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Die Götter von Molenbeek
Aus Sternstunde Religion vom 14.06.2020.
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Jetzt im Stream In «Götter von Molenbeek» stellen die Kinder die grossen Fragen

Im faszinierenden Dokumentarfilm «Götter von Molenbeek» philosophieren kleine Kinder über die ganz grossen Fragen.

«Weisst du, wer der Sohn Gottes ist?» fragt der sechsjährige Aatos seinen Freund Amine, der Moslem ist. Dieser antwortet: «Das ist Jesus, aber das stimmt nicht.» Aatos: «Doch. Er existiert.»

Amine: «Ich sage, er ist es nicht. Er ist nicht Gottes Sohn, er ist ein Prophet.» Aatos: «Ich kenne die Kinder Gottes.»

Amine: «Nein. Denn die Araber wissen alles besser. Die Araber kennen die wahre Geschichte.» Aatos: «Warum?» Amine: «Ich weiss es nicht.»

zwei jungs sitzen im gras
Legende: Aatos (links) und Amine sind beide 6 Jahre alt und beste Freunde. Zone2 Pictures
Zwei Jungs.
Legende: Amine (links) und Aatos wohnen im Brüsseler Quartier Molenbeek. Zone2 Pictures

Aatos Eltern sind nicht religiös. Seine Mutter ist Finnin, sein Vater Chilene. Ein Stockwerk unter Aatos lebt Amine. In seiner Familie spielt Religion eine wichtige Rolle. Regelmässig betet er mit seinem Vater zu Hause und in der Moschee.

Molenbeek in Brüssel – Zentrum des Dschihadismus?

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Der Brüsseler Stadtteil Molenbeek-Saint-Jean erlangte als Zentrum des Dschihadismus traurige Berühmtheit. Schlagzeilen machte Molenbeek vor allem im Zusammenhang mit den Pariser Terroranschlägen 2015. Einer der mutmasslichen Haupttäter wurde in diesem Quartier verhaftet – vier Tage vor dem Terrorangriff in Brüssel.

Kinder kennen keine Vorurteile

Der Film zeigt, wie selbstverständlich die Kinder über fundamentale Fragen debattieren. Obwohl sie oft nicht dieselbe Meinung teilen, respektieren sie die Sicht des anderen.

Regisseurin Reetta Huhtanen erzählt im Interview, dass ihre Schwester sie auf die Idee brachte, den Dokfilm zu drehen: Ihre Schwester ist die Mutter von Aatos.

Sie erzählte der Regisseurin, dass der Kleine eines Tages nach der Schule weinend nach Hause kam. Der Grund: Flo, seine Freundin aus der Schule, habe gesagt, dass es keinen Gott gäbe.

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5 Fragen an Reetta Huhtanen
Aus Kultur Webvideos vom 10.04.2019.
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Die finnische Regisseurin reiste daraufhin nach Brüssel. Sie begleitete Aatos und seine Freunde sechs Monate lang mit der Kamera. Es ist erstaunlich, wie natürlich die Kinder über Gott sprechen – und damit verbunden auch über philosophisch-religiöse Themen wie das Leben nach dem Tod.

Regisseurin Reetta Huhtanen beteuert, dass keiner dieser Dialoge inszeniert ist. «Die Kinder sprechen natürlich nicht die ganze Zeit über solche Themen. Aber ich habe ihnen nicht gesagt, sie sollen jetzt über dies oder jenes sprechen.»

Terroranschlag Brüssel

Während den Dreharbeiten kam es 2016 in Brüssel zu zwei religiös motivierten Terroranschlägen, zu denen sich der sogenannte Islamische Staat bekannte.

Der Dokumentarfilm thematisiert diese Attentate – ohne die Bilder des Schreckens zu zeigen. Während aus dem Radio die Nachricht des Anschlags zu hören ist, sieht man Aatos spielen. «Die Idee war es, alles aus der Perspektive der Kinder zu zeigen», erklärt Reetta Huhtanen.

«Wenn irgendwas um sie herum passierte, haben wir die Kamera fix auf die Kinder gehalten und absichtlich nicht gezeigt, was sie sehen. Wir wollten die Reaktion der Kinder einfangen.»

zwei Knaben am Boden
Legende: Im Leben von Amine (vorne) spielt Religion eine wichtige Rolle. Aatos würde auch gerne an einen Gott glauben. Zone2 Pictures

Erwachsene können etwas lernen

«Götter von Molenbeek» ist ein gelungener Dokumentarfilm über kindliche Neugier, Toleranz und die Suche nach einem Gott. Keine Angst vor fremden Kulturen und ein respektvoller Umgang mit Andersdenkenden. Von dieser Offenheit können sich die Erwachsenen eine Scheibe abschneiden.

SRF 1, Sternstunde Religion, 14.6.2020, 10 Uhr

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