James McAvoy glänzt als Drecksau

James McAvoy, der nette Schotte von nebenan, schlägt in «Filth» («Drecksau») zu wie noch nie: Er säuft, er kokst, er treibts mit den Frauen seiner Freunde, er bescheisst. Er ist einfach zum Kotzen - und spielt diesen üblen Charakter umwerfend genial.

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Filmkritik zu «Filth»

3:55 min, vom 17.10.2013

Schon lange hat sich keiner mehr erfolgreich an eine Geschichte des Kult-Autors Irvine Welsh gewagt. «Trainspotting» ist und bleibt ungeschlagen. Das ändert auch die neuste Welsh-Verfilmung «Filth» (deutscher Titel: «Drecksau») nicht. Doch glänzen, das tut der Streifen, trotz seines Titels: Er glänzt durch seine geniale Besetzung. Diese Ansammlung von britischem Schauspieltalent macht einige Schwächen im Film vergessen. Ein Kränzchen winden muss man vor allem dem Hauptdarsteller James McAvoy.

James McAvoy und Anne-Marie Duff Porträt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: James McAvoy mit seiner Frau, der Schauspielerin Anne-Marie Duff. Keystone

Privat ein Normalo

McAvoy stürzt sich in die Rolle des korrupten Polizisten mit Gusto, mit einer Intensität sondergleichen. Wer den Schauspieler kennt und liebt, der erkennt ihn hier kaum wieder. Doch lieben, das tut man ihn weiterhin, wenn nicht noch mehr. Für diesen Film kriegt er ein Sternchen ins Schauspiel-Heft. Diese Rolle macht ihn zu einem der ganz Grossen. Sie wird ihn definieren und ihm (hoffentlich) noch einige tolle Filmangebote einbringen.

Dabei ist der Privatmann James McAvoy ein totaler Normalbürger. Das meint er jedenfalls über sich selbst. Er lebt mit seiner Frau Anne-Marie Duff – auch sie eine begnadete Mimin – und ihrem gemeinsamen Söhnchen in «bescheidenen Verhältnissen» (McAvoys eigene Worte) und liebt das ruhige Leben. Man gönnt’s der kleinen Familie.

Vom netten Faun zum selbstzerstörerischen Bullen

McAvoys bisherige Filmkarriere kann sich sehen lassen: Viele mögen sich noch an seine Rolle als süsser Faun Mr. Tumnus im ersten «Narnia»-Film (2005) erinnern. Oder an den schusseligen Schotten, der sich in «The Last King of Scotland» (2006) in den Fäden von Diktator Idi Amin verstrickt. Doch den meisten Kinogängern ist McAvoy wohl erst seit 2011 als junger, gewiefter Xavier aus «X-Men: First Class» ein Begriff.

James McAvoy zielt mit einer Pistole. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In «Wanted» mimt James McAvoy einen Killer. Universal

Die Rollenpalette des erst 34-Jährigen ist bunt: Der Schotte kann’s nämlich auch romantisch: an der Seite von Keira Knightley ist McAvoy in «Atonement» (2007) der «leidende Liebende» schlechthin. Nur ein Jahr später spielt er in «Wanted» (2008) einen schmächtigen, nerdigen Loser, der mit Hilfe einer toughen Angelina Jolie zum Superkiller wird.

Dass McAvoy überraschen und verblüffen kann, das hat er nun wirklich schon ein paar Mal bewiesen. Nun tut er’s wieder - und er tut es noch besser - in «Filth».

McAvoy - das Überraschungsei

Und wie sieht es für die Zukunft aus? Das Blockbuster-Publikum wird’s freuen: James McAvoy wird uns nächstes Jahr wieder als junger Xavier beglücken in «X-Men: Days of Future Past». Und so wie es aussieht, steht McAvoy neben «Harry-Potter»-Darsteller Daniel Radcliffe gerade vor der Kamera, als Victor von Frankenstein in der Komödie «Frankenstein».

Ob dreckig oder romantisch, schusselig oder heldenhaft – wenn James McAvoy drauf steht, ist meist eine tolle Überraschung drin.