Neu im Kino Gosling singt, Gosling tanzt und «La La Land» räumt ab

Sieben Nominierungen, sieben Preise: Regisseur Damien Chazelle widmet der goldenen Musical-Ära der 1950er-Jahre eine Hommage und überzeugt damit die Golden-Globes-Jury.

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Im Kino: «La La Land»

2:56 min, aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 19.12.2016

Die goldene Musical-Ära ist unvergessen. Dieser hat Regisseur Damien Chazelle eine Hommage gewidmet: unbeschwert, nostalgisch, bunt. «La La Land» mit Emma Stone und Ryan Gosling ist eine grosse Verbeugung vor dem romantischen Kino der 50er-Jahre.

Eine Feier des alten Hollywoods, eine Reminiszenz an Musicals wie «An American in Paris» (1951) von Vincente Minnelli oder an «Singin‘ in the Rain» (1952) von Gene Kelly. Ein nostalgischer Traum in Cinemascope und Technicolor.

Die Nostalgie ist immer da und spürbar, aber sie ist klug reflektiert und gebrochen. Die Geschichte spielt im heutigen Los Angeles, wo Träume und Realität härter aufeinanderprallen als irgendwo sonst.

Die Kamera tanzt mit

In Venedig wurde der erst 31-jährige Damien Chazelle, US-amerikanischer Filmregisseur mit französischem Vater, bereits vor vier Monaten gefeiert. Damals hatte «La La Land» die Ehre, das älteste Filmfestival der Welt zu eröffnen.

Damien Chazelle am 73. Filmfestival Venedig. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jung, aber stilsicher: Regisseur Damien Chazelle. Getty Images

Schon die erste Szene löste spontane Begeisterung und Zwischenapplaus im Kino aus: Während eines Staus auf dem Highway steigt plötzlich ein Autofahrer nach dem anderen aus seinem Wagen aus. Nicht, um sich über das Schicksal zu beschweren, sondern um in klassischer Musical-Manier zu singen und zu tanzen.

Inszeniert in einer epischen Sequenz, die ohne sichtbaren Schnitt auskommt. Und gefilmt mit einer Kamera, die das Auto-Menschen-Chaos nicht nur festhält, sondern regelrecht mitzutanzen scheint.

Hommage ans alte Hollywood

Erzählt wird im Film die Liebesgeschichte zwischen Mia und Sebastian. Mia (Emma Stone) versucht, als Schauspielerin Fuss zu fassen und verkauft unterdessen im Café eines Filmstudios Cappucino.

Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling) in einem Jazzclub. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bezaubernd: Ryan Gosling und Emma Stone. Studiocanal

Der Jazzpianist Sebastian (Ryan Gosling) träumt den «guten alten Zeiten» nach und hätte gerne einen eigenen Jazzclub.

Die erste Stunde des Films ist eine anachronistische Feier der Traumfabrik Hollywood mit seinen Musicals der 1950er- und 1960er-Jahren, in Farbe, Musik und Bildsprache. Emma Stone und Ryan Gosling machen dabei eine unerhört gute Figur – selbst beim Stepptanz hoch über der Stadt unter dem sich rosa färbendem Sternenhimmel.

Statt dem Flügel das iPhone

Damien Chazelle zelebriert seine Referenzen, ohne in Nostalgie und Zitierlust zu erstarren. Neben den amerikanischen Musicals bezieht er sich unter anderem auch auf die Filme des Franzosen Jacques Demy wie zum Beispiel «Les Parapluies de Cherbourg» (1964).

Immer wieder lässt er Traum, Musical und Realität aufeinanderprallen und bricht die Nostalgie mit witzigen Einfällen. Da singen etwa die beiden Hauptdarsteller ihr Liebesduett am Flügel – und zum Schluss bricht die Musik abrupt ab und ein iPhone klingelt in ähnlichen Tönen.

Aus Alt mach Neu

Als die Realität die beiden Verliebten einholt, weicht die Technicolor-Seligkeit, weichen die gelben, grünen, blauen, roten Farben vorübergehend einer nüchternen Ausstattung in beige, grau, schwarz.

Damien Chazelle – der bereits für den Musikerfilm «Whiplash» viel Lob einheimste – feiert das Kino mit seiner erst dritten Regiearbeit. Aber er experimentiert auch, macht Neues aus dem Alten.

Seine Darsteller Emma Stone und Ryan Gosling sind dabei so bezaubernd und grossartig, dass man sich am Ende wünscht, dieser Film wäre noch lange nicht zu Ende gegangen.

Sendung: SRF zwei, Keine 3 Minuten, 13.01.2017, 00:45 Uhr

Kinostart: 12.01.2017

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Federleicht dem Oscar entgegen

    Aus 10vor10 vom 12.1.2017

    Kein anderer Film hat an den Golden Globes so viele Preise abgeräumt wie La La Land. Die beiden Hollywood-Stars Ryan Gosling und Emma Stone, die sich schon aus früheren Produktionen kennen, mussten sich denn auch richtig ins Zeug legen: Piano spielen, singen, Stepptanz – all das wurde von ihnen verlangt.