Holzhausen entlarvt das Museum in einem bissigen Dok-Film

Ein Film voller Situationskomik: Regisseur Johannes Holzhausen blickt hinter die Kulissen des ehrwürdigen Wiener Kunsthistorischen Museums. Entstanden ist ein augenzwinkerndes und auch bissiges Porträt unserer Nachbarn. Diese leben zwar in einer Republik, benehmen sich aber gerne noch kaiserlich.

Ein Mann schaut eine kleine Skukptur an, die fechtende Frösche darstellt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schätze des Kunsthistorische Museum Wien überraschen bisweilen: Fechtende Frösche. Stadtkino Filmverleih

Das Kunsthistorische Museum Wien: Ein ruhiger, fast sakraler Ort. Aber auch ein imperialistischer Ort: unbewegliche Objekte, ausgestellt in artifizieller Umgebung. Als Betrachter erstarrt man fast.

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Der Regisseur

Porträt von Johannes Holzhausen

R. Newald

Johannes Holzhausen wurde 1960 in Salzburg geboren. Für «Das grosse Museum» hat er den Caligari Film Award gewonnen.

Der Dokumentarfilmer Johannes Holzhausen erstarrt nicht. Er filmt, und zwar ganz unheilige Dinge. Da sieht man etwa einen wunderschönen, grossen und leeren Saal. Und dann geht ein Mann in die Mitte des Saales, stellt sich hin und schlägt mit einer Spitzhacke das alte und schöne Parkett kaputt. Mit voller Absicht: Das kunsthistorische Museum Wien wird umfassend renoviert. Der Filmemacher Johannes Holzhausen ist mit seiner Kamera dabei.

Kamera draufhalten, nichts kommentieren

Er filmt, wie Bilder abgehängt werden, Säle leergeräumt, Vitrinen geputzt und verschoben werden. Er filmt, wie Kaiserin Sissis Eisbärenfell geputzt wird, wie Motten in Kästchen gezählt werden und wie ein Restaurator ob der Reparatur einer Spieldose in Schiffsform verzweifelt. Er filmt Verwaltungssitzungen, Kaffeepausen, Staatsbesuche, Expertengespräche.

Johannes Holzhausen filmt immer wieder Institutionen. Er fühle sich, so der Filmemacher, dem Kino von Frederick Wiseman verpflichtet, dem Pionier des «direct cinema»: Kamera hinhalten, nichts kommentieren, nichts inszenieren. Trotzdem, und auch das räumt der Regisseur ein, ist sein Film natürlich keine reine Dokumentation eines Umbaus. Es ist ein ganz ureigener Film Holzhausens.

Präsentiert sich das Museum wie Zahnpasta-Werbung?

In Schnitt und Wahl der Szenen wird der Film manchmal zur Komödie, manchmal zur Realsatire, lässt das Publikum mehr als einmal laut herauslachen. Wenn etwa der Verwaltungsdirektor bei einer Inserate-Präsentation bemerkt, die Zahl Drei schaue ihm zu «bissig» aus. Oder wenn der abtretende Direktor der Waffenkammer einen Prospekt über das neue Erscheinungsbild des Museums vorliest und dann bemerkt, das könne sehr wohl auch für Zahnpasta gelten.

Sein Film, so erzählt Johannes Holzhausen, sei durchaus auch ein wenig eine Rache an dem Museum. Während seines Studiums der Kunstgeschichte sei er beim Betrachten der Bilder immer nur sehr müde geworden.

Eine Allegorie von Österreich

Das passiert dem Filmpublikum nicht. Auch dann nicht, wenn Holzhausen liebevoll und in Nahaufnahme eines dieser Bilder abfilmt, bei dem er früher müde geworden ist: Es ist der «Turmbau zu Babel» von Pieter Bruegel. Dem Bild kommt in diesem Durcheinander der unterschiedlichsten Interessensgruppen und Aufgabenbereiche im Museum natürlich eine allegorische Bedeutung zu.

«Das grosse Museum» von Johannes Holzhausen ist ein unglaublich reicher, feiner und witziger Film über eine Institution, über das Sammeln, Bewahren, Verwalten von Kunst und Kultur. Aber er ist auch mehr. Holzhausen sagt, dass er mit dem «Grossen Museum» natürlich nicht nur die Institution meine. Sondern auch sein Land, das zwar eine Republik ist, sich immer aber gerne noch einen imperialistischen Anstrich gebe.

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