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Shootingstar Helena Zengel
Aus Kultur Webvideos vom 09.02.2021.
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Neu auf Netflix «News of the World»: Eine Zwölfjährige stiehlt Tom Hanks die Show

Im Film «Systemsprenger» eroberte Helena Zengel 2019 die Berlinale. Jetzt macht das Energiebündel in Hollywood Furore.

Sie kreischt. Sie kratzt. Sie beisst. Helena Zengel ist in «News of the World», ihrem erstem Hollywoodfilm, voll in ihrem Element. Denn genau so haben wir den deutschen Shootingstar vor zwei Jahren kennengelernt: Kreischend, kratzend, beissend. Und unglaublich charismatisch.

Als «Systemsprenger» trug die damals Zehnjährige das gleichnamige, preisgekrönte Drama, das den Umgang mit schwer erziehbaren Kindern beleuchtete. Nun spielt die Berlinerin erneut einen Wildfang, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen.

Nahaufnahme von Helena Zengel mit Sommersprossen.
Legende: Lässt Hollywood-Stars erblassen: Jungtalent Helena Zengel in der Rolle von Cicada. Netflix / Universal Pictures / Bruce W. Talamon

Die Handlung von «News of the World» ist 1870, fünf Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, in Texas angesiedelt. Und Zengels Spielpartner in diesem Western, der eigentlich fürs Kino konzipiert wurde, ist kein Geringerer als Tom Hanks.

Fakten fürs misstrauische Volk

Der zweifache Oscarpreisträger gibt in der 2019 gefilmten Produktion, die nun von Netflix vermarktet wird, erneut den tugendhaften Helden: Captain Jefferson Kyle Kidd.

Der verwitwete Kriegsveteran zieht als Zeitungsvorleser von Stadt zu Stadt, um Amerika zu einen. Denn die Nation ist – ähnlich wie heute – tief gespalten und das Misstrauen gegenüber Nachrichten aus der Ferne entsprechend gross.

Totale mit Helena Zengel und Tom Hanks in der weiten Landschaft des Bundesstaats Texas.
Legende: Weite Landschaften, episches Format: «News of the World» wurde fürs Kino gedreht. Netflix / Universal Pictures / Bruce W. Talamon

Helena Zengels Figur begegnet er während seiner Reisen aus Zufall. Als er eines Tages auf das wilde Waisenkind trifft, weiss er zunächst nicht, wie er mit ihr umgehen soll: «Nicht beissen!», zischt er dem mysteriösen Mädchen zu, das offenbar kein Wort versteht.

Zikade mit deutschem Blut

Später stellt sich heraus, dass der Blondschopf bürgerlich Johanna Leonberger heisst und einer deutschen Einwandererfamilie entstammt. Nach dem frühen, gewaltsamen Tod ihrer Eltern nahmen sich Stammesmitglieder der Kiowa sechs Jahre lang dem Waisenkind an.

Sie nannten sie «Cicada», was auf Deutsch «Zikade» bedeutet. Und zogen ihr Pflegekind nach den Sitten amerikanischer Ureinwohner auf, bis sie brutal hingerichtet wurden. Kein Wunder also, dass das doppelt traumatisierte Mädchen als Spross unterschiedlichster Minderheiten nicht Englisch spricht.

Tom Hanks und Helena Zengel, frontal fotografiert in einer Kutsche.
Legende: Finden auf ihrer Reise langsam einen Draht zueinander: Mr. Kidd and the kid. Netflix / Universal Pictures / Bruce W. Talamon

Weil sich niemand um Cicada kümmern will, nimmt Captain Kidd das Kind temporär unter seine Fittiche. Mit dem Ziel, es zu dessen einzig lebenden Blutsverwandten im 400 Meilen entfernten Castroville zu bringen. Dass es nach vielen gemeinsam überstandenen Abenteuern anders kommt, versteht sich von selbst.

Altmodisches Epos mit moderner Seele

Trotz vorhersehbarer Handlung ist dem Briten Paul Greengrass mit «News of the World» eine stimmige Verfilmung des US-Bestsellers aus dem Jahr 2016 gelungen. Vor allem, weil der bildstarke Film Themen aufgreift, die uns heute beschäftigen.

Kidd kämpft für die Verbreitung verlässlicher Nachrichten im Zeitalter von Fake News und politischer Polarisierung. Ausserdem setzt sich der ehrenhafte Südstaatler für Minderheiten ein, die viele seiner Mitbürger als Feinde betrachten.

Halbtotale mit Tom Hanks und Helena Zengel in einer offenen Kutsche.
Legende: Im Western nichts Neues: Besonders überraschend verläuft die Rahmenhandlung nicht. Netflix / Universal Pictures / Bruce W. Talamon

Tom Hanks verleiht dieser Figur, welche sich Amerika nach Trump herbeisehnt, die gewünschte Portion Glaubwürdigkeit. Schliesslich strahlt der 64-Jährige durch seine bevorzugte Rollenwahl genau das aus: Anstand, Tugend und Versöhnlichkeit.

Im Vergleich mit Energiebündel Helena Zengel sieht der grundsolide Hanks allerdings uralt aus. Ohne schauspielerisch etwas falsch gemacht zu haben. Es wirkt eher so, als ob der Amerikaner schlicht im Licht der überragenden Strahlkraft eines jungen Stars verblasst ist.

Netflix-Start: 10.2.2021

Radio SRF 3, 10.2.2021, 16:50 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Robi Mühlebach  (Verito)
    Hat man die Kritik bei True Grit (2010) abgeschrieben? Damals mit der jungen Hailee Steinfeld und Jeff Bridges tönte es fast gleich. Oder wirkt jung neben alt generell frischer und dynamischer?
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Ich fände es schön, wenn der auch irgendwann im Kino gezeigt wird. Das ist doch das bessere Erlebnis, gegenüber dem TV.
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    1. Antwort von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
      Mit eine anständige fernseher, ein bequeme Sofa, am Anfang es Kaffee, am Ende es gut Glas Rote, ein paar Chips. Und das zusammen mit meiner Frau, nein ich schaue gerne solche Filmen zuhause an.
    2. Antwort von Delmar Lose  (DeLo)
      In einem richtigen Kino sprich IMAX ja aber sonst erspare ich mir das. In der Schweiz sind die Kinos meist langweilig und zu klein um es zu einem Erlebniss zu machen. Das hat vor 20 Jahren noch funktioniert aber die Kinos sind nicht mit der Zeit gegangen...
    3. Antwort von Robi Mühlebach  (Verito)
      Ach ja, das Kino; vor einem eine Person mit auftoupierten Haaren oder Hut der die Sicht versperrt, hinter einem einer der jede Szene kommentiert, links neben einem eine Person die das Popcorn schmatzend vertilgt und einen noch ankrümelt und rechts neben mir ein ständig aufleuchtendes Handydisplay. Ja, so schöne Erlebnisse vermisse ich auch.
  • Kommentar von Derek Elmiger  (Galileo)
    Kann man so nicht sagen: der alte Mann Captain Kid (Tom Hanks) ist nun mal im letzten Viertel seines schicksalsreichen Lebens angekommen, während Johanna (Helena Zengel) erst am Beginn ihres jungen aber nicht weniger schicksalshaften Lebens steht. So sind die Figuren sehr gut besetzt, wenn auch die Geschichte selbst in nichts überrascht: gute Menschen, schlechte Menschen und das passende Spannungsfeld dazwischen. Trotzdem ein sehenswerter Film mit schönen Bildern und „Ende gut“ Finale.
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