«Ich heisse Samba, wie der Tanz.»

Die Macher der Sozialkomödie «Intouchables» haben einen würdigen Nachfolger auf die Leinwand gebracht. «Samba» thematisiert humorvoll das Schicksal illegaler Einwanderer. Ungewöhnlicher Komödienstoff. Aber ein wichtiges Thema, das zur richtigen Zeit kommt.

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Keine 3 Minuten: «Samba»

2:40 min, vom 25.2.2015

Geschichten über illegale Einwanderer sorgen meistens nur für Negativschlagzeilen. Wenn über die Missstände berichtet wird, hören wir oft nicht mehr hin. Deshalb wird es Zeit, dass wir hinsehen. Am besten mit einem Film. Noch besser mit einer Komödie. So müssen sich das die Macher vom Überraschungserfolg «Intouchables» gedacht haben. Ihr neuer Film «Samba» dreht sich um das Leben illegaler Einwanderer in Frankreich. Ungewöhnlicher Komödienstoff. Aber typisch für das Regie-Duo Olivier Nakache und Eric Toledano.

Samba (Omar Sy) lebt seit zehn Jahren illegal in Paris. Mit gefälschten Identitäten hangelt sich der Senegalese von einem schäbigen Job zum nächsten. Die Angst ausgewiesen zu werden, macht ihn paranoid. Trotzdem hat er seine Lebensfreude nicht verloren. Auf der anderen Seite ist da die Burnout geschädigte Managerin Alice (Charlotte Gainsbourg). Als Therapieform engagiert sie sich ehrenamtlich als Sozialarbeiterin. Die introvertierte Alice fühlt sich sofort von Sambas Lebensenergie angezogen. Sie will ihm zu Papieren verhelfen. Stattdessen verhilft Samba ihr wieder zum Lachen.

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      Bildlegende: Charlotte Gainsbourg mit Omar Sy Frenetic

      Das stärkste Zitat

      Auf der Flucht vor der Polizei hat Samba seine Schuhe verloren. Als Alice ihn aus seinem Versteck abholt, bringt sie ihm neue mit. «Was ist das?» «Das sind die einzigen Schuhe in deiner Grösse, die ich bei mir gefunden habe. Sie gehörten meinem Ex.» «Ein Ex mit solchen Weicheier-Schlappen war bestimmt keine grosse Hilfe bei einem Burnout.»

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      Bildlegende: Omar Sy, der Star aus «Intouchables» Frenetic

      Der Schauspieler

      Omar Sy, besitzt wie Samba senegalesische Wurzeln, doch ist er in Frankreich geboren. Er wuchs in der Pariser Banlieu auf und begann seine Unterhaltungs-Karriere mit Telefonscherzen beim Radio. Nach der erfolgreichen Radiosendung mit seinem Comedy-Partner Fred Testot, folgte die erste Fernsehsendung. Als ihn das Regie-Duo Olivier Nakache und Eric Toledano entdeckte, bekam er seine ersten Kinorollen. Ohne je eine Schauspielschule von innen gesehen zu haben. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit «Intouchables». Der Film wurde 2012 zum internationalen Kinohit und spielte weltweit fast 430 Millionen Dollar ein.

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      Bildlegende: Seit 10 Jahren in Paris und jetzt in der Abschiebehaft. Samba erzählt den Sozialarbeiterinnen seine Geschichte. Frenetic

      Fakten, die man wissen sollte

      Das Thema von «Samba» könnte nicht dringlicher sein. Letztes Jahr ist die Zahl illegaler Einwanderer in der EU um 138 Prozent gestiegen. Das entspricht einer Zahl von rund 276'000 Menschen, sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos im Januar bei einer Parlamentsdebatte in Strassburg. Insbesondere die Konflikte im Nahen Osten, wie die Bürgerkriege in Syrien oder Libanon, haben zur Folge, dass die Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Oft nehmen sie eine lebensgefährliche Reise auf sich. Doch wie im Film endet der Traum von einem menschenwürdigen Leben oft in der Abschiebehaft.

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      Bildlegende: Samba und sein Kumpel, der möchtegern Brasilianer Wilson. Frenetic

      Das Urteil

      «Ich heisse Samba, wie der Tanz.» So stellt sich der Senegalese gerne vor. Er ist kein Kind von Traurigkeit. Genauso wenig will das der Film sein. «Samba» zeigt die absurden Seiten unserer Gesellschaft auf humorvolle Weise und stellt die Frage, wer besser dran ist: Das Burnout-Opfer der Leistungsdruck-Gesellschaft, abgesichert aber depressiv. Oder der illegale Migrant, arm und rechtlos aber reich an Lebensfreude. Es ist ein Spiel mit den Klischees, ohne zu verallgemeinern. «Samba» steht ganz klar im Schatten seines Vorgängers «Intouchables». An dessen Erfolg wird er kaum herankommen können. Trotzdem ist es ein unterhaltsamer Film über wichtige Probleme unserer Zeit. Betroffenheit und das Gefühl der Lebensfreude liegen nah beieinander.