Zum Inhalt springen

Header

Video
Joss Whedon: Machtmissbrauch am Set
Aus Kultur Webvideos vom 14.04.2021.
abspielen
Inhalt

Hollywood-Skandal Joss Whedon: Machtmissbrauch am Set

Während Joss Whedons neue Serie «The Nevers» anläuft, häufen sich Anschuldigungen gegen den Hollywood-Regisseur.

Starke Frauen stehen im Mittelpunkt der neuen Serie «The Nevers». Das ist das Markenzeichen von Joss Whedon, dem Schöpfer der Serie.
Von der Vampirjägerin Buffy im Fernsehen bis zu den Superheldinnen Black Widow und Wonder Woman im Kino.

Legende: Die viktorianischen Heldinnen von «The Nevers». Sky/HBO

Happige Vorwürfe

Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent stilisierte sich gerne als Feminist. Und hatte als solcher eine riesige Fangemeinde. Doch nun werfen ihm mehrere Schauspielerinnen ungebührliches Verhalten vor.

Joss Whedon ist ein Erfolgsgarant, einer mit Einfluss in Hollywood, einer, mit dem man es sich nicht verscherzen will, einer, der über Karrieren entscheiden kann. Es geht in diesem Fall darum, dass er seine Macht missbraucht haben soll.

Legende: Ray Fisher fand als Cyborg in «Justice League» Whedons Regieführung fragwürdig. Keystone/AP HBO Max

Ins Rollen brachte alles ein Mann: der Schwarze Schauspieler Ray Fisher. Der 33-Jährige spielte in «Justice League» (2017) einen Cyborg. Im Juli 2020 warf er Whedon, Co-Regisseur und Autor des Superhelden-Abenteuers, in einem Tweet vor, sich beim Dreh «grausam, beleidigend, unprofessionell und völlig inakzeptabel» verhalten zu haben.

Der Vorwurf wurden Whedon als Rassismus zur Last gelegt. Er führte dazu, dass die Produktionsfirma Warner Media eine Untersuchung einleitete.

Zwiespältiger Abgang

Legende: Joss Whedon leitet die Produktion der Serie «The Nevers» nicht länger. Keystone/Matt Sayles

Im November 2020 zog sich Joss Whedon von der Serie «The Nevers» zurück. Er begründete den Schritt so: «Die physische Herausforderung, während einer Pandemie eine so grosse Produktion zu leiten, ist mehr als ich zu meistern vermag, ohne dass die Arbeit darunter leidet.».

Im Dezember 2020 schloss Warner Media die Untersuchung gegen Whedon ab und liess schwammig verlauten, «Abhilfemassnahmen» seien vorgesehen.

Entlastende Stimmen

Die Untersuchungsleiterin und Ex- Richterin Katherine Forrest erklärte jedoch, man habe die Rassismus-Vorwürfe gegen Whedon nicht belegen können.

Legende: Die Hauptdarstellerinnen Laura Donnelly (links) und Ann Skelly in «The Nevers». Sky/HBO

Auch die Hauptdarstellerinnen von «The Nevers» stärken Whedons Rücken. «Ich liebte es, mit Joss zu arbeiten», meinte etwa Ann Skelly. «Ich finde, er war ein netter Boss und Regisseur.»

«Buffy»-Mitarbeiterinnen klagen an

Doch Joss Whedons Geschichte war noch nicht zu Ende. Ermutigt durch Fishers Äusserungen bezichtigten verschiedene Cast- und Crew-Mitglieder von «Buffy» Whedon des Machtmissbrauchs.

Legende: Von links: Sarah Michelle Gellar, Charisma Carpenter und Alyson Hannigan in «Buffy». Imago/Century Fox TV/Ronald Grant Archive/Mary Evan

Charisma Carpenter, die in «Buffy» und der Spin-Off-Serie «Angel» (1999 – 2004) Cordelia Chase spielte, twitterte, Whedon habe sie vor allen anderen als «fett» bezeichnet, als sie im vierten Monat schwanger gewesen war. Zudem habe Whedon ihre Rolle daraufhin aus der Serie getilgt.

Buffy-Darstellerin Sarah Michelle Gellar unterstützte sie: «Ich stehe zu allen, die Missbrauch durchstanden, und bin stolz auf sie, dass sie sich wehren.»

Auch Wonder Woman wehrt sich

Legende: Gal Gadot in «Justice League»: «Ich hatte meine Probleme mit Whedon.» Imago/Warner Bros/Courtesy Everett Collection

Im April 2021 folgte ein Bericht, in dem behauptet wurde, Whedon habe Wonder-Woman-Darstellerin Gal Gadot gedroht, ihrer Karriere zu schaden, wenn sie nicht die Textzeilen sprechen würde, die er für Nachdrehs von «Justice League» geschrieben hatte.

Gadot selbst schrieb später: «Ich hatte meine Probleme mit ihm, und Warner Brothers hat sie rechtzeitig gelöst.»

Tiefer Fall

Joss Whedon befindet sich in einer Abwärtsspirale. Sein Abgang bei «The Nevers» nach der sechsten Folge führte sicher auch dazu, dass sich die Produktion der Folgen 7 bis 12 verzögert.

«The Nevers»: die Kritik

Box aufklappen Box zuklappen
Legende: Sky/HBO

London, 1899. Hunderte von Frauen entwickelten vor drei Jahren rätselhafte übermenschliche Fähigkeiten. Sie werden als «The Touched» bezeichnet, die Berührten. Die Männer der Oberschicht fühlen sich von ihnen in ihrer Macht bedroht. Und wollen die Frauen loswerden.

Der Mix aus Action, Mystery, viktorianischem Krimi und Superheldinnen-Abenteuer macht grossen Spass und überzeugt mit toller Ausstattung und überraschenden Twists. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Offiziell wurden die Pandemie und eine aufwendige Postproduktion als die Gründe dafür angegeben, dass die zweite Hälfte erst zu einem späteren Zeitpunkt lanciert wird. Wie auch immer: ideal ist das nicht.

«The Nevers» kann ab sofort auf Sky Show gestreamt werden.

Radio SRF 3, 14.04.2021, 15:40 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marion Schwaar  (Yano)
    Regisseure halten bis heute viel Macht in den Händen und entscheiden über Karrieren. Und wie es scheint kann dies jeder tun, auch wenn er sich keinen professionellen und respektvollen Umgang mit seinen Mitarbeitern angeeignet hat. Hier sind die Abhängigkeiten riesig und die Filmbranche scheint mit den Umgangsformen der Regisseure noch im finsteren Mittelalter zu stecken.
  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Ich kanns langsam nicht mehr hören, wie tief soll die Schmerzgrenze noch abgesenkt werden? Dieser moralische und ideologische Purismus ist einfach nur noch absurd. Da wird ein Produzent, der die grössten, erfolgreichsten und lukrativsten Frauen-Filme ermöglicht hat, von einem typ xy beschuldigt, mal unfreundlich gewesen zu sein. Und natürlich ist automatisch Rassimus im Spiel, wenn jemand unfreundlich ist zu einem schwarzen Schauspieler ist, ohne die Umstände zu erläutern. Woke Schildbürger.