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Musical «Hamilton» auf Disney+ Episch, witzig und eine spannende Geschichtslektion

Musical-Fans jubilieren: Disney+ hat eine erstklassige Aufzeichnung des Bühnen-Kassenschlagers «Hamilton» ins Programm genommen – im richtigen Moment.

Das Timing passt: Rechtzeitig zum Unabhängigkeitstag der USA am 4. Juli hat der Streaming-Dienst Disney+ ein Erfolgsmusical ins Angebot genommen, das sich um den Gründungsmythos der Vereinigten Staaten dreht; genauer gesagt um einen der Gründerväter: um Alexander Hamilton, den Mann auf der 10-Dollar-Note.

Seit der Bühnenpremiere im Januar 2015 hat sich «Hamilton» zu einer Sensation entwickelt: Der Mix aus Hip-Hop, R&B und Broadway-Opulenz erwies sich als Renner, einige der Ohrwürmer wurden zu Charts-Erfolgen, es regnete Tony Awards, einen Grammy und gar einen Pulitzer-Preis. Schon bald war das Stück ein moderner Klassiker, und bei Disney wurde man hellhörig.

Übertragene Stimmung

Im Jahr 2016 war der Bedarf an Tickets für die Aufführungen mit der Original-Besetzung derart hoch, dass man sich zu einer aufwendigen Videoaufzeichnung entschloss.

Die Auswertung dieser Aufnahme hat nun etwas früher als geplant begonnen, und sie sorgt erwartungsgemäss für Begeisterung bei den Hamil-Heads, den Fans des Musicals, und allen, die das Stück erst jetzt entdecken. Das Publikum im Saal ging während der Aufzeichnung mit, und diese Stimmung überträgt sich.

Mit einer klassischen Kritik muss man sich da nicht lange aufhalten: Wer Musicals liebt und sich mit dem Konzept von «Hamilton» anfreunden kann, wird hingerissen sein. Die Songs sind stark, die Texte pointiert und die Choreografien imposant. Der Cast brilliert und versprüht über zweieinhalb Stunden lang reichlich Energie. Das ist episch, passagenweise erstaunlich witzig und obendrein eine spannende Geschichtslektion.

Ein dunkelhäutiger Mann steht auf der Bühne.
Legende: Die ursprünglich weisse Gründungsgeschichte wird bewusst vielfarbig erzählt. Disney / Disney+

Bunte Geschichte

Disney+ hat sich mit dem Start unmittelbar vor dem US-Unabhängigkeitstag ein symbolträchtiges Datum ausgesucht, und wer will, kann das als politisches Statement lesen: Der Autor und Hauptdarsteller von «Hamilton», Lin-Manuel Miranda, hat puerto-ricanische Wurzeln, und der gesamte Cast besteht fast ausschliesslich aus People of Color aus unterschiedlichsten Ethnien: Die ursprünglich weisse Gründungsgeschichte wird hier bewusst vielfarbig erzählt.

Disney+ hat somit das richtige Werk zur wichtigen Zeit: Die Botschaft von «Hamilton» passt zu den Diskursen rund um den Slogan «Black Lives Matter». Die Euphorie und die Aufbruchstimmung, die von diesem Werk ausgehen, könnten auf keinen günstigeren Zeitpunkt treffen. Und Disney+ erreicht damit sicher neue Zielgruppen.

Aber da ist noch etwas anderes, das Beachtung verdient.

Fleisch und Blut

«Hamilton» funktioniert ohne digitale Tricktechnik. Die aufzeichnenden Kameras folgen allein der Logik des Spektakels: Sie dokumentieren das stimmliche, tänzerische und darstellerische Talent der Truppe, ihren Schweiss und – im Fall des Darstellers von King George III – auch ihre Spucke. So viel organische Kraft ist man sich bei Disney sonst nicht gewohnt.

Erst ein halbes Jahr ist es her, da fiel die starbesetzte Verfilmung des Andrew-Lloyd-Webber-Musicals «Cats» gnadenlos durch: Die digitale Verfremdung der Figuren sei fürchterlich, hiess es. Der Erfolg von «Hamilton» auf Disney+ beweist nun: Ohne geht’s besser.

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