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Corona-Krise: Virtuelles Filmfestival «We Are One» startet
Aus Tagesschau vom 29.05.2020.
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Globales Festival «We Are One» Was die Schweiz zum neuen Online-Filmfestival beiträgt

Cannes, Locarno, Venedig: Die Big Player spannen im Seuchenjahr zusammen. Wir sagen, was fehlt und wer davon profitiert.

Sie sind das filmische Äquivalent der Geisterspiele in der Fussball-Bundesliga: die Online-Festivals. Begeisterungsstürme lösen sie keine aus.

Denn eigentlich leben Filmfestspiele – ähnlich wie Sportveranstaltungen – ja gerade von ihrem Versammlungscharakter. Fällt dieser weg, fehlt etwas Wesentliches. Etwas, das man als die Seele des Anlasses bezeichnen könnte.

Lieber untot als tot

Festivals, die wegen Corona ins Netz flüchten, erinnern darum an Zombies: Untote, die als unheimliche Zeitzeichen ein kärgliches Dasein fristen und ohne inneres Feuer herumgeistern.

Im Grunde gibt es nur zwei Dinge, die sie am Leben halten: Da ist einerseits ihre Weigerung, zu sterben. Und andererseits der Zuspruch der gelangweilten Öffentlichkeit, die kleinlaut eingesteht: Besser als gar keine Unterhaltung sind Online-Festivals allemal.

Tribeca als Treiber

Als sich abzeichnete, dass Cannes 2020 nicht stattfinden würde, witterte das Tribeca Film Festival seine Chance und entwarf kurzerhand eine Ersatzveranstaltung: «We Are One» – ein digitales Gemeinschaftsprojekt mit Tribeca als federführende Kraft.

So funktioniert «We Are One»

So funktioniert «We Are One»

Über 100 Filme, darunter 13 Weltpremieren, werden zwischen dem 29. Mai und dem 7. Juni auf Youtube, Link öffnet in einem neuen Fenster zu sehen sein. Die Titel sind allerdings nicht ständig über eine Mediathek, sondern nur zu fixen Screening-Zeiten verfügbar. Welcher Film wann läuft, erfahrt ihr auf der Website des Veranstalters, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Getrieben vom eigenen Pioniergeist, sowie dem Gedanken, sich in der Sphäre zwischen Kino und Wohltätigkeit weiter zu profilieren. Schliesslich hatte Robert De Niro das New Yorker Filmfest einst als Reaktion auf die Anschläge des 11. Septembers lanciert.

Robert De Niro auf dem roten Teppich seines eigenen Festivals in Tribeca, New York.
Legende: Prominenter Initiator: Tribeca-Mitbegründer und Schauspielstar Robert De Niro. Reuters / Andrew Kelly

Nun steckt die Stadt, die niemals schläft, erneut in der Krise. Doch die Welt ist inzwischen eine ganz andere – mit völlig anderen Bedrohungen und Möglichkeiten.

Spenden erwünscht

So gab das Tribeca Film Festival die Gewinner seiner jüngsten Ausgabe auf Instagram bekannt. Der zwischen dem 29. Mai und dem 7. Juni stattfindende Online-Event «We Are One» wird ferner exklusiv auf Youtube zu sehen sein.

Und zwar komplett kostenlos, für diejenigen, die keine Kollekte entrichten möchten. Wer dagegen dem Aufruf folgt und seinen Obolus leisten will, unterstützt damit eine Auswahl lokaler Hilfsorganisationen sowie die Weltgesundheits-Organisation WHO.

Sammelsurium ohne Signatur

Tribeca-Mitbegründerin Jane Rosenthal bringt die Idee hinter dem Charity-Projekt folgendermassen auf den Punkt: «Die ganze Welt braucht jetzt Heilung. ‹We Are One: A Global Film Festival› vereint zu diesem Zweck Kuratoren, Künstler und Geschichtenerzähler.»

CEO Jane Rosenthal spricht anlässlich des Tribeca Film Festival; Robert De Niro hört im Hintergrund zu.
Legende: Machen sich fürs neue Festival stark: Tribeca-CEO Jane Rosenthal und Robert De Niro. Reuters / Chip East

Das klingt zwar etwas vage, aber recht ambitioniert und nobel. Umso mehr enttäuscht das Programm, das erst wenige Tage vor Festivalstart bekannt gegeben wurde.

Eine künstlerische Handschrift ist da beim besten Willen nicht zu erkennen. Und das Engagement der Big Player Berlin, Cannes, Locarno und Venedig hält sich in sehr engen Grenzen.

Die Grossen geizen mit Reizen

Das Locarno Festival steuert beispielsweise bloss zwei Podiumsgespräche des Vorjahres bei. Die Plauderstunde mit Trash-Ikone John Waters, sowie selbige mit Regisseur Bong Joon-ho und Schauspieler Song Kang-ho, den bekanntesten Köpfen hinter «Parasite».

Spielfilme offeriert Locarno dagegen keinen einzigen – wie die meisten anderen grossen Festivals. Relativ neu und wirklich sehenswert sind eigentlich nur die Perlen aus der diesjährigen Tribeca-Selektion.

Die Schweiz macht mit und profitiert

Der akute Mangel grosser Namen bringt aber auch Positives mit sich: Dem blutjungen Schweizer Regisseur David Oesch wird so deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteil.

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Schweizer gewinnt Preis am Tribeca Film Festival
Aus Glanz & Gloria vom 30.04.2020.
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Dessen herzhafter Kurzfilm «Cru» über eine aufopfernd kämpfende Köchin hat vor wenigen Wochen Tribecas Student Visionary Award gewonnen.

Oeschs unverhoffte Sternstunde

Nun hat sich sein Abschlussfilm der Zürcher Hochschule der Künste einen prominenten Startplatz ergattert: «Cru» läuft am Eröffnungstag, dem 29. Mai um 23:15 Uhr auf dem Youtube-Festivalkanal von «We Are One», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Regisseur David Oesch auf dem Set seines preisgekrönten Kurzfilms «Cru».
Legende: Preisgekrönter Feuerkopf: Regisseur David Oesch auf dem Set von «Cru». Zuger Filmtage / Eveline Stalder

Der 28-jährigen Thuner kann sein Glück kaum fassen: «Für mich als Filmstudent ist das Festival eine riesige Chance. So können – dank Corona – mehr Leute meinen Kurzfilm sehen, als ich mir je erträumt habe.»

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 27.5.2020, 17:10 Uhr.

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