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«Wilder» auf Berndeutsch im Berner Jura – warum?
Aus Kultur-Aktualität vom 15.01.2020.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 15 Sekunden.
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Kritik an «Wilder» Warum spricht man im «Wilder»-Dorf Thallingen Berndeutsch?

Die SRF-Krimiserie «Wilder» spielt im französischsprachigen Jura. Dennoch wird darin Berndeutsch gesprochen. SRF-Sprachexperte André Perler erklärt die Hintergründe.

«Wilder» ist mit der zweiten Staffel zurück. Und sorgt für sprachliche Verwirrung. Die Berner Kriminalkommissarin Rosa Wilder ermittelt im Gebiet des fiktiven Dorfs Thallingen/Thallion. Ein zweisprachiges Dorf im Berner Jura? Das gibt es doch gar nicht! Im Berner Jura wird nämlich französisch gesprochen.

Kritik an SRF

In den letzten Tagen wurde Kritik an der Umsetzung von «Wilder» laut, etwa vom Bieler Peter Rothenbühler. In der Schweizer Illustrierten schrieb er, dass man sich im Jura jahrhundertelang gegen die Germanisierung gewehrt habe und SRF jetzt aus dem Berner Jura eine Berner Dialektprovinz mache. Dies, indem in der Serie «Wilder» ein zweisprachiges Dorf mitten in das französische Sprachgebiet gepflanzt werde.

Ein Auto auf einer Strasse. Daneben ein Ortsschild: "Thallingen/Thallingue"
Legende: Rosa Wilder ermittelt in der 2. Staffel im Gebiet des fiktiven Dorfs Thallingen/Thallion. SRF

Und damit nicht genug. Zweisprachig ist in Thallingen/Thallion nur das Ortsschild. Gesprochen wird im fiktiven Dorf Berndeutsch – ab und zu sind bloss Sätze und Floskeln auf Französisch eingestreut. Das Setting der zweiten «Wilder»-Staffel stimmt mit der sprachlichen Realität also nicht überein.

Drehbuch-Autor erklärt sich

Der Haupt-Autor des «Wilder»-Drehbuchs, Béla Batthyany, reagiert auf den Vorwurf: Er und sein Team hätten sich von einem realen, ungeklärten Kriminalfall inspirieren lassen, der im französischen Jura geschehen sei. Die filmisch vielversprechende, geheimnisvolle jurassische Landschaft hätten sie für die Serie beibehalten wollen.

Und weil die Hauptfigur Rosa Wilder eine Berner Polizistin sei, habe die Handlung im Berner Jura stattfinden müssen, erklärt der Autor Béla Batthyany die Ansiedlung der SRF-Krimiserie im Berner Jura. Es sei dem Team wichtig gewesen, eine gewisse Authentizität zu wahren und die Hauptfigur quasi nach Vorschrift innerhalb der Kantonsgrenzen ermitteln zu lassen.

Ein Mädchen und ein Junge sprechen zusammen.
Legende: Sylvia Marinkovic (Adelina Kabashi) und Gilles Marti (Simon Kägi) in «Wilder». SRF/Pascal Mora

Mangelnde Konsequenz?

Konsequenterweise hätte das Geschehen dann allerdings in einem französischsprachigen Dorf spielen müssen, denn der Berner Jura ist praktisch komplett französischsprachig – abgesehen von ganz wenigen deutschsprachigen Einzelhof-Gemeinden. Béla Batthyany sagt jedoch, das hätte für das Deutschschweizer Fernsehpublikum nicht funktioniert. Und er meint: «Es ist eine Konvention, dass man als Zuschauer abstrahiert. Bei fiktionalen Stoffen ist man bereit, diese Konvention einzugehen, wenn die Geschichte gut ist.»

Batthyany und seinem Autorenteam ist es also wichtiger, dem Publikum leicht verständliche Dialoge und eine gute Story zu bieten, als eine realistische Abbildung der Sprachsituation im Berner Jura zu zeigen. Das ist bestimmt die richtige Entscheidung, wenn man ein grosses Publikum erreichen will. Aber gleichzeitig ist es eine verpasste Chance, dem Deutschschweizer Publikum zu zeigen, dass es mehr als nur eine Landessprache gibt.

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Alle Folgen von «Wilder» finden Sie bei SRF Play.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Ich versteh die ganze Diskussion nicht - total überflüssig. Geht es hier um einen Dokumentarfilm, oder was? Ist doch glänzend gelungen, einen fiktiven Ort im sprachlichen Grenzraum zu kreieren. Den es ja sowieso nicht gibt. Praktisch jeder Film wird an anderen Oertlichkeiten gedreht als in der Handlung dargestellt. Sprachlich ist das doch perfekt gelöst. Wilder kann sich qualitativ in die ganz grossen internationalen Serien einreihen. Aber der Schweizer sucht halt immer ein Haar in der Suppe.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Man findet immer etwas. Im ersten "Wilder" viel mir auch sofort auf, dass die Zufahrt auf den Urnerboden nie und nimmer entlang des Klöntalersee's führt. Und dann noch in das berner Oberland transferiert, ein Unding ;-) Also sowohl sprachlich wie geografisch ein Chrüsimüsi.
    Aber die Serie war gut gefilmt, spannend aufgebaut und die "Kulisse" passend gewählt!
    So besehen wird der fiktive berner Jura geradezu Punktgenau getroffen.
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  • Kommentar von Susann Bovay  (Susann Bovay)
    Man kann den Wilder auf RTS2 anschauen. Problem gelöst.
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