Zum Inhalt springen
Inhalt

Jahresrückblick Wenig Sonne und ein «Wolkenbruch»: der Schweizer Spielfilm 2018

Michael Steiners Kassenhit war einer von wenigen kommerziellen Lichtblicken in einem durchzogenen helvetischen Kinojahr.

Joel Basman mit geschlossenen Augen auf dem Poster von «Wolkenbruch».
Legende: Die Komödie «Wolkenbruch» sorgte für einen wahren Geldregen. DCM

Langsam wird’s für die Kinos ungemütlich. Immer mehr Menschen verlassen die Lichtspielhäuser und schauen sich Filme lieber zuhause oder unterwegs auf dem Smartphone an. In der Schweiz verzeichneten die Kinobetreiber 10,5 Prozent weniger Zuschauer als im dem letzten Jahr.

Betrachtet man ganz Europa, sind die Zahlen gar noch einen Tick schlechter. Ivo Kummer, Leiter der Sektion Film im Bundesamt für Kultur, bereitet dieser Trend zunehmend Sorge.

«Allgemein hatte es in diesem Jahr das Kino – rein von den Eintritten gesehen – sehr, sehr schwer. Es ist ein Rückgang im zweistelligen Bereich. Man spricht von 15 bis 20 Prozent weniger Eintritten in den Kinos.»

Stabiler Maktanteil

Aus Schweizer Sicht lief’s zum Glück nicht ganz so übel. Dank Michael Steiners Culture-Clash-Komödie «Wolkenbruch», die reichlich Geld in die Kinokassen spülte. Knapp eine Viertelmillion Zuschauer haben die Romanadaption bisher bereits gesehen.

Regisseur Michael Steiner mit seinem Hauptdarsteller Joel Basman auf dem Filmset.
Legende: Hat mit «Wolkenbruch» den Draht zum Publikum wiedergefunden: Regisseur Michael Steiner. DCM

Ivo Kummer konstatiert in diesem Zusammenhang zufrieden: «Der Schweizer Film hält sich recht stabil. Mit den internationalen minoritären Koproduktionen sind es rund 8 Prozent Marktanteil. Reine Schweizer Filme kommen auf etwa 6,7. Von da her sind wir in einem durchschnittlichen Jahr. Es ist nicht die grosse Krise. Es ist aber auch nicht die grosse Euphorie.»

Familienfilme stehlen Festivalhits die Show

Neben «Wolkenbruch» schafften es zwei Kinder- oder Familienfilme der Luzerner Produktionsfirma Zodiac aufs Podest: Silber ging an «Die kleine Hexe» (125'000 Zuschauer), Bronze an «Papa Moll» (knapp 68'000 verkaufte Tickets im Jahr 2018).

Die kleine Hexe posiert vor ihrer Hütte.
Legende: Kleine Hexe, grosser Effekt: «Die chli Häx», inszeniert vom Schweizer Michael Schärer. Disney

Ivo Kummer freut, dass solche internationale Koproduktionen immer häufiger auf Schweizer Initiative entstehen: «Lange Zeit fehlten solche Filme. Zodiac Pictures hat sich in dieser Nische inzwischen wirklich einen Namen gemacht.»

Düstere Festivalhits wie Simon Jaquemets «Der Unschuldige», der im fernen Toronto Premiere feiern durfte, fielen beim Publikum dagegen durch. Nicht einmal 2200 Zuschauer liessen sich hierzulande auf das teuflisch packende Arthouse-Drama ein.

Ungewisse Zukunft

Ivo Kummer bedauert es, dass einheimische Spielfilme mit hohem künstlerischen Anspruch derzeit kaum gefragt sind. Wirklich erklären kann oder will er diesen Umstand aber nicht:

«Es ist eigentlich erstaunlich, dass Filme, die eine grosse internationale Festivalkarriere hinter sich haben, im Kino meist nicht gut besucht sind. Hingegen diejenigen, die im Kino gut laufen, kaum eine grosse internationale Festivalkarriere machen werden.»

Bildausschnitt aus dem Poster von «Der Unschuldige»: Eine Frau blickt im Profil sorgenvoll nach rechts.
Legende: Das Poster von «Der Unschuldige» als Symbol für unseren besorgten Blick in die Zukunft. Ascot Elite

Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Klammert man Hollywoods Event-Movies aus, wird das Kino im Streaming-Zeitalter weiter an Boden verlieren. Bleibt zu hoffen, dass der Schweizer Spielfilm künftig auch abseits der grossen Leinwand seine Zuschauer findet.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Heinz Gerber (rosenzeit)
    Ob und wie die Filmförderung funktioniert ist zu mindest fraglich. Viele der oben erwähnten Projekte wurde mit gegen 1 Mio. Franken subventioniert. Ich drehe Kurzfilme im Lowbudgetbereich und möchte dabei junge Kameracrews fördern. Meine Anfragen um Mitfinanzierung mit CHF 20'000.-- wurden wohl übersehen. ich habe bisher keinen Rappen an Projekte erhalten. Dies obschon einer der Filme auf Youtube bisher über 380'000 Zuschauer hatte. Vermutlich war ich zu bescheiden..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten