Stephanie Glaser

Stephanie Glaser wird am 22. Februar 1920 in Neuenburg geboren. Die Tochter eines Hoteliers entdeckt schon als Schülerin ihre Liebe zum Theater und kann die Eltern überzeugen, ihr eine Ausbildung am renommierten Max Reinhardt Seminar in Wien zu finanzieren. Nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich kehrt Stephanie Glaser in die Schweiz zurück, wo sie sich in verschiedenen Kabaretts (damals «Cabarets») engagiert. So ist sie währen der Grenzbesetzung ständiges Mitglied des Cabaret Bäretatze, das im Auftrag der Armeeführung die Truppen unterhält.

Anfang der 1950er-Jahre stösst sie in Zürich zum Cabaret Federal, wo sie mit Kolleginnen und Kollegen wie César Keiser, Margrit Läubli, Trudy Roth, Lukas Ammann, Max Haufler, Walter Roderer und Zarli Carigiet auf der Bühne steht. In diese Zeit fallen auch Stephanie Glasers erste Leinwandauftritte. Obwohl sie nie die Hauptrollen spielt, hinterlässt sie als temperamentvolle und vielseitige Darstellerin einen bleibenden Eindruck bei den Zuschauern.

Sie spielt unter Franz Schnyder in «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter», unter Kurt Früh in «Polizischt Wäckerli» und unter Werner Düggelin in «Taxichauffeur Bänz». Auch am Radio und im Fernsehen ist Stephanie Glaser schon früh zu hören und zu sehen, in Theateraufzeichnungen und Fernsehspielen, zum Beispiel an der Seite von Heinrich Gretler in Kurt Frühs «Tod uf em Oepfelbaum» (1966) und in Theaterstücken wie «Der keusche Lebemann» (1973) oder «Die Schwindelfiliale» (1974).

Filmausschnitte mit Stephanie Glaser als Schauspielerin

1974 holt Kurt Felix Stephanie Glaser in seine neue Samstagabendshow «Teleboy». Als Tante Elise mit ihrem Goldfisch Traugottli wird sie auf Anhieb zu einer Institution und zu einer echten Berühmtheit. Danach spielt sie auch in den ersten Schweizer Fernsehserien wie «Motel» und «Die Direktorin» mit und bekommt Hauptrollen in Fernsehfilmen wie «E Nummer z'gross» (1983) oder «Senioren-Tango» (1986). 1988 gibt sie an der Seite von legendären Schweizer Mimen wie Anne-Marie Blanc, Paul Hubschmid und Ruedi Walter eine der Hauptrollen im Kriminalfilm «Klassezämekunft». In den folgenden Jahren findet die inzwischen ältere Darstellerin immer wieder schöne Rollen in Schweizer Kinofilmen, so in «Leo Sonnyboy» (1989) oder in «Komiker» (2000).

Der ganz grosse Durchbruch lässt allerdings lange auf sich warten. Er kommt erst im Jahr 2006 mit einer Produktion des Schweizer Fernsehens, die unerwartet den Weg auf die grosse Leinwand findet: «Die Herbstzeitlosen» wird am Filmfestival von Locarno auf der Piazza Grande uraufgeführt und tritt danach einen wahren Siegeszug durch die Schweizer Kinos an. Noch auf der Piazza erhält die frenetisch gefeierte Darstellerin eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk (Lifetime Award) und im selben Jahr den Swiss Award in der Kategorie Kultur.

News-Beiträge mit Stephanie Glaser

Bereits 86-jährig wird Stephanie Glaser zur Kultfigur. Sie reist um die Welt, gibt unzählig Interviews, spielt noch einmal Theater und wird in vielen Filmen in grossen oder kleineren Rollen besetzt. Noch im Herbst 2010 dreht sie unter der Regie von Sabine Boss den Fernsehfilm «Mord hinterm Vorhang», einen Krimi nach dem Vorbild von Agatha Christies «Miss Marple».

Stephanie Glaser war nur einmal verheiratet. Ihr Ehemann, Oscar Düby, war Produzent der Gloriafilm («Uli der Knecht») und starb bereits 1982. Die Ehe blieb kinderlos. Am 15. Januar 2011, wenige Wochen vor ihrem 91. Geburtstag, starb Stephanie Glaser unerwartet während eines Krankenhausaufenthalts.