Janis Joplin: Die sich den Schmerz von der Seele schrie

Neben Jimi Hendrix oder Jim Morrison ist Janis Joplin eine der Symbolfiguren der Hippie-Zeit. Kein Wunder, ist ihre Geschichte schon mehr als einmal filmisch erzählt worden. Der neue Dokumentarfilm von Amy Berg sticht trotzdem heraus.

Eine Frau in Hippie-Pelz raucht eine Zigarette, im Hintergrund stehen dunkel entlaubte Bäume. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie eine Kerze, die an beiden Enden brannte: Janis Joplin starb mit nur 27 Jahren an einer Überdosis Heroin. Xenix Filmdistribution

Ihre Eltern waren keineswegs böse. Sie waren einfach angepasste amerikanische Bürger der 1950er-Jahre. Südstaatler, die mit der ältesten Tochter und ihren freiheitlichen Ideen nicht viel anzufangen wussten. Der rasante Erfolg von Janis Joplin als Hippie-Ikone entfremdet sie von ihren Eltern. Immer wieder aber versucht Joplin die Annäherung in Briefen.

Trailer: «Janis: Little Girl Blue»

0:43 min, vom 13.1.2016

Geglückte Mischung

Und diese Briefe machen den Unterschied. Die Regisseurin Amy Berg streut sie geschickt zwischen die Konzertmitschnitte und die unzähligen Interviews mit Janis Joplin und ihren Weggefährten ein.

So stehen die verschiedenen Seiten von Janis Joplin für sich selbst, ganz ohne dramatische Erzählstimme aus dem Off. Und wir erleben auf der Bühne und in den Interviews die Rockgöre, die laute, egomanische Janis Joplin, die ständig um Aufmerksamkeit buhlt. Wir sehen aber auch die verletzliche, empathische Janis Joplin, die es einfach nur gut machen will. Und sich beweisen will: ihren Eltern, und der ganzen Welt.

Anfänge in Austin

Als Teenager entwickelt sich Janis Joplin so gar nicht in die Richtung der schönen Cheerleader-Vorbilder. Dafür entdeckt sie die Musik. Von Bob Dylan, oder von der schwarzen Blues-Ikone Bessie Smith. Und sie entdeckt ihre eigene intensive Stimme.

Sie beginnt mit lokalen Musikern in Austin, Texas aufzutreten und wird bald angefragt als Sängerin für die Band «Big Brother and the Holding Company». So schwerfällig der Band-Name sein mag: Mit ihrer Energie führt Janis Joplin die Band auf ein neues Level.

Heroin und andere Drogen

Am Monterey-Festival 1967 beginnt für viele der «Summer of Love», und Janis Joplin singt gleich zwei Konzerte – eines extra für den Filmemacher D. A. Pennebaker, der ihr Star-Potential sofort erkennt und ihr Bild in die Welt trägt.

Der Aufstieg von Janis Joplin ist rasant, zum Alkohol kommen bald Heroin und andere Drogen. Dass sie daran kaputt geht, ist keine Überraschung. Aber dass sie ihre Geschichte ungefiltert heraussingt, macht die Kraft dieser Musik aus. Und dass uns Amy Berg so differenziert an dieser Geschichte teilhaben lässt, die Kraft dieses Films.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 13.1.2016, 17:45 Uhr