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Berlinale Kultur Online
Aus Kultur-Aktualität vom 05.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:49 Minuten.
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Gewinner Berlinale 2021 Goldener Bär für einen «Verrückten-Porno»

Mit der Gesellschaftssatire «Bad Luck Banging or Loony Porn» gewinnt Radu Jude den Hauptpreis der 71. Berlinale. Ein Film, in dem sich alles um ein Sexvideo dreht.

Was für ein Trip, auf den uns der Film «Bad Luck Banging or Loony Porn» mitnimmt. Dieser «Verrückten-Porno» des Rumänen Radu Jude gewinnt den Goldenen Bären, da er «den Zeitgeist heraufbeschwört, ihn ohrfeigt, zum Duell herausfordert», so die Begründung der Jury.

Der Film beginnt mit einem Sexvideo: Vor dem Filmtitel wird ein mit dem Handy gefilmter Amateur-Porno auf die Leinwand geschmissen. Ein Paar hat Sex. Zwischendurch hört man eine ältere Frauenstimme durch die Zimmertür quengeln, es geht wohl um das Kind des Paares.

Legende: Wegen eines Sexvideos gerät die Lehrerin in grosse Schwierigkeiten. Silviu Gheti / Micro Film

Wenn Videos plötzlich auf Pornhub landen

Die Frau in dem Video ist Emi Cilibue (Katia Pascariu), eine engagierte und beliebte Lehrerin an einer renommierten Schule in Bukarest. Ihr Mann hat arglos seinen Computer zur Reparatur gebracht, und wie es aussieht, hat einer der Servicetechniker auf der Festplatte gestöbert und das private Filmchen auf Pornhub hochgeladen. Unter Emi Cilibues Schülerinnen und Schülern macht das Video schnell die Runde.

Der Film, ein Entwurf

Der Filmemacher Radu Jude ist nicht an einer komödiantisch verwertbaren Storyline interessiert. Er selbst nennt seinen im Sommer 2020 unter Corona-Bedingungen in Bukarest gedrehten Film einen «Entwurf für einen populären Film».

Er präsentiert tatsächlich eher eine Materialsammlung. Aber eine, die weit über die Diskussion hinausgeht, inwieweit das private Sexleben eines Paares die Öffentlichkeit zu interessieren hat.

Ein Sommerspaziergang durch Bukarest

Nach dem Titelvorspann folgt denn auch erstmal ein fast dokumentarischer Sommerspaziergang durch Bukarest 2020.

Emi Cilibue (Katia Pascariu) geht zu Fuss durch die Stadt, besucht ihre Schulleiterin, kauft mit Maske ein, telefoniert unterwegs mit ihrem Mann und ist schliesslich unterwegs zu einem ausserordentlichen Elternabend an der Schule. Dort soll ihr «Fehlverhalten» diskutiert werden.

Diese rund zwanzig Minuten in den sommerlichen Strassen und Geschäften von Bukarest sind Momentaufnahmen, die jetzt schon als Zeitdokument gelten: Da gibt es Maskendiskussionen in Geschäften, Abstandsregeln im Strassencafé und zunehmend rüpelhaftes Verhalten der gestressten Städter.

Sieger der Berlinale

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Die experimentelle Satire «Bad Luck Banging or Loony Porn» des rumänischen Regisseurs Radu Jude hat den Goldenen Bären der 71. Berlinale gewonnen.

Die Jury zeichnet zudem die deutsche Schauspielerin Maren Eggert mit dem Silbernen Bären aus – sie bekommt den wichtigsten Schauspielpreis des Festivals. Die 47-Jährige spielt in der Tragikomödie «Ich bin dein Mensch» eine Wissenschaftlerin, die sich in einen humanoiden Roboter verliebt.

Hier geht's zu den weiteren Preisen der Jury.

Kolonialoffiziere und Blondinenwitze

Der zweite Teil des Filmes besteht aus «Skizzen und Anekdoten» und ist an grausamer Absurdität kaum zu überbieten. Da folgen im Sekundentakt Filmclips und Bildmontagen zu einer Reihe von alphabetisch dargebotenen Stichwörtern. Auf Kolonialoffiziere, die mit nackten Eingeborenenfrauen posieren, folgt ein inszenierter Blondinenwitz, der darin gipfelt, dass die vom Stier verfolgte Nackte schliesslich erklärt, sie bekäme doch lieber ein Kalb als einen Herzinfarkt. Nonnen singen einem Popen eine Faschistenhymne, Touristen machen Selfies vor dem einstigen Ceaușescu-Palast.

Dieser zweite Teil lässt einen erschöpfter in sich zusammensinken als eine Stunde swipen auf TikTok. Aber doch auch deutlich angeregter und faszinierter. Die geballte Ladung an Scheinheiligkeit, Absurdität und Verleugnung elementarer Klarheiten fährt satirisch ein.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 5.03.2021, 17:10 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von markus kohler  (nonickname)
    Super bemüht und wahrscheinlich unendlich langweilig.