Im Kino «Neruda»: Frauenheld und Staatsfeind

Die Jagd auf den berühmtesten Chilenen der Geschichte als poetischen Krimi zu erzählen, ist gewagt. Es passt aber zum aufregenden Leben von Pablo Neruda.

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5 Fragen an Gael García Bernal & Pablo Larraín

4:52 min, vom 22.2.2017

«So hatte ich mir die Feste der linken Elite vorgestellt, wenn sie sich nicht gerade echauffieren. Hier versammeln sich die Intellektuellen, die Künstler, die um die Welt reisten und glücklich zurückkehrten.» So beschreibt es zu Beginn des Films eine Erzählstimme, wie der Dichter Pablo Neruda seine wilden und dekadenten Feste feiert.

Mann mit Hut im Auto Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schauspieler Gael García Bernal als Polizist der 40er-Jahre. Filmcoopi

Die Kommentarstimme gehört dem Polizisten Peluchonneau (Gael García Bernal). Er bewundert und verachtet den Freigeist und Playboy, dessen Poesie alle in den Bann zieht. Peluchonneaus Auftrag ist es den untergetauchten Neruda (Luis Gnecco) zu verfolgen, ihn zu finden und hinter Gitter zu sperren. Denn der Dichter ist Kommunist und denen geht es in Chile Ende der 1940er-Jahre an den Kragen.

Der Kalte Krieg hat gerade begonnen und Chile richtet seine Regierung nach rechts. Ein wohlwollendes Zeichen gegenüber der Grossmacht USA, die dem Kommunismus den Kampf angesagt hat.

Pablo Neruda gespielt von Luis Gnecco. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wenn die freie Rede zum Verhängnis wird. Filmcoopi

Nervenaufreibende Verfolgungsjagd

Aber den Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda einzufangen, zu dessen Unterstützern Grössen wie Pablo Picasso gehören, wird für Peluchonneau zum nervenaufreibenden Katz-und-Mausspiel. Ihm stets dicht auf der Spur, entsteht eine Verfolgungsjagd quer durch Chile und über die Anden.

Je länger sich Peluchonneau von Neruda in die Irre führen lässt, umso tiefer dringt er in die künstlerische Welt des Poeten ein. Er vertieft sich so sehr in dessen Werke und fängt an wie der Autor zu denken, bis man sich als Zuschauer nicht mehr sicher ist, ob Peluchonneau nur eine Romanfigur des Neruda-Cosmos‘ ist.

Endlich mal kein konventionelles Biopic

Anders als Pablo Neruda ist die Figur des Polizisten erfunden. Regisseur Pablo Larraín wollte die politische Verfolgung Nerudas nicht als klassischen Geschichtsfilm zeigen.

Im Kino: «Neruda»

1:07 min, vom 22.2.2017

Pablo Larraín ist dafür bekannt historische Stoffe in seinem individuellen Stil umzusetzen. Erst kürzlich zeigte er mit «Jackie», dem Portrait über die ehemalige First Lady Jacqueline Kennedy, dass er sich erfrischend vom Einheitsbrei der klassischen Film-Biografie abheben kann.

Schon fast experimentell

Auch «Neruda» ist alles andere als ein klassisches Biopic. Für die Verfilmung eines Geschichtsstoffs, wirken die Bilder schon fast experimentell. Die Tonart ist poetisch und voller Humor. Pablo Larraín verwebt historische Fakten mit Erfundenem.

Durch die Figur des fiktiven Polizisten schafft der Regisseur einen poetischen Kriminalfall, den man auch gerne als Roman lesen möchte.