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Filmbesprechung BEYTO
Aus Kultur-Aktualität vom 28.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
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Neu im Kino Beyto ist jung, Schweiz-Türke und schwul

Schwul zwischen zwei Welten: Um die Ehre zu wahren, muss Beyto eine Frau heiraten – gegen seinen Willen.

Die Schweizer Regisseurin Gitta Gsell hat den Roman «Hochzeitsflug» des türkischstämmigen Schweizers Yusuf Yesilöz verfilmt. Der Film heisst wie seine Haupfigur: «Beyto».

Beyto lebt als junger Schweiz-Türke im Spannungsfeld zwischen seinen konservativen Eltern und den eigenen Bedürfnissen. Als er sich in seinen Schwimmtrainer Mike verliebt, beginnt die grosse Zerreissprobe.

Im Wasser gehört Beyto zu den Schnelleren. Auch als die ersten Funken stieben zwischen ihm und seinem gleichaltrigen Trainer Mike, braucht er nicht lange, um zu merken, wo er steht – zu seiner eigenen Überraschung.

Sommerferien in der Türkei mit Folgen

Beyto verliebt sich und lässt zuhause bei seiner Mutter einen Versuchsballon steigen, indem er von einem Freund aus Istanbul erzählt, der sich verliebt habe. In einen Mann. Die Mutter reagiert, wie befürchtet, mit einer wegwerfenden Geste. Bald merkt auch Mike, dass Beyto sich nicht getraut, offen zu ihm zu stehen

Als die Gerüchte um ihren Sohn lauter werden, beschliessen Beytos Eltern, ihn in den Sommerferien in der Türkei mit seiner Jugendfreundin Seher zu verheiraten. Damit er mitkommt, behaupten die Eltern, die Grossmutter liege im Sterben.

Ein Paar in Hochzeitskleidung
Legende: Beyto (Burak Ates) liebt Seher (Ecem Aydin) - aber nur wie eine Schwester. Beyto

Natürlich braucht Beyto im türkischen Bergdorf nicht lange, um das Spiel zu durchschauen: «Ihr habt mich reingelegt!», brüllt er seinen Vater an und erklärt zum ersten Mal offen, was er wirklich wolle. Aber das interessiere die Eltern ja ohnehin nicht.

Und doch fügt sich Beyto in die Heirat, nur schon, um Seher, die er wie eine Schwester liebt, nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Worauf die Probleme dann eben zuhause in der Schweiz auf ihn warten. Seher ist unglücklich und Mike voller Wut.

Mehr zu Yusuf Yesilöz

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Mehr zu Yusuf Yesilöz
Legende: SRF / Lukas Maeder

Auf der SRF-Literaturplattform Ansichten, Link öffnet in einem neuen Fenster gibt es alle wichtigen Informationen über aktuelle Schweizer Autorinnen und Autoren - auch über Yusuf Yesilöz, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Gitta Gsell hat den fast zehn Jahre alten Roman von Yusuf Yesilöz mit verblüffender Sicherheit in die Gegenwart transferiert.

Zärtlich-explosives Gefühlsgemisch

Laiendarsteller Burat Ates, ein Produktionsmechaniker aus Solothurn, lässt als Beyto, mit dem ohnehin von Film zu Film stärker werdenden Profi Dimitri Stapfer als Mike, ein überzeugend zärtlich-explosives Gefühlsgemisch entstehen. Im Gegenzug spielen Beren Tuna und Serkan Tastemur Beytos Eltern ebenso wohlmeinend wie überfordert.

Das Casting sei nicht einfach gewesen, sagt die Regisseurin. Etliche junge Schauspieler hätten sich zurückgezogen, als sie merkten, dass sie einen schwulen jungen Mann hätten spielen sollen. Nicht, weil sie ein Problem damit gehabt hätten. Aber allenfalls ihre Familien. Was zeigt, wie aktuell das Thema des Films tatsächlich ist.

Mehrere junge Männer
Legende: Voller Einsatz: Comedian und Social-Media-Star Zeki Bulgurcu spielt Beytos besten Freund. Beyto

Vielleicht gerade darum ist «Beyto» ein Ensemblefilm, der von allen Beteiligten mit spürbarem Engagement und vollem Einsatz getragen wird, bis hin zum Schweizer Comedian und Social-Media-Star Zeki Bulgurcu, der Beytos besten Freund spielt.

Neben seiner Gefühlssicherheit und dem realistischen Einsatz der Sprachen ist es auch eine grosse Stärke dieses Films, dass es Gitta Gsell gelingt, einem alle Figuren ans Herz zu legen. Der Film stellt das Dilemma des schwulen Sohnes nicht über die Verständnisnot seiner Eltern – und zeichnet so ein gesellschaftliches Umfeld, das überzeugend die aktuelle Schweiz widerspiegelt.

Und als ob das nicht schon Leistung genug wäre, bekommt das überzeugende Drama am Ende noch einen einleuchtenden, hoffnungsvollen, realistischen und doch romantischen Twist, der das Publikum so beschwingt wie nachdenklich aus dem Kino entlässt.

Kinostart (unter Vorbehalt): 29.10.20

SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 28.10.20, 8:06 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Lia Perbo  (liaper)
    Ich finde es sehr schade, dass der Journalist es versäumt hat, den Namen des Hauptdarstellers richtig auszusprechen. ”Burat Akes” anstatt Burak Ates. Man könnte sagen, es zeuge von mangelndem Respekt, oder vielleicht war es schlicht ein Versprecher. Jedoch ist es bezeichnend, dass dies gerade bei Menschen mit Migrationshintergrund häufig passiert. Um es in den Worten von Melisa Erkurt zu sagen: ”Wer Migrant*innen ihre Namen aberkennt, erkennt ihnen einen Teil ihrer Identität ab.”
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  • Kommentar von Aytac Dogan  (1923)
    Sehr geehrte Frau Gsell,ich habe Sie im Interview mit dem ZFF gesehen/gehört. Die Thematik des Films ist wie immer Standardkost,alles was man schon zuvor gehört oder gelesen hat.Sie greifen ein Thema auf,was in vielen anderen Ländern auch ausgeübt oder gelebt wird, ja auch sogar mitten in Europa.Was mich aber viel mehr verwundert ist, dass Sie nach so vielen Stunden,Tage,Wochen und Monate mit den Türkischen Schauspielern verbracht haben,aber den Namen "Ates" immer noch falsch aussprechen...
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  • Kommentar von Corinne Ehrler  (Corinne Ehrler)
    Das wird sicher sehr viele Menschen in die Kinos locken.
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