«Guibord s'en va-t-en guerre»: Selten war Politik so lustig

Guibord ist ein unabhängiger Parlamentsabgeordneter, der eine Region in Québec vertritt. Er steckt in einer verzwickten Situation: Seine Stimme entscheidet, ob Kanada in den Krieg zieht. «Guibord s'en va-t-en guerre» ist eine tragikomische, wunderschön gefilmte Farce.

Ein Mann im Anzug und zwei Frauen. Der Mann scheint auf Wahlkampf zu sein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Schicksal Kanadas liegt in Guibords Händen. Agora Films

Ein optimistischer junger Mann aus Haiti macht eine Stage beim Parlamentsabgeordneten für den Bezirk Prescott-Makadewà-Rapides-aux-Outardes in Québec.

Der eifrige Praktikant kennt sich mit Kanadas politischer Kultur und Geschichte besser aus als sein neuer Boss, der ehemalige Hockey-Spieler Guibord. Und jeden Abend berichtet er via Skype nach Hause – nach Haiti, wo sich bald ein Guibord-Fanclub bildet.

Krieg oder nicht? Guibord muss entscheiden

Ureinwohner und Holztruck-Fahrer blockieren sich gegenseitig mit Strassensperren, die Regierungspartei braucht eine Parlamentsmehrheit, um in den Krieg zu ziehen. Und schliesslich fällt ausgerechnet Guibord die alles entscheidende Swing-Vote zu.

Trailer «Guibord s'en va-t-en guerre»

2:41 min, vom 11.8.2015

Philippe Falardeau holt aus der Geschichte rund um den viel zu aufrechten und anständigen Provinzpolitiker nicht nur ein Maximum an Komik heraus, sondern auch an Menschlichkeit. Dabei helfen die Schauspieler: Patrick Huard als Steve Guibord und die bei uns auch schon aus den Filmen von Xavier Dolan und aus Jean-Jacques Zilbermans «A là vie» bekannte Suzanne Clément als seine Frau – mit ihrem für Schweizer Ohren besonders exotischen Quebec-Französisch.

Grosse Schauspieler, wunderbar groteske Szenen

Eine Entdeckung ist auch Irdens Exantus als eifriger und belesener Praktikant Souverain aus Haiti. Sein unglaubliches Lächeln in den absurdesten Situationen lässt dem jungen Mann die Herzen zufliegen, jene der Filmfiguren und jene der Zuschauer.

Dazu kommen wunderbar groteske Situationen wie der Umstand, dass die Trucker Strassensperren errichten aus Protest gegen die Strassensperren der Indianer. Oder das Problem, dass die entscheidende regierungstreue Parlamentarierin nicht abstimmen kann, weil sie nach einer kosmetischen Brustoperation im Koma liegt – dann aber vom skrupellosen Premierminister einfach als stimmberechtigter Zombie im Rollstuhl vorgeführt wird.

Selten war Politik verständlicher, lustiger und tragikomischer als in dieser wunderschön gefilmten Farce aus Kanada.

Kinostart: 21.06.2016

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 21.07.2016, 17:15 Uhr.