Geiselnahme im TV-Studio: «Money Monster» fesselt an Kinosessel

Wenn ein junger Mann mit Pistole und Sprengstoffweste die Live-Sendung eines TV-Börsengurus kapert, ergänzen sich Thriller und Satire so professionell wie George Clooney und Julia Roberts unter der Regie von Jodie Foster. Eine Mischung, die «Money Monster» sehenswert macht.

Mann wird von zwei Polizisten festgehalten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: George Clooney als TV-Börsenguru: Hat sein Tipp Kleinanleger in die Pleite getrieben? Disney

Der grösste Teil der US-amerikanischen TV-Sendungen ist schon seit Jahren kaum mehr parodierbar. Der Irrwitz der Show hat längst jeden journalistischen Standard abgewürgt. Das weiss auch Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts), welche seit Jahren die (titelgebende) Börsen-Show «Money Monster» des smarten Lee Gates (George Clooney) verantwortet.

Eigentlich hat sie gekündigt, um endlich wieder etwas Sinnvolles zu machen. Aber dann wird die Show von einem wütenden jungen Mann vor laufender Kamera gestürmt. Patty läuft in der Regie zu Hochform auf und mit ihr der längst abgelöschte Lee Gates. Sie gibt Gates über seinen Knopf im Ohr Anweisungen, die der bewaffnete Eindringling nicht hört.

Trailer von «Money Monster»

2:26 min, vom 26.5.2016

Der eigentliche Skandal

«Money Monster» ist einerseits ein Standard-Geisel-Thriller mit Unterhändler, Scharfschützen, externen Angehörigen und internen Verwicklungen. Andererseits geht es bei diesem Wettlauf um die Zeit auch darum, für einmal wieder journalistische Arbeit zu leisten, zu recherchieren und die richtigen Leute zu befragen.

Was den jungen Kyle Budwell (Jack O’Connell) so aufgebracht hat, ist ein angeblicher Fehler in einem High-Speed-Trading-Computerprogramm. Es hat hunderttausende Kleinanleger um insgesamt 800 Millionen Dollar gebracht. Kleinanleger notabene, die aufgrund einer Empfehlung von Lee Gates investiert hatten.

So wird «Money Monster» neben dem Geisel- und Fernsehthriller auch zum Finanz- und Computer-Krimi. Ein recht stringentes Drehbuch sorgt dafür, dass das Publikum mit all dem nicht überfordert wird.

Dream-Team mit hergezauberten Fakten

Die Exposition der Studiosituation gelingt besser, als die Skizzierung der komplexen Finanzsysteme. Als noch komplizierter erweist sich die Notwendigkeit, in Echtzeit aus einem Fernsehstudio heraus relevante Fakten zu recherchieren.

Da behilft sich das Skript denn auch mit isländischen Hackern und koreanischen Programmierern, welche die Informationslücken mit hergezauberten Fakten füllen.

Es ist wohl der Regie von Jodie Foster und dem eingespielten Team Roberts-Clooney zu verdanken, dass man über allenfalls halb plausible Momente problemlos hinwegsehen mag. Der Film bleibt durchgehend spannend und bietet genügend Überraschungsmomente, dass man sich gerne treiben lässt.