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Anna – das fiktive Verdingkind auf Instagram
Aus Morgengast vom 06.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:57 Minuten.
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Insta-Serie «Vergiss mich nie» «Die junge Generation muss an die Verdingkinder erinnert werden»

Bis vor 50 Jahren wurden in der Schweiz tausende Kinder ihren Familien entrissen und in ein anderes Umfeld versetzt. Oft wurden die Kinder als günstige Arbeitskräfte missbraucht. Die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der jüngeren Schweizer Geschichte hält an. Verdingkinder gibt es heute in der Schweiz immerhin nicht mehr - bis auf eines: Auf Instagram berichtet die fiktive Anna aus ihrem schwierigen Alltag als Verdingkind.

Der Instagram-Kanal «Vergiss mich nie» ist ein Projekt der Studentinnen Yvonne Haberstroh und Elena Clavadetscher. Annas Geschichte besteht aus Ereignissen, die sich tatsächlich zugetragen haben, erzählt Elena Clavadetscher. Die Geschichte stehe sinnbildlich für all die Kinder, die von diesem Unglück betroffen waren.

Elena Clavadetscher

Elena Clavadetscher

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Elena Clavadetscher ist 24 Jahre alt und kommt aus St. Gallen. Sie ist Studentin an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Gemeinsam mit Yvonne Haberstroh hat sie das Projekt «Vergiss mich nie» gestartet – eine fiktive Geschichte von Verdingkind Anna, die über Instagram ihren Alltag teilt.

 SRF: Wie ist das fiktive Verdingkind Anna entstanden?

Elena Clavadetscher: Vor zwei Jahren haben Yvonne Haberstroh und ich an der ZHdK ein Projekt zum Thema Pflegekinder gemacht. Während der Recherche sind wir auf das Thema Verdingkinder gestossen.

Weshalb habt ihr entschieden, die Geschichte auf Instagram zu erzählen?

Wir wollten eine junge Zielgruppe ansprechen - die Generation, die auf Instagram unterwegs ist. Diese Generation ist nicht mehr direkt betroffen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man sie erinnert, was alles geschehen ist. Die Idee der Instagram-Serie ist, dass man durch Echtzeit-Posts sehr nah an den Zuschauerinnen und Zuschauern ist.

Wie erreicht ihr die, die nicht auf Instagram sind – also zum Beispiel ältere Menschen?

Unsere Hauptplattform ist Instagram. Aber wir sind dran, einen YouTube-Kanal aufzubauen. Dort wird man im Nachhinein das Ganze am Stück schauen können. So werden auch Personen, die nicht auf Instagram sind, nicht ausgeschlossen.

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Heim- und Verdingkinder – Die Aufarbeitung eines grossen Unrechts
Aus DOK vom 01.10.2020.
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Anna hat diese Woche die ersten Geschichten von sich über Instagram erzählt. Wie waren die ersten Reaktionen?

Sehr positiv. Wir staunten, wie die Leute mit dem Schicksal von Anna mitfiebern. Es haben sich auch Leute gemeldet, die Betroffene im eigenen Umfeld haben. Alle Rückmeldung war sehr positiv.

Soziale Medien leben von Reaktion. Gibt es bei euch auch Raum für Spontanes?

Ja, es gibt Raum für Spontanes. Aber wenn man zum Beispiel als Zuschauer Anna helfen möchte, geht das natürlich nicht – da schlussendlich alles Geschichte ist und in der Vergangenheit liegt.

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Aus dem Archiv: Ehemalige Verdingkinder erzählen
27:01 min, aus Kontext vom 03.11.2011.
abspielen. Laufzeit 27:01 Minuten.

Noch bis Ende Mai erzählt Anna ihre Geschichte über den Instagram-Kanal. Habt ihr da schon alles durchgeplant?

Das ist mehr oder weniger durchgeplant. Wenn Anna um halb fünf morgens aufsteht, muss natürlich auch um diese Uhrzeit gepostet werden.

Das Gespräch führte Michael Brunner.

Weitere historische Instagram-Serien

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  • «Eva Stories»: 2019 hat ein israelischer Regisseur das Tagebuch des Mädchens Eva Heymann, das 1944 in Auschwitz ermordet wurde, als Instagram-Serie verfilmt. Die letzten Monate im Leben des jüdischen Mädchens werden chronologisch erzählt.
  • «Ich bin Sophie Scholl»: Das Instagram-Projekt von SWR und BR erzählt seit einigen Tagen die Geschichte von Sophie Scholl. Über die Instagram-Serie können die letzten Monate der Widerstandskämpferin quasi in Echtzeit mitverfolgt werden.

Radio SRF 1, Morgengast, 6.5.2021, 7:17 Uhr. ;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Die Sache mit den Verdingkindern ist aus heutiger Sicht in vielen Fällen eine absolute Schweinerei gewesen. Heute haben wir die KESB, aber wenn man (zumindest in Einzelfällen) deren Gebaren verfolgt, muss man oft auch an der Intelligenz dieser Einrichtung zweifeln. Jüngstes Beispiel: Vier Kinder fremdplaziert mit Kosten von 600'000 Franken pro Jahr. Bestimmt humaner als früher aber nicht unbedingt gescheiter.
  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    Das ganze Erinnern macht die Vergangenheit auch nicht wieder gut. Warum sich heute nicht den Missständen von heute widmen und an diesen arbeiten, diese korrigieren?
  • Kommentar von Marcel Niedermaier  (MN)
    Die Vergangenheit können wir nicht ändern, abr die Zukunft können wir gestalten und da gibt es andere Probleme als was vor 50 Jahren geschah.