Hedda Koppé

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Bildlegende: Hedda Koppé als Glunggenbäuerin im Film «Uli der Pächter» von Franz Schnyder im Jahr 1955. SRF

Am 7. Dezember 1896 wird Hedwig Kopp in Biel geboren. Hedwig wird zuerst Lehrerin, beginnt aber bald ein Literaturstudium an der Universität Bern. Über ein Chor-Engagement gelangt sie ans Berner Stadttheater, erhält Schauspielunterricht und debütiert in Schillers «Wilhelm Tell». Sie wird Ensemblemitglied beim neu gegründeten Berner Heimatschutztheater und entschliesst sich nach ersten Erfolgen, ihr Glück im deutschsprachigen Ausland zu suchen.

In Kaiserslautern kann sie zwar die grossen klassischen Rollen spielen, erlebt aber auch die letzten Monate des Ersten Weltkriegs. Sie kehrt zurück in die Schweiz ans Stadttheater St. Gallen, wo sie wiederum grosse Frauenfiguren verkörpert. Nach zwei Jahren zieht es die junge Frau trotz schlechter Arbeitslage nach Wien, wo sie sich mit Akribie den Dialekt aneignet. Sie darf am Akademietheater spielen und hat Erfolg. Ihre «Minna von Barnhelm» wird zum Triumph. Als das Theater aus politischen Gründen schliesst, kehrt Hedwig für kurze Zeit in die Schweiz zurück. Doch 1922 wird sie überredet, den Sprung über den Atlantik zu wagen. Begeisterte Zuschauer prophezeien ihr, sie werde Amerika im Sturm erobern.

Doch die Realität sieht düster aus. Sie findet keine deutsche Bühne und ernennt sich kurzerhand zur «Kulturgesandtin der Schweiz». Als singende, jodelnde und rezitierende Alleinunterhalterin bestreitet sie eine Tournee für ihre Landsleute. Schliesslich wird sie von der Filmgesellschaft «Century Fox» engagiert und spielt unter dem Künstlernamen «Betty Benson» in einigen Stummfilmen. Langsam gelingt auch der Durchbruch am Theater. Sie hat einen Dreijahresvertrag am Broadway in Aussicht, als ihre Aufenthaltsbewilligung abläuft. Hedwig Kopp reist nach Kanada, wo sie ihren Namen «französisiert» und sich neu Hedda Koppé nennt.

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kehrt Hedda Koppé zurück in die Schweiz. Sie heiratet den Journalisten Arthur William Lory und bleibt für immer in der Heimat. Als Schauspielerin macht sie die traurige Erfahrung vom Propheten im eigenen Land: Man nimmt sie entweder nicht oder nur ungern wahr. So arbeitet sie als Lehrerin und ab und zu übernimmt sie eine Gastrolle am Atelier-Theater in Bern, übersetzt «Max und Moritz» ins Französische und tritt manchmal im Kabarett auf.

Durch Zufall dann 1954 die Berufung als Glunggenbäuerin für Franz Schnyders Gotthelf-Adaption «Uli der Knecht». Hedda Koppé kann neben grossen Schweizer Darstellern in ihrer ureigenen Sprache spielen. Eine Zeitung berichtet: «Hedda Koppé als Glunggenbäuerin übermittelt uns in einer hervorragenden schauspielerischen Leistung verständnisvolle Güte und Weisheit des Herzens. So und nicht anders ist eine Bäuerin, der der Wohlstand Sicherheit gegeben, aber die Güte nicht geraubt hat.» Die Stadt Zürich verleiht ihr 1958 für diese Rolle den Filmpreis.

Als Sechzigjährige wird sie nun doch noch bekannt. Viele glauben allerdings, sie sei eine richtige Bauersfrau, so authentisch wirkt ihre Darstellung der «Glunggepürin». Sie spielt in weiteren Gotthelf-Filmen, in Theateraufführungen und ab und zu in Fernsehproduktionen. Im November 1968 feiert sie ihr 50-Jahr-Bühnenjubiläum. Viele Jahre später, hochbetagt, ist sie noch immer aktiv und erzählt an Altersnachmittagen von ihrem aufregenden Leben und vom Beruf als Schauspielerin. Gerne hätte sie mit 90 auch noch Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» gespielt. Das aber bleibt ein Traum. Hedda Koppé stirbt im Alter von 93 Jahren am 20. April 1990 in Zürich.

Quelle: Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 35 (1992)