«Margritli»-Lied: Herzerwärmender Ohrwurm gegen die Kriegskälte

1940 drehte Regisseur August Kern einen heiteren Spielfilm über das Soldatenleben in der Schweiz: «S'Margritli und d'Soldate». Im Mittelpunkt steht Wirtstochter Marguerite, kurz Margritli. Ihr widmeten die Soldaten im Film ein Lied – und das wurde flugs zum Hit. Heute ist es Kult.

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«S'Margritli und d'Soldate» vom 16.01.2015

103 min, aus Schweizer Film vom 16.1.2016

Marguerite, oder eben Margritli, die Wirtstochter aus dem «Cerf» im Westschweizer Dorf Châtillaz musste mehr als eine Träne verdrücken, als auf dem Dorfplatz die Soldatenschar aufkreuzte und ein eigens für sie geschriebenes Lied sang. Wichtiger als die Soldaten im Hintergrund waren jedoch die drei Kinder vorne: die Geschwister Schmid aus Hägglingen im Aargau. Der elegante Herr daneben mit dem übertrieben langen Dirigierstock hatte das Lied geschrieben und sorgte mit seiner Band für die Begleitung: Teddy Stauffer.

Zwei Männer mit Soldatenhut grinsen in die Kamera. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der «Margritli»-Film zeigt das Soldatenleben eher von der unbeschwerten Seite. SRF/Autropa

Bedrohliche Lage

Diese Szene gehört zu den bekanntesten in «S'Margritli und d'Soldate». Tausende von Schweizerinnen und Schweizern hatten August Kerns Film damals gesehen, ganze Kompanien wurden ins Kino gekarrt.

1940 war die Schweiz komplett von den Achsenmächten umzingelt: im Norden Nazi-Deutschland, im Süden das Italien Mussolinis, im Osten das angeschlossene Österreich und im Westen Vichy-Frankreich. Die Lage war bedrohlich, eine deutsche Invasion jederzeit denkbar und die Schweizer Bevölkerung entsprechend alarmiert. Man versuchte dem drohende Defätismus zu begegnen – unter anderem mit Filmen wie «S'Margritli und d'Soldate».

«S' Margritli»

1:20 min, aus Gipfelstürmer vom 20.10.2012

Mit den «Popstars» von damals

Doch ein Film, der den langweiligen Alltag der Soldaten an der Grenze zeigt, lockt niemanden hinter dem Ofen hervor. Darum wurden dafür die «Popstars» von damals engagiert.

Dazu gehörte das Trio Geschwister Schmid: Klärli, damals 23-jährig und die Buben Werner und Willy, 12 und 14 Jahre alt, hatten schon in der Vorkriegszeit Erfolge gefeiert; bis nach Paris hatte man sie eingeladen. Und der strahlende Sunnyboy Teddy Stauffer hatte nach Jahren in den grossen Nachtlokalen am Ku'damm in Berlin eine Saison lang an der «Landi» 1939 in Zürich gespielt. Er und seine «Teddies» waren unglaublich populär.

Das «Margritli»-Lied schlug sofort ein. Dank dem Radio, das im Kommen war, wurde es gar in den hintersten Tälern der Schweiz gespielt und entsprechend gut verkauft.

Vom Musiker zum Playboy

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Sendungshinweis

SRF 1 zeigt am 16.1.2016 um 14:55 Uhr die aufwendig restaurierte HD-Version des Schweizer Filmklassikers «S'Margritli und Soldate» – in Gedenken an Regisseur August Kern, der vor 20 Jahren in Basel verstarb.

Zwei Jahre später wurde derselbe Film noch einmal gedreht. Nun spielte er im Ersten Weltkrieg. Die Wirtstochter hiess Gilberte und die Geschichte fand in Courgenay statt. Das dazugehörige Lied «Petite Gilberte» hatte Hanns In der Gand geschrieben – ein Sänger, der sich auf der Laute begleitete, kein Popstar.

Teddy Stauffer ging 1941 in die USA und später nach Acapulco in Mexiko. Dort war er nicht mehr Musiker, sondern Playboy.

Die Geschwister Schmid hingegen starteten musikalisch durch: Zuerst in der Schweiz mit ihrem Hit «Stägeli uf Stägeli ab», später als «Trio Shmeed» und «The Happy Yodlers» in den USA. Aber das ist eine andere Geschichte.

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