollte man beim Drehbuchschreiben vermeiden? Autor und Regisseur Micha Lewinsky gibt seine Erfahrungen Preis. Tipps von einem Experten.

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5 Fragen an Micha Lewinsky, Drehbuchautor und Regisseur

3:44 min, vom 29.9.2016

Jedes Leinwandabenteuer beginnt mit dem Drehbuch. Autor und Regisseur Micha Lewinsky musste viele Geschichten zu Papier bringen, bevor seine Abenteuer verfilmt wurden.

Ohne sein Durchhaltevermögen gäbe es nicht die preisgekrönten Schweizer Filme wie «Der Freund», «Die Standesbeamtin» oder «Nichts passiert». Dieses Jahr ist er Jurymitglied am Filmfestival in Zürich. Wir nutzten die Gelegenheit und wollten von ihm wissen, ob es eine Anleitung zum Drehbuchschreiben gibt.

Regisseur Micha Lewinsky Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Micha Lewinsky: «Keine Gedanken darüber machen, was andere sagen, wie man es tun soll.» Keystone

Es heisst der Fokus sei das Wichtigste bei der Entstehung eines Drehbuches. Ist das bei Ihnen auch so?

Fokus? Ich nenne das glaub ich anders. Ich versuche den Kern der Geschichte im Auge zu behalten und mich daran zu erinnern, was es war, dass mich an der Geschichte interessiert hat.

Wenn man das Thema mal hat, wenn man wirklich weiss, worum es in seinem Film gehen soll, dann ist es einfacher darüber zu schreiben.

«  Das Wichtigste ist, dass man sich nicht auf falsche Ratschläge verlässt. »

Gibt es No-Gos beim Drehbuchschreiben?

Das Wichtigste ist, dass man sich nicht auf falsche Ratschläge verlässt. Es gibt keinen funktionierenden Weg, man muss es einfach tun.

Das braucht zwar Überwindung, aber wenn man nicht zu hohe Ansprüche hat, sondern es einfach mal versucht und in Kauf nimmt, dass es beim ersten Mal vielleicht nicht so toll wird, dann macht man es noch ein zweites und drittes Mal und irgendwann wird man besser.

«Es einfach mal versuchen» - das ist leicht gesagt.

Schulklasse Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Sternenberg» - aus der Feder von Micha Lewinsky. Disney

Wenn man auf eine Filmschule geht und sich dort drei Jahre lang überlegt, wie das perfekte Drehbuch sein soll, was alles vermieden werden sollte, wie es noch idealer wäre – dann hat man sich so lange darauf vorbereitet, dass da eine grosse Angst davor entsteht und man sehr hohe Erwartungen an sich hat.

Aber wenn man sich sagt, ich nehme mir jetzt mal paar Wochen Zeit, oder ein paar Abende. Ich habe Lust darauf, es zu versuchen und mir eine Geschichte im Kopf aufzuschreiben. Man muss einfach beginnen, keinen Ratschlägen folgen, seinen eigenen Stil finden und am Anfang keine zu hohen Erwartungen an sich stellen.

«  Ein Drehbuch zu schreiben braucht echt viel Zeit, und es ist ein prekärer Job.  »

Durchhaltevermögen ist das Eine und Unterstützung das Andere. Ein grosses Thema: Warum erhalten Frauen in der Schweiz auch heute noch weniger Förderung als ihre männlichen Kollegen?

Frau mit Mann auf dem Fahrrad Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Film: «Die Standesbeamtin» - «Ich wollte der Welt beweisen, dass ich auch romantische Komödien schreiben kann». Disney

Es beantragen weniger Frauen eine Förderung und dementsprechend erhalten auch weniger Frauen eine Förderung. Der Grund dafür hängt, ganz banal gesagt, mit dem Kinder kriegen und dem Familienwunsch zusammen.

In Schweden zum Beispiel ist die Quote besser, weil dort die Mutterschutzzeit anders geregelt ist. Eine Frau, die in der Schweiz künstlerisch arbeiten will, braucht ein echt gutes Backup. Ein Drehbuch zu schreiben braucht nämlich echt viel Zeit, und es ist ein prekärer Job. Auch wenn man Zeit hat, kommt sehr wenig Geld dabei rein.

So lange man immer noch viel Geld für die Kinderbetreuung ausgeben muss, leiden am Schluss mehr Frauen an diesem Ungleichgewicht als Männer. Das muss geändert werden.